Seenotkreuzer bei Fassmer auf Kiel gelegt Zwei Münzen im Rumpf

Die DGzRS hat auf der Fassmer-Werft in Berne ein weiteres Schiff der 28-Meter-Klasse auf Kiel legen lassen. Zwei Münzen im Rumpf erinnern an die Wiedervereinigung. Der Kreuzer soll am Darß eingesetzt werden.
19.03.2020, 16:32
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Zwei Münzen im Rumpf
Von Barbara Wenke

Die Fassmer-Werft hat den neuen Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) für den Darß auf Kiel gelegt. Die Kiellegung – fast schon Routine bei Fassmer – ging bei der „SK 42“ – so die interne Bezeichnung – mit einer Besonderheit einher: Dem Spezialschiff wurden sowohl eine D-Mark-Münze als auch eine Ostmark eingesetzt.

Einer alten Schiffbautradition folgend legte die Werft vor den Augen der Vorleute und mehrerer Besatzungsmitglieder die Münzen in ein Bauteil des Rumpfes ein. Während früher ein Geldstück unter dem Kiel lag und in der Bauzeit durch das ansteigende Gewicht platt gedrückt wurde, findet eine Münze oder Medaille bei heutiger Bauweise in einer speziellen Öffnung eines Bauteils Platz. Die Münze soll Schiffbauern und Seenotrettern Sicherheit, Glück und Gesundheit verheißen.

Dass die „SK 42“ zwei Münzen in ihrem Rumpf trägt, ist der deutschen Geschichte geschuldet. Vor 30 Jahren hatte die DGzRS ihren Seenotrettungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern wieder aufleben lassen. „Die Kiellegung des neuen Seenotrettungskreuzers für den Darß markiert auch einen wesentlichen Zeitabschnitt der mehr als 150 Jahre währenden Seenotretter-Geschichte“, betonte der ehrenamtliche Vorsitzende der DGzRS, Gerhard Harder, während der Zeremonie. „Deshalb wurde nicht nur eine, sondern zwei Münzen in die anschließend verschweißte Aluminiumtasche eingelegt – eine Mark der DDR, umgangssprachlich auch Ostmark genannt, sowie eine Deutsche Mark der Bundesrepublik Deutschland.“ Vor 30 Jahren hatte sich die deutsch-deutsche Grenze an Land und auf See geöffnet.

Hand an die Münzen legte die freiwillige Seenotretterin Sandra Breitner, die im Jahr der Wiedervereinigung geboren wurde. Seit zwei Jahren unterstützt sie die Seenotretter am Darß. Sandra Breitner fährt mit, wenn zusätzlich jemand an Bord gebraucht wird. Die beiden Münzen werden in den kommenden Dienstjahren des Spezialschiffes bei jedem Einsatz dabei sein.

Der Zusammenschluss der Seenotretter aus Ost und West unter dem Dach der DGzRS am 3. Oktober 1990 gilt laut DGzRS-Sprecherin Antke Reemts „als eine der gelungensten Aktionen der deutschen Wiedervereinigung“. Mit dem Zusammenschluss übernahm die DGzRS im 125. Jahr ihres Bestehens wieder den Seenotrettungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern. Als größten damaligen Gewinn bezeichnet Reemts „die hoch motivierten Besatzungen mit ihrer Erfahrung, Revierkenntnis und der Einstellung zu ihrer Aufgabe, die sich kein bisschen von der ihrer Kollegen im Westen unterschied.“ Nach wie vor gebe es unter den Besatzungen Familien, die seit vielen Generationen Seenotretter stellen.

Das Typschiff der 28-Meter-Klasse war am 30. Mai 2015 getauft worden. Der jetzt auf Kiel gelegte Kreuzer ist das inzwischen sechste Schiff der Serie. Es wird im Rahmen der ständigen Modernisierung der Rettungsflotte auf der Station am Darß zum Einsatz kommen. Diese wird in den nächsten Jahren aus dem Nothafen Darßer Ort, der zurückgebaut und renaturiert werden wird, in den derzeit in Planung befindlichen Inselhafen Prerow umziehen. Die „Theo Fischer“, die derzeit noch ihren Dienst am Darß versieht, wird künftig als Springer eingesetzt. Das heißt, sie wird immer dort zur Rettung Schiffbrüchiger auslaufen, wo andere Seenotrettungskreuzer – zum Beispiel bei Generalüberholungen – vertreten werden müssen.

Besondere Merkmale der 28-Meter-Klasse sind eine umfassende Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung an Bord, eine Feuerlöschpumpe mit ferngelenktem Monitor zur Bekämpfung von Bränden auf See und die Fähigkeit, sich im Falle des Durchkenterns innerhalb weniger Sekunden wieder aufzurichten. In der für Seenotrettungskreuzer typischen Heckwanne führen die 28-Meter-Einheiten jeweils ein gut acht Meter langes Tochterboot mit sich, das auf See unabhängig vom Mutterschiff agieren kann. Weitere technische Daten der Klasse sind ihre Breite von 6,20 Metern, ihr Tiefgang von zwei Metern, ihre Motorleistung von fast 4000 PS und ihre Geschwindigkeit von 24 Knoten.

Die DGzRS, die für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten der Nord- und Ostsee zuständig ist, hält rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf insgesamt 55 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2000 Einsätze, die von der Seenotleitung in Bremen koordiniert werden. Seit Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger im Jahr 1865 haben ihre Besatzungen mehr als 85 000 Menschen aus Seenot gerettet oder aus drohenden Gefahren befreit. Finanziert wird die Arbeit der Gesellschaft ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen.

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