Berater aus Berne Umzugshelfer für Wespen

Jörg Kröger aus Berne gehört der Gruppe „Hautflügler“ an. Diese berät Bürger in der Wesermarsch zum Umgang mit den schwarz-gelben Insekten. Kröger leitet lieber deren Flugbahnen um als die Nester zu entfernen.
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Umzugshelfer für Wespen
Von Barbara Wenke

Noch ist das Wetter sommerlich. Die Anzahl der in der Luft umherschwirrenden Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln hat saisonbedingt allerdings schon deutlich abgenommen. Für Jörg Kröger ist das ein Grund zum Durchatmen, denn der Berner gehört zu einem fünfköpfigen Team, das Menschen berät, die sich durch die schwarz-gelb gestreiften Insekten belästigt und bedroht fühlen. Im Sommer hat er mit seinem ehrenamtlichen Nebenjob gut zu tun gehabt.

„2018 war ein Wespenjahr“, resümiert Jörg Kröger und erläutert den Grund: „Im Juni fiel die Schafskälte aus und das Frühjahr war sehr trocken.“ Voraussetzungen, bei denen Insekten wie Wespen und Bienen gut gedeihen. „Im vergangenen Jahr hatten wir viel Regen. Dadurch waren 2017 viele Völker eingegangen oder nicht so groß geworden.“

Im Sommer 2018 haben Kröger und seine Kollegen aus Stadland, Nordenham und Brake 105 Personen beraten. Auf Kröger, der für Lemwerder, Berne und Elsfleth zuständig ist, entfielen 23 Telefonberatungen. Das klinge erst mal nicht viel, räumt der 59-Jährige ein. Aber: Über jedes Gespräch ist ein ausführliches Protokoll zu schreiben. „Wir könnten gut noch Mitstreiter gebrauchen“, sagt Kröger.

Einige Bürger kann der Berner gleich am Telefon beruhigen. Andere sucht er nach den Telefonaten auf. Dann schaut er sich die Situation vor Ort an und siedelt notfalls ganze Völker um. „Am Telefon kann man das nicht immer richtig einschätzen.“

Umleiten statt umsiedeln

Im abgelaufenen Sommer hat der Berner acht Wespen- und drei Hornissenvölker in eine neue Umgebung verfrachtet. „Eigentlich vermeiden wir die Umsiedlungen“, erzählt der 59-Jährige. Aber manchmal gehe es nicht anders. „Wenn jemand nachgewiesen allergisch ist und bereits von einem einzelnen Stich Atemnot bekommen würde, dann muss das Nest umgesiedelt werden“, betont Kröger.

Für eine Umsiedlung wartet der Berater, bis es Abend wird. „Ab 21 Uhr kann ich ziemlich sicher sein, dass die meisten Tiere im Nest sind.“ Dann verschließt er den Eingang, schneidet das Gebilde ab und legt es in einen großen Eimer. Anschließend transportiert Kröger seine Fracht mindestens drei Kilometer entfernt an einen anderen Ort. Dort öffnet er den Einlass und die Insekten können wieder fliegen.

Besser als ein Volk umzusiedeln sei es aber, die Insekten an ihrem angestammten Ort zu belassen, sagt Kröger. Dazu leistet er viel Aufklärungsarbeit. „Die Tiere fliegen nur von März bis Oktober. Wenn sich zum Beispiel Wespen oder Hornissen in einem Holzstapel eingenistet haben, können sie dort normalerweise bleiben. Das Holz braucht man den Sommer über ja nicht.“

Nester, die von den Insekten über Eingangstüren gebaut wurden, ummantelt Kröger mit einem Netz. „Das habe ich immer dabei, wenn ich rausfahre. Ebenso wie meine Heißklebepistole.“ Wenn das Nest eingehaust ist, öffnet er ein Loch gen Himmel, „sodass die Wespen weiterhin raus können“. Die Devise lautet: Umleiten statt umsiedeln.

Selbst Hornissen im Schlafzimmer sind für den Berner kein Grund für schlaflose Nächte. „Wenn sich mal eine Hornisse ins Haus verirrt, ist es wichtig zu wissen, wo sie herkommt. Kommt sie von draußen, also ohne ein Nest im Zimmer gebaut zu haben, sollte man einfach das Licht ausschalten und das Fenster offenlassen. Dann fliegt sie wieder raus.“

Angst vor den gelb-schwarzen Hautflüglern kennt Jörg Kröger nicht. Er ist seit vier Jahren Imker und den Umgang mit den Insekten gewohnt. Wer einige Verhaltensregeln beachte, müsste unversehrt durch den Sommer kommen, meint der 59-Jährige. „Stechen können alle. Grundsätzlich tun sie es aber nicht. Man sollte allerdings nicht versuchen, die Tiere zu verscheuchen. Das macht sie aggressiv. Ebenso reizt der Kohlendioxidausstoß die Tiere, wenn man sie anpustet.“

Zudem könne jeder Mensch ein wenig Vorsorge betreiben. „Fallobst ist ein gefundenes Fressen für Wespen“, weiß der Berater. „Und Bienen lieben wallendes Haar.“ Wer nicht als Lockmittel fungieren möchte, sollte die Haare zusammenbinden.

Es gibt aber auch Fälle, in denen Jörg Kröger und seine ehrenamtlichen Kollegen nicht helfen können. „Nester, die höher als dreieinhalb Meter hängen, dürfen wir nicht entfernen. Das würde die Berufsunfallversicherung nicht abdecken.“ Des Weiteren heben die ehrenamtlichen Berater keine Erdwespennester aus. „Erdwespen sind aggressiv und man weiß nicht, wie tief und in welche Richtung man buddeln müsste.“ Kröger rät dazu, derartige Nester großzügig mit einem Flatterband abzusperren.

Auch wenn die Beratergruppe „Hautflügler“ ehrenamtlich arbeitet, ist ihr Einsatz nicht kostenlos. Wer sie für eine Umsiedlung in Anspruch nimmt, zahlt einen Grundbetrag von 40 Euro plus zehn Euro Stundenlohn. Selbstjustiz, um Geld zu sparen, sei verboten. Sowohl Hornissen als auch verschiedene Arten von Hummeln, Wespen und Wildbienen stehen auf der roten Liste bedrohter Tierarten.

Weitere Informationen

Die Kontaktaufnahme mit den Beratern erfolgt über Anna Wiersbinski (Telefon: 0 44 01 / 92 73 69) vom Fachdienst Umwelt des Landkreises Wesermarsch.

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