Meine Woche: Schürfwunden sind an der Tagesordnung

Der 14-jährige Finn Schwichtenhövel ist Radballer beim RV Warfleth und besucht die achte Klasse der Oberschule Berne. Mit seinen Geschwistern und Eltern erlebte er eine ereignisreiche Woche.
23.02.2021, 16:13
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von KARSTEN HOLLMANN

Mittwoch, 17. Februar: Um 7 Uhr ist es Zeit, aufzustehen. Eine Stunde später findet auch bereits die erste Videokonferenz im Home-Schooling statt – und zwar in Mathe. Das ist für mich okay. Den Rest der heutigen Aufgaben verschiebe ich auf den Abend, da endlich die Sonne scheint und der Schnee weg ist. Somit kann ich die selbst gebauten Rampen fahren. Die sind aus allem zusammengeschustert, was nach dem Umzug in ein neues Haus übrig war. Die Rampen haben mein Bruder Erik, Jonas Göring, unser Freund vom Radballverein Warfleth, und ich vor unserer Garage und auch bei Jonas gebaut. Wir sind uns oft ohne Worte einig, so auch beim Bauen der Rampen. Wenn der eine nicht mehr sägen möchte, macht der andere weiter. Erik und ich diskutieren oft beim Aufräumen, aber das regelt sich immer. Jonas wohnt drei Häuser weiter – uns verbindet eine kleine Dorfstraße ohne Bürgersteig. Wenn wir fahren wollen, schieben wir die Rampen auf die Straße. Bei jedem Auto, das vorbei möchte, schieben wir sie beiseite. Und auch beim Wegräumen müssen wir zusehen, dass meine Mutter Sandra noch irgendwie vorbeikommt – der Aufwand lohnt sich aber. Jetzt werde ich aber zuerst noch meinen Scooter zurückbauen. Der hat nämlich noch eigens gebaute Kufen für die Schneerampe der Deichpiste. Für mich, Erik und Jonas ist es einfach das Größte. Also geht es raus auf die Räder. Es wird nun Twibble Whip, Barspin und Free Sixty geübt. Hier auf dem Land stört sich auch keiner daran, wenn unsere Rampen auf der Straße alles blockieren. Da während der Corona-Pandemie kein Radball-Training stattfindet, ist es das Beste, um fit zu bleiben – Spaß macht es außerdem.

Donnerstag, 18. Februar: Nach einer kurzen Nacht stehe ich um 8 Uhr auf. Ich habe mir gestern noch den Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“ angesehen. Das ist gerade unser Thema im Deutsch-Unterricht. Die Ausarbeitung des Buches ist anspruchsvoll. Es geht um einen Jungen im Zweiten Weltkrieg. Es macht mich traurig. Aber gleichzeitig bin ich froh, auf dem Land ein schönes Zuhause zu haben, wo ich zufrieden bin und Freunde habe. Auch wenn ich sie durch Corona zurzeit nicht sehe. Meine Katze Simba freut sich darüber. Sie ist eine rot-weiß-schwarze Glückskatze und sieben Jahre alt. Als ich klein war, wollte ich immer den Film „König der Löwen“ sehen – daher kommt auch der Name Simba. Meine Katze ist in letzter Zeit auf jeden Fall viel anhänglicher geworden. In unserem alten Zuhause musste man sie immer von der Straße tragen, wenn ein Auto oder ein Traktor kam. Das ist heute aber nicht mehr so. Zum Schlafengehen findet sie nicht immer mein Zimmer, sondern biegt oft schon vorher bei Erik ab und schläft dort. Am Abend ist Kochen angesagt. Das mache ich neuerdings immer häufiger – es gibt Käsenudeln. Mein Bruder hält sich dabei mit mir in der Küche auf. Es ist laut und chaotisch. Erik holt mir alles, was ich brauche. Ich koche die Nudeln und schmelze den Käse. Beim Ablegen des Messers rutscht es auf die heiße Herdplatte – der Griff schmilzt. Wir räumen auf, jedenfalls so weit, dass es einigermaßen okay aussieht – Ärger gibt es trotzdem. Aber die Käsenudeln schmecken.

Freitag, 19. Februar: Heute kommen Handwerker ins Haus und stellen das Wasser ab. Deshalb bin ich um 8 Uhr als Erster im Bad. Meine zwei Geschwister müssen warten. Eigentlich bin ich ein Nachtmensch und schlafe deshalb lieber länger. Um 12.30 Uhr gibt es wieder eine Videokonferenz. Zurzeit haben wir sehr viel mit der Berufsorientierung zu tun. Die abgesagten Praktikumsplätze und Angebote von der Schule sind nun zum Frühjahr neu geplant. Es werden verschiedene Berufszweige vorgestellt. Man kann sich auch handwerklich ausprobieren. Bisher habe ich mich noch nicht darauf festgelegt, was ich später machen möchte. Ich interessiere mich für viele verschiedene Bereiche. Meine Mutter arbeitet im Grafikdesign und erstellt Werbung und Webseiten am Computer. Das habe ich auch schön öfter ausprobiert. Es liegt mir, vor allem im Photoshop Bilder zu bearbeiten. Das Programmieren ist auch spannend. Aber dafür muss ich erst noch viel auswendig lernen. Ich zeichne ansonsten sehr viel, gerade jetzt zur Corona-Zeit. Einiges mache ich für eine Bewerbungsmappe. Auf der anderen Seite bin ich auch handwerklich schon früh aktiv gewesen. Mit meinem Vater und Bruder durfte ich schon als kleiner Junge viel Eigenes bauen und das Werkzeug meines Vaters nutzen. Ich streiche heute auch noch mein Zimmer weiter. Ich habe mir ein cooles Schwarz-Weiß-Design überlegt. Einige meiner alten Scooterteile und Skateboards sollen auch an die Wand. Es sieht jetzt schon klasse aus.

Sonnabend, 20. Februar: Ich möchte auf die Skaterbahn nach Lemwerder. Deshalb stehe ich um 9 Uhr auf und mache schnell mein Müsli mit Banane, Apfel, Jogurt und Haferflocken. Ich stecke dann noch vier Äpfel in die Tasche und fahre mit Jonas und Erik los. Erik ist elf Monate jünger als ich. Wir sind vom Charakter her sehr unterschiedlich. Das Radballfahren im Verein hat uns jedoch zusammengeschweißt. Seitdem fahren wir Outdoor, dann auch BMX und Scooter. Vor Ort sind schon einige auf den Rampen, die ich kenne und schon lange nicht mehr gesehen habe. Das Wetter ist perfekt. Sonne, T-Shirt und laut unsere Lieblingslieder von den „Toten Hosen“ aus der Box. „Game of bike“ ist nun angesagt. Das heißt, dass einer einen Trick vormacht und die anderen zwei Versuche haben, diesen auch zu schaffen. Wir wären gerne noch viel länger geblieben. Es ist schließlich gefühlt der erste Sommertag. Doch der Grill wartet zu Hause mit Berner Würstchen.

Sonntag, 21. Februar: In den Tag starte ich mit einer kleinen Fahrradtour zum Berner Bäcker. Dann trifft sich unsere Familie in der Küche. Dabei ist es laut und lustig, wie jedes Wochenende beim Frühstück. Es wird wie immer aufgepasst, dass jeder ein Zimtbrötchen abbekommt. Da es gestern so klasse auf der BMX-Bahn war, fahren wir heute wieder. Eriks Reifen ist aber platt. Jonas und ich fahren schon mal vor. Meine Mutter bringt Erik dann nach. Wir treffen uns an der Dönerbude an der Fähre. Nachdem jeder endlich seine Pommes hat, geht es zu den Rampen. Wir sitzen alle, wie immer, auf der Quaterpipe beim Essen und können dabei die Tricks der anderen beobachten. Gleich nach dem Essen muss ich ein Liegestütz-Challange mit Demir bestehen. Beim Starten sind wir noch gleich schnell. Doch er wird immer langsamer. Und bei 25 hört er einfach auf. Die meiste Zeit übe ich heute Quint Whip. Man dreht dabei das Deck vom Scooter nach dem Sprung vier bis fünf Mal in der Luft. Schürfwunden gibt es aber auch – wie so oft.

Montag, 22. Februar: Weil Montag ist, drucke ich für die Woche erst alle Schulaufgaben aus und sehe mir diese an, da ich die Video-Konferenzen extra notiere. Um 11 Uhr habe ich auch gleich die erste – Geschichte. Dieses Fach interessiert mich sehr. Wir behandeln gerade das Thema Kolonien. In der Konferenz wird über die Hausaufgaben in diesem Fach gesprochen. Im Anschluss nehme ich zwei Toasts mit Käse zu mir. Um 12.30 Uhr bin ich mit Mathe fertig. Daher darf ich noch einmal nach Lemwerder. Erik hat leider mehr Fächer heute auf und kann daher nicht mit. So nehme ich den Skooter auf die Schulter und fahre mit dem Rad meines Vaters und Jonas los. Ich übe Nose Manual. Das ist das Balancieren auf dem Vorderrad beim Fahren auf dem Scooter. Es klappt maximal zweieinhalb Meter. Es gibt noch viele andere Tricks, die wir üben. Bei Edeka hole ich mir Pfirsich-Eistee. Jonas greift wie immer zu den Chips. Anschließend geht es mit einer Blase am Finger nach Hause. Ich lege mich für 20 Minuten in die Badewanne und schaue später meine Lieblingsserie Iron Fist.

Dienstag, 23. Februar: Weil das Wetter weiter so toll ist, gehe ich mit Erik und Zooey zum Strand um die Ecke. Man muss dabei vorher durch ein kleines Wäldchen. Dann gelangt man zu einem ruhigen Strandabschnitt mit einem Leuchtturm. Hier gibt es immer etwas zu entdecken.

Hannelore Preuß, die Gymnastik-Übungsleiterin des MTV Eiche Schönebeck, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Info

Zur Person

Finn Schwichtenhövel

ist Radballer beim RV Warfleth. Der 14-Jährige besucht die achte Klasse der Oberschule Berne. Mit seinem Bruder Erik, der ebenfalls Mitglied beim RVW ist, Schwester Zooey sowie den Eltern Sandra und Peter Schwichtenhövel lebt der Youngster in Berne.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+