Platznot in Berne und Lemwerder Grundschulen stoßen an ihre Grenzen

Steigende Kinderzahlen, einzügig konzipierte Grundschulen und die Corona-Pandemie sorgen dafür, dass die Grundschulen in Lemwerder und Berne an ihre Grenzen stoßen. Neubauten könnten Entlastung bringen.
15.07.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Grundschulen stoßen an ihre Grenzen
Von Barbara Wenke

Lemwerder/Berne. Mit Sorge sehen die Rektorinnen der Berner und Lemwerderaner Grundschulen dem Schuljahr 2022/23 entgegen. Bereits jetzt werden mehr Kinder beschult als ursprünglich vorgesehen. Für 2022 sehen Eike Glimm, Beate Petter und Bettina weniger große Probleme auf sich zukommen. Auch in die Kindergärten ist die Lage angespannt. Eine Bernerin hat eine Petition gestartet, in der sie den Bau einer neuen Kita in Ganspe fordert.

"Im Sommer 2023 haben wir definitiv einen Klassenraum zu wenig", stellt die Gansper Rektorin, Beate Petter, fest. Eigentlich sind es heute schon zu wenig. Die Gansper Grundschule ist einzügig konzipiert worden. Das bedeutet, dass pro Jahrgang eine Klasse vorgesehen war, also insgesamt vier. Damit ausreichend Klassenräume zur Verfügung stehen, haben die Gansper ihre drei Fachräume für Werken und Kunst, für Musik und die Bücherei zu Klassenräumen umfunktioniert.

Schule nimmt Kindergarten auf

"Nach dem Kindergartenbrand 2010 ist unsere Schule geteilt worden", erläutert Beate Petter. Die Gemeindeverwaltung brachte die drei Kindergartengruppen – zunächst für 18 Monate – in der damaligen Bücherei, dem Musikraum und dem sogenannten Brückenjahrraum der Grundschule unter. Aus dem Provisorium ist mittlerweile fester Bestand geworden. "Die Räume fehlen uns", sagt Beate Petter.

Bislang reichten sieben Räume aus. Jeder vierte Jahrgang sei so klein gewesen, dass nur eine Klasse gebildet werden musste. Die Kinderzahlen lassen aber schon heute erkennen, dass im Sommer 2023, wenn die heutige zweite Klasse die Grundschule Ganspe verlässt, so viele Kinder eingeschult werden, dass sie auf zwei Klassen aufgeteilt werden müssen. Ein weiterer Raum stehe aber nicht mehr zur Verfügung. Als Lösung wünscht sich Beate Petter den Bau eines neuen Kindergartens. "Die Krippe könnte bleiben. Und wir würden unsere alten Räume zurückbekommen."

Am gleichen Strang ziehen Eltern, die die Online-Petition "Neubau Kita Ganspe" auf der offenen Internetplattform "open Petition" gestartet haben. "Die Platzprobleme in Kita und Grundschule nehmen langsam überhand. (...) Die Schule platzt aus allen Nähten und es werden jedes Jahr mehr Kinder, die eingeschult werden. Wir fordern einen Neubau der Kita und einen Rückbau der Räume für die Grundschule", schreibt Nina Hillebrand.

Erste Ideen für einen Standort werden in Ganspe bereits laut, wohlwissend, dass die Betroffenen die Vorschläge nicht gerne hören werden. Ein Neubau an alter Stelle ist unmöglich. Die Gemeinde hat das Grundstück verkauft."Gehandelt" werden nun die Tennisplätze neben der Sporthalle sowie das Areal des evangelischen Gemeindehauses an der Möwenstraße.

Entstehen wird eine Kindertagesstätte im Berner Ortszentrum. An der Weserstraße ist ein Haus für zwei Kindergarten- und drei Krippengruppen geplant. Bis das neue Gebäude steht, wird die Gemeinde zeitlich begrenzt eine Regelgruppe mit 25 Plätzen in Neuenkoop schaffen.

Die Gemeinde Lemwerder hat jüngst ein Krippenhaus mit drei Gruppen eingerichtet. Dadurch bietet der benachbarte Kindergarten einen Gruppenraum mehr für Drei- bis Sechsjährige. In den Sommermonaten soll zudem eine zweite Kindergartengruppe in Altenesch eingerichtet werden. Das entspannt die Lage.

Ein neuer Grundschulcampus ist ebenfalls in Planung. Eike Glimm hofft, dass er schnell Realität wird. "Im Schuljahr 22/23 werden wir sechs Klassen mit mehr als 20 Kindern haben. In die Containerräume passen aber nicht mehr als 18 oder 19 Kinder", blickt die Rektorin voraus. "In dem Moment, in dem ein Kind eine Schulbegleitung hat, wird es noch schwieriger."

Anmeldezahlen steigen

Die Zahl der Anmeldungen steigt. Derzeit besuchen 54 Jungen und Mädchen den ersten Jahrgang der Grundschule Lemwerder. Am 2. September werden voraussichtlich 63 Jungen und Mädchen eingeschult. Und für den Sommer 2022 stehen laut Eike Glimm derzeit 70 Kinder auf der Liste.

Wie in Ganspe und Berne sind auch in Lemwerder Fachräume Mangelware. Am Standort Mitte ist ein Musikraum vorhanden. Weil er auch fachfremd genutzt wird, können aber keine Instrumente stehen bleiben. "Große Xylofone und Standtrommeln trägt man nicht für 45 Minuten Unterricht vom Dachboden ins Erdgeschoss", so Glimm. Ein Werkraum fehlt, weil in den Klassenräumen weder mit Ton noch mit der Säge gearbeitet werden darf. Eike Glimm kommt zu dem Schluss: "Wir können nicht das unterrichten, wozu wir eigentlich verpflichtet sind."

Auch in Berne, wo einst mit zehn Klassenräumen großzügig gebaut wurde, wird es eng. Derzeit werden acht Klassen unterrichtet. Ab Sommer 2022 werden es laut Rektorin Bettina Weniger neun sein. Der zehnte große Raum wird als Mensa genutzt. Probleme bereitet laut Weniger insbesondere der Ganztagsunterricht. Da sich die Jahrgänge aufgrund der Corona-Pandemie nicht beliebig mischen dürfen, müssen viele kleine Gruppen betreut werden. Auch auf die Situation im Lehrerzimmer wirkt sich Corona aus. Um Abstände einzuhalten, hat das Kollegium vorübergehend einen Gruppenraum zu einem zweiten Lehrerzimmer umfunktioniert. Dieser fehlt nun für pädagogische Zwecke.

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