Population hat sich erholt Dem Osterhasen geht’s besser

Dem Hasen geht es in allen Naturräume Niedersachsens wieder besser. Allerdings: In der Region trüben Seuchen die Bilanz, berichtet Bernhard Martens, Kreisjägermeister in der Wesermarsch.
29.03.2021, 13:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Heilscher

Wesermarsch. Gute Nachrichten vom Osterhasen: Den Hasen geht es in Niedersachsen wieder besser. So stieg in allen fünf Naturräumen Niedersachsens – Ostfriesland/Oldenburg, Dümmer/Osnabrücker Land, Stader Geest/Heide, Börde/Aller Flachland und Weserbergland/Harz – die Zahl der Feldhasen an. Mit durchschnittlich bis zu 17 Prozent war der Anstieg in der Naturregion Dümmer/Osnabrücker Land am höchsten. Den positiven Besatztrend beim Feldhasen bestätigt auch die Nettozuwachsrate. Dies ist die Differenz zwischen den jährlichen Frühjahrs- und Herbsterfassungen. Auf das Land Niedersachsen bezogen, lag diese im Durchschnitt bei einem Plus von 13 Prozent.

„Die Witterung ist ein Faktor, der Einfluss auf die Entwicklung von Wildtieren nimmt. Auch und gerade für den Feldhasen gilt: Ein warmes und trockenes Frühjahr wirkt positiv – nasskaltes Wetter zu dieser Jahreszeit setzt insbesondere den Junghasen erheblich zu“, weiß Egbert Strauß, Wildbiologe der Landesjägerschaft Niedersachsen. Aber die Witterung ist nur das eine. Auch die Qualität der Lebensräume muss stimmen: „Strukturgebende Landschaftselemente mit nahrhaften Wildkräutern und Gräsern sowie ausreichend Rückzugsmöglichkeiten sind für den Feldhasen das A und O“, betont Egbert Strauß.

„Die Hasenapotheke ist das Wichtigste“, ergänzt Bernhard Martens, Kreisjägermeister in der Wesermarsch. In den vergangenen Jahrzehnten habe die Qualität der Lebensräume vielerorts stark nachgelassen. Intensivgrünland, das fünfmal im Jahr geschnitten wird, sei kein ausreichender Lebensraum mehr für den Feldhasen. Moderne Mähmaschinen trügen ebenfalls dazu bei, dass der Bestand unter Druck steht. Was die Qualität des Lebensraums anbetrifft, setzt Bernard Martens auf den Niedersächsischen Weg, dieses vom Land, Naturschutzverbänden und Landwirten erarbeitete Konzept zur Stärkung der Natur in Niedersachsen.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Um eine Verbesserung des Lebensraums bemühen sich vielerorts auch die Jäger, indem sie Hecken und Brachflächen anlegen. „Um die Biotopstrukturen für den Feldhasen, aber auch viele andere frei lebende Arten der Feldflur – von der Feldlerche über das Rebhuhn bis zu den Insekten – zu fördern, müssen aber auch die politischen Rahmenbedingungen für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft geschaffen werden“, macht die Landesjägerschaft deutlich. Derzeit wird über die Fortschreibung der EU-Agrarpolitik verhandelt. Da haben die Mitgliedsländer einen breiten Spielraum zu entscheiden, nach welchen Kriterien die Subventionen verteilt werden. Die Jägerschaft erhofft sich Programme und Fördermaßnahmen zur Steigerung der Biodiversität, die sich noch stärker an den ökologischen Erfordernissen ausrichten und gleichzeitig die Leistungen von Landwirten und Flächenbewirtschaftern honorieren.

Gefährlich werden können dem Feldhasen verschiedene Krankheitserreger – insbesondere bei schlechter Witterung – und Nahrungsmangel. Auch Fressfeinde haben einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Hasenpopulation. Um die Besätze der Feldhasen, aber auch anderer bodenbrütender Arten wie Kiebitz, Feldlerche oder Rebhuhn zu stützen, sei eine intensive Bejagung von Prädatoren wie Fuchs und Marder aber zunehmend auch gebietsfremder Arten wie Waschbär und Marderhund und anderer Fressfeinde wichtig, hält die Landesjägerschaft fest. In der Wesermarsch wird deshalb in Vogelschutzgebieten ein Berufsjäger eingesetzt.

Gesellschaftsjagden fielen aus

Die Jäger in der Wesermarsch haben den Hasen aufgrund der Hasenseuche im zurückliegenden Jagdjahr nur sehr maßvoll bejagt. „Hinzu kommt, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Gesellschaftsjagden ausgefallen sind“, ergänzt Bernhard Martens. Im Jagdjahr 2020/21 kamen, verglichen mit dem Vorjahr, nur 40 Prozent der Hasen zur Strecke. Erschreckend sei dabei der hohe Anteil Fallwild, sagt Bernhard Martens. Von 991 Hasen starben zwei Drittel im Straßenverkehr.

Seit Jahren schon werde der Hase in der Wesermarsch nur sehr maßvoll bejagt, um den Bestand nicht zu gefährden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich die aktuelle Erholung der Bestände auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau vollzieht. Noch im Jahr 2004 betrug die Strecke knapp 10.000 Hasen. Und in den 1970er-Jahren waren es rund 20.000 Hasen. Aber in den 1970er-Jahren war die Landwirtschaft noch eine andere, und es gab viel weniger Füchse und Marder als heute.

Info

Zur Sache

13 Feldhasen pro Quadratkilometer

Trocken und warm. 2020 war ein gutes Jahr für den Feldhasen. Durchschnittlich 13 Feldhasen leben in Niedersachsen pro Quadratkilometer. Diesen Wert aus der Wildtiererfassung Niedersachsen hat die Landesjägerschaft Niedersachsen jetzt veröffentlicht. Für die Wesermarsch sind zwar keine exakten Zahlen ausgewertet worden, aber in der Marsch ist der Bestand höher als im Landesschnitt. Die offene Landschaft ist der Lebensraum des Hasen.

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