Standortwechsel des Segelschiffes So verlief der Transport der „Gorch Fock“ zur Lürssen-Werft

Um 16.01 Uhr hat der Schlepper den Rumpf der „Gorch Fock“ auf die Weser und weiter zur Lürssen-Werft gezogen. Dem Unternehmen gehört nun auch die Elsflether Werft, die zuvor Insolvenz angemeldet hatte.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Iris Messerschmidt

Um 15.20 Uhr war es soweit, die Rumpf-Marke der „Gorch Fock“ zeigte 3,40 Meter. „So tief liegt sie nun im Wasser“, erklärte Michael Kuik, Reparaturleiter der Fassmer-Werft die Hintergründe. 41 Minuten später bot sich den Beobachtern auf der just vorbeifahrenden Fähre sowie den Zuschauern, die sich auf dem Kai der Fassmer-Werft positioniert hatten, ein besonderes Bild. Per Schlepper wurde das Segelschulschiff, das über einen speziellen Hebelift der Fassmer-Werft ins Wasser gelassen worden war, ins Fahrwasser der Weser gezogen. Gut 15 Minuten später hatte es die 900 Meter überwunden und war an seinem neuen Standort, der benachbarten Lürssen-Werft, angekommen.

Mit diesem Wechsel ist auch ein weiteres Kapitel im Fall der insolventen Elsflether Werft beendet. Denn der Gläubigerausschuss hat just an diesem Mittwoch dem Verkauf an die Lürssen-Werft zugestimmt. „Einstimmig“, wie der Insolvenzanwalt und Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann, sagte. Gemeinsam mit Vorstand Axel Birk und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Pieter Wasmuth stand Brinkmann am Fassmer-Pier und schaute zu, wie die „Gorch Fock“ ihren Standort wechselte.

Einen Standort-Wechsel brauchen nach dem Verkauf die rund 130 Mitarbeiter der Elsflether Werft, die ab sofort unter dem Namen Elsflether Repairwerft GmbH firmiert, nicht zu befürchten. Dass die Mitarbeiter übernommen werden, sei eine Voraussetzung für den Verkauf gewesen. Ebenso, den Auftrag „Gorch Fock“ zu Ende zu bringen. „Ich hoffe, dass ich mit der Ausbildung auf der instandgesetzten Gorch Fock im September 2020 beginnen kann“, blickte Kapitän zur See Nils Brandt positiv in die Zukunft. Brandt, der im Juni 2014 auf dem Segelschulschiff das Kommando übernahm und nun seit Dezember 2015 darauf wartet, endlich wieder ein taugliches Schiff über die Weltmeere segeln zu können, war mit rund 30 Freiwilligen in Berne vor Ort. Die Marinesoldaten an Bord sicherten unter anderem mit dicken Tauen die „Gorch Fock“, damit sie nicht ins Schlingern geriet, während sie ins Wasser gelassen wurde.

Lesen Sie auch

„Ein wenig traurig ist man schon“, sagte Michael Kuik bei diesem Anblick. Allerdings, so machte der Reparaturleiter deutlich, hätten die Fassmer-Mitarbeiter die vergangenen viereinhalb Monate lediglich assistiert. „Die Mitarbeiter der Elsflether Werft waren mit den Arbeiten beschäftigt, wir haben uns auf Anforderung ,nur' um Logistik und Material gekümmert“, erzählt Kuik. Die Mitarbeiter der Elsflether Werft waren es dann auch, die bei der Wassermarke von 3,40 Meter im Innenraum der Gorch Fock kontrollierten. „Bei dieser Höhe liegt die Gorch Fock zwar schon im Wasser, aber gleichzeitig noch auf den Rollen des Hebeliftes“, machte Kuik deutlich. Bei möglichem Wassereinbruch hätten die Werftarbeiter dieses im Innenraum festgestellt und die Gorch Fock wäre sofort wieder per Lift aus dem Wasser gehoben worden.

Am Ende waren alle zufrieden. Wie es nun weitergeht? „Alle alten Aufträge der Elsflether Werft AG werden von der Elsflether Repairwerft GmbH bearbeitet“, sagt Tobias Brinkmann, der froh ist, dass die Zeit der Unsicherheit für die Elsflether Werftmitarbeiter mit dem Verkauf beendet ist. „Es war im Übrigen eine relativ breit angelegte Suche nach einem Käufer“, erzählt Brinkmann. Das habe es eine ganze Reihe auch namhafter Interessenten gegeben.

Eine konkrete Summe wollte während der Verholung der „Gorch Fock“ niemand nennen. „Wir werden die Gläubiger nicht in Gänze befriedigen können“, ließ Pieter Wasmuth auf Nachfrage durchblicken. Allerdings sei er mit dem jetzigen Verkauf sicher, dass „eine gute Kombination gelungen ist“. Eine etablierte Werft wie Lürssen gebe eine gute Perspektive für die Mitarbeiter und die Weiterarbeit an der „Gorck Fock“ ein wichtiges Signal in Richtung Marine. „Aus unserer Sicht, gemessen an dem, was wir Anfang des Jahres vorgefunden haben, eine sehr, sehr gute Lösung“, so Wasmuth.

Weitergeführt wird laut Tobias Brinkmann durch die Elsflether Repairwerft GmbH auch die Instandsetzung des Elbe-Tenders, ein Versorgungsschiff der Deutschen Marine. Die Kosten? „Ich habe vertraglich versprochen, nicht über Summen zu sprechen“, so Tobias Brinkmann. Nur so viel gibt er preis: „Es gibt noch weitere Verhandlungen dazu.“

Neben der Fortführungen der strafrechtlichen Ermittlungen gegen die ehemaligen Werft-Vorstände und die Anspruchsverfolgung werde laut Tobias Brinkmann im weiteren Insolvenzverfahren ebenfalls noch untersucht, welches sonstige Vermögen noch durch Tochtergesellschaften der ehemaligen Elsflether Werft AG vorhanden ist. Das Gelände der Elsflether Werft wird laut Tobias Brinkmann erst einmal von der Lürssen-Werft gepachtet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+