Anleger Juliusplate Skipper mit Überblick

Matthias Rauch ist der Mann, der am Naturhafen Juliusplate den Überblick behält. Sein Ehrenamt füllt er mit Freude aus. Doch auf eine Sache würde er lieber verzichten.
25.05.2022, 11:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrike Schumacher

Matthias Rauch hat sie alle im Blick, all die Boote, die beim Wassersportverein Juliusplate Berne an den Stegen liegen. Es gehört zu seinen Aufgaben als Hafenmeister, den Kapitänen die Liegeplätze zuzuweisen. „Ich teil die Boote ein“, sagt der 64-Jährige. „Auch die Gastboote. Wenn jemand vorübergehend hier anlegen will, muss ich gucken, wo Platz dafür ist.“ Kaum gesagt, reckt der Hafenmeister auch schon den Kopf. Gerade kommt ein Motorboot in den Naturhafen am Rande der Weser getuckert. Gäste, die sich zuvor angekündigt hatten.

Matthias Rauch ist selbst Wassersportler. Er besitzt einen Motorsegler und ist Mitglied im Verein. Seit zwei Jahren ist er dort auch Hafenmeister, erzählt der hochgewachsene Mann, der früher mal als Skipper Jugendfahrten begleitet hat. „Mein Boot“, sagt Matthias Rauch, „ist meine Parzelle.“ Eine ohne Garten, was ihm sehr entgegenkommt. „Rasenmähen ist nichts für mich.“

Er hat es nicht weit von seinem Wohnort zum idyllisch gelegenen Hafen in Berne. Ideal, um mal eben kurz die schwimmende „Parzelle“ zu besuchen. Und ideal für die anderen Vereinsmitglieder, dass jemand schnell vor Ort sein kann. Viele von ihnen müssen für ihren Wassersport eher weitere Anfahrten zurücklegen. Als der vorherige Hafenmeister wegzog, berichtet Matthias Rauch, wurde er sein Nachfolger. „Erstmal kommissarisch. Wir konnten wegen der Pandemie ja keine Versammlung abhalten.“ Inzwischen ist er vom Verein offiziell in dieses Ehrenamt gewählt worden. Zu tun gibt es genug. Aber es sei nicht so, dass er alles allein machen müsse, sagt der Hafenmeister. Er darf delegieren. Die Vereinsmitglieder müssen mit anpacken. „Sie verpflichten sich, den Platz in Ordnung zu halten.“ Als Hafenmeister koordiniert er die Arbeitseinsätze und pflegt den guten Draht zu den Mitgliedern. „Im Moment haben wir hier eine tolle Truppe“, freut er sich.

Die Saison hat für die rund 50 Segler und Motorbootfahrer gerade begonnen. Die Gruppe hat dafür im Frühjahr die Steganlage im Wasser aufgebaut und das Vereinsgelände von all den Hinterlassenschaften des Winters befreit. Das Hochwasser stand bis unters Vereinsheim, das auf Stelzen gebaut wurde, erinnert sich der Hafenmeister. Die Flut hatte jede Menge Reet aufs Gelände gespült. Den Ponton hätten sie nach 30 Jahren auch überholen müssen, und der Holzsteg, der aufs Wasser hinausführt, müsse noch ausgebessert werden, blickt Matthias Rauch auf kommende Arbeitseinsätze. Er ist sich sicher, dass die Wassersportler dann wieder mithelfen. „Und wer die Arbeitsstunden nicht leisten kann, muss einen Ausgleich zahlen.“

Das Hafengelände verlangt vom Hafenmeister allerdings auch, was er eigentlich nicht wollte: Rasenmähen. Dafür gibt es immerhin einen Aufsitzmäher. Und wenn die Boote auf dem Trailer zur Slipanlage gezogen werden müssen, schwingt Matthias Rauch sich auch auf den Trecker. „Deswegen“, sagt er augenzwinkernd, „bin ich überhaupt Hafenmeister geworden.“ Sein Ehrenamt gefällt ihm. Neben der Arbeit als Fahrradmechatroniker bei einer E-Bike-Firma. Wenn Feierabend ist, zieht es Matthias Rauch meistens wieder in den Hafen. Die Wochenenden verbringt er gern auf dem Wasser.

Es scheint, als würden Hobby und Ehrenamt miteinander verschwimmen. Den Blick für den guten Zustand der Steganlage hat der Skipper genauso wie der Hafenmeister. Zieht eine der blauen Tonnen, auf denen der lange Gittersteg befestigt ist, Wasser, ruft Matthias Rauch zum außerplanmäßigen Arbeitseinsatz. Auf jeden Fall aber Ende Oktober, wenn die Saison zu Ende geht. Dann muss die Steganlage wieder an Land. Bevor das Hochwasser kommt, mit seinem Reet.

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