Storchenpflegestation Wesermarsch

Störche trotzen der Kälte

In Berne nisten wieder 100 Storchenpaare. Die Eltern haben ihre Brut vor der Kälte gut geschützt. Bald stehen erste Flugversuche an. Für das Team der Storchenpflegestation Wesermarsch immer ein Highlight.
16.05.2019, 17:28
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Imke Molkewehrum

Berne. Der kalte, verregnete Frühling macht jungen Störchen zu schaffen, aber die Küken sind nicht dem Tode geweiht. Diese Entwarnung gibt Udo Hilfers, der seit 27 Jahren die Storchenpflegestation Wesermarsch im Berner Ortsteil Güsing betreibt. „Natürlich frieren die Tiere, dramatisch wird es aber erst bei Kälte mit Dauerregen. Dann sollte man die Nester sauber machen, damit das Wasser ablaufen kann. Wenn sich das Wasser nicht staut, frieren die Störche auch nicht.“

Problematisch sei, dass die Störche ihre neuen Nester meist auf ihre alten Nester setzen, die das Wasser nicht mehr durchlassen. Irgendwann entstehe dann eine Pfütze. Auf der Storchenstation werden die Nester daher gereinigt und von undurchlässigen Plastikteilen und Kot-Resten befreit.

Hilfers ist zufrieden mit der aktuellen Storchenpopulation in Berne. „Hier ist wieder alles voll. Wir haben in Glüsing wieder 100 Paare. Berne ist damit die storchenreichste Gemeinde in Deutschland“, sagt er. Darauf seien auch die Einwohner stolz. Grundsätzlich seien Störche darauf gepolt, an ihren Schlupfort zurückzukehren. „Und unsere alten Bekannten sind tatsächlich zurückgekehrt“, freut sich der Tierfreund, der über die Vögel Buch führt und die Daten an die Vogelwarte weitergibt.

Natürlich seien wieder einige der Zugvögel auf der Strecke geblieben, bedauert er. „Sie wurden auf dem langen Flug erschossen, gegessen oder sind verunglückt. Die wenigsten werden an Altersschwäche gestorben sein." Umso größer sei die Freunde, „wenn Vermisste wieder auftauchen“. In der Storchenpflegestation in Glüsing werden derzeit 50 kranke und verletzte Tiere versorgt. „In diesem Jahr haben wir schon wieder Flügelbrüche durch Kollisionen mit Fahrzeugen und Windkraftanlagen“, sagt Udo Hilfers. Drei Störchen sei in der Tierklinik je ein Flügel amputiert worden. „Die werden zwar nie wieder fliegen, können hier aber noch Jahrzehnte leben und vielleicht sogar Nachwuchs bekommen. Womöglich sogar mit einem gesunden Partner.“

In dieser Saison sind die meisten Jungen schon geschlüpft. „Alles geht seinen Gang“, sagt Hilfers. Die Westzieher, die die Strecke über Spanien nehmen, seien schon im Februar und März angekommen und hätten Mitte April ihren Nachwuchs bekommen. Natürlich sei die kühle Witterung ein Problem gewesen. „Die Eltern saßen tief und fest auf ihren Jungen, um sie warm zu halten“, sagt Hilfers. Kritisch werde die Lage aber erst, wenn die Nestlinge zu groß werden, um von den Eltern gehudert, also gewärmt, zu werden. „Aber da hatten wir keinen Ausfall“, sagt der Storchenschützer.

Bei den Jungstörchen gebe es trotzdem immer Verluste, weil viele Eltern ihre eigene Brut aus dem Nest werfen, wenn vier bis fünf Nachkommen versorgt werden müssen. „Das ist nicht unbedingt immer der Kleinste, oft werfen sie auch den dicksten Nachkommen aus dem Nest, weil der so viel frisst.“ Diese Waisenkinder würden manchmal von Augenzeugen auswärts aufgelesen und zur Storchenpflegestation gebracht.

Insgesamt habe sich die Storchenpopulation erholt, sagt Hilfers. Allerdings gebe es immer mehr Unfälle mit Windrädern, Autos oder Mähmaschinen. Sobald die Wiesen gemäht oder gedüngt werden, seien die Störche auch da, erläutert der Experte. Aus Erfahrung wüssten die Tiere, dass nun die Beutetiere aufgescheucht werden. Da die Landwirte daher geradezu von Störchen umringt seien, komme es vor, dass die Vögel auch mal verletzt würden, „auch wenn die Bauern kräftig auf die Bremse treten“.

Während dieser Phase würden auch die Windräder ringsum gestoppt, um Störche, aber auch Bussarde und Falken zu schützen. Den Betreibern sei das zwar ein Dorn im Auge, aber es seien schlicht zu viele Tiere gefährdet. Unvermeidbare Blessuren und Brüche erwartet Udo Hilfers dagegen in rund vier Wochen, wenn die ersten Flugversuche der Jungstörche anstehen. „Da gibt es sicher wieder etliche Bruchpiloten.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+