Schiffbau Fassmer stellt vollelektrisches Forschungsboot fertig

Eine kreative Ader haben Mitarbeiter der Fassmer-Werft in Berne schon häufiger unter Beweis gestellt. Nun ist ein vollelektrisches Boot für die Forschung fertiggestellt worden. Wie es eingesetzt werden soll...
07.04.2022, 14:20
Lesedauer: 3 Min
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Fassmer stellt vollelektrisches Forschungsboot fertig
Von Björn Josten

Berne. Autonomes Fahren ist auch im Schiffbau ein Thema. Einen Beitrag dazu hat jetzt Fassmer aus Berne geleistet. Das Werft-Unternehmen hat eine Forschungsplattform zur Erprobung innovativer maritimer Systeme an das Oldenburger Institut „Systems Engineering für zukünftige Mobilität“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgeliefert. Speziell geht es um ein vollelektrischen Boot aus Aluminium.

„Seit Anfang des Jahres forschen wir in unserem neuen DLR-Institut zum komplexen Thema der Vertrauenswürdigkeit hochautomatisierter und autonomer Systeme“, erklärt Axel Hahn, Institutsleiter des DLR-Instituts für Systems Engineering für zukünftige Mobilität. „Mit unserem neuen Forschungsboot verfügen wir innerhalb unseres maritimen Testfelds 'eMIR' über eine weitere Versuchsplattform. Die konstruktive Zusammenarbeit und die gute Kommunikation mit Fassmer vor und während der Bauphase hat dazu geführt, dass das Boot ideal auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist.“

Das Boot firmiert als Typ RHB 8.0 und ist eine acht Meter lange Spezialanfertigung. Sie ist eigens für die besonderen Anforderungen der Forschung entwickelt worden. Das Boot wird als enorm manövrierfähig beschrieben. Es kann zudem auf der Stelle drehen. Die zwei um 360 Grad drehbaren sogenannte Pod-Antriebe werden rein batterie-elektrisch betrieben und haben eine Reichweite von über zwei Stunden bei einer konstanten Geschwindigkeit von sechs Knoten. Der Antrieb wird von zwei Zwölf-Kilowatt-Batteriepaketen gespeist.

Je nach Projektziel kann das Forschungsboot mit besonderen Sensoren ausgerüstet werden. Mithilfe spezieller Module kann es komplett vom Land gesteuert werden, um beispielsweise An- und Ablegemanöver zu testen. Zusätzlich zum Schwerpunkt der autonomen Schifffahrt wird das Boot auch für die Erprobung neuer Regelungen und die Simulation von Navigationseigenschaften von Schiffen eingesetzt. Im geschlossenen Deckshaus finden neben vier Personen auch Arbeitsplätze sowie Werkzeuge und Elektronik Platz.

„Wir freuen uns sehr, dass wir Teil dieses Projektes sein dürfen und mit unserem Boot einen wichtigen Baustein für die Forschung zu autonomer Schifffahrt stellen. Die Erkenntnisse, die künftig mit diesem Boot gewonnen werden, sind für uns als Werft natürlich im besonderen Maße von Bedeutung“, sagt Jan Henkel, Bereichsleiter Fassmer Maritime. Konzipiert ist das Boot für eintägige Fahrten in der Nord- und Ostsee.

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Den Auftrag erhielt Fassmer nach erfolgreicher Teilnahme an der öffentlichen Ausschreibung im Juni 2021. Die Konstrukteure, Schiffs- und Bootsbauer der Fassmer-Werft sind für ihre kreative Ader bekannt. So haben sie bereits Fähren mit LNG- und Schiffe mit Methanolantrieb gebaut. Jeweils als Erste in Deutschland. Zudem haben die Motzener einen vollelektrischen Wasserbus entwickelt. Dieser könnte als Hafenfähre im ÖPNV eingesetzt werden. Sobald Fassmer einen Interessenten gefunden habe, könne die erste Fähre nach rund eineinhalb Jahren operieren. Alle Folgeschiffe seien schneller zu produzieren.

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Über Fassmer

Das bereits 1850 gegründete Unternehmen Fr. Fassmer GmbH & Co. KG mit Sitz in Berne ist ein führender Hersteller von technologisch anspruchsvollen Spezialschiffen. In fünfter Generation wird die Firma heute von den Brüdern Holger und Harald Fassmer geleitet. Neben dem Spezialschiffbau mit Forschungsschiffen, Arbeitsschiffen, Offshore Patrol Booten, Fähren und Explorer-Yachten ist Fassmer auch im Bau von Spezial-, Rettungs- und Tenderbooten weltweit führend. Darüber hinaus werden in den Produktbereichen Anlagenbau Zugangssysteme und Außenhautpforten, in der Windkraft-Division Spinner- und Gondelverkleidungen sowie Helikopterplattformen und in der Faserverbundtechnik Komponenten für die Automobil- und Freizeitindustrie hergestellt. Qualifizierte Servicemitarbeiter führen weltweit Inspektionen, Instandhaltungen, Reparaturen und Crew-Trainings durch. Die Firma Fassmer verfügt über Produktionsstätten in Deutschland, Polen, China und den USA mit weltweit mehr als 1.500 Mitarbeitern.

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