Fleißige Spendensammler 300 000 Euro für krebskranke Kinder

Eine handvoll Lemwerderaner sammelt seit 30 Jahren Spenden. Knapp 300 000 Euro bislang. Das Geld setzten sie eins zu eins in hochwertige medizinische Geräte für die Professor-Hess-Kinderklinik in Bremen um.
25.09.2018, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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300 000 Euro für krebskranke Kinder
Von Barbara Wenke

Sie sind vermutlich die fleißigsten Spendensammler Lemwerders. Seit dem Nikolausmarkt 1988 sammeln Christel Krapp-Heckers und Ingeburg Kwiske für krebskranke Kinder. „Ich hatte einen Tag vorher einen Radiobericht gehört. Darin hieß es, dass es der Professor-Hess-Kinderklinik an allen Ecken und Enden fehlt. Wir haben auf dem Markt dann einen Glühweinstand aufgemacht und alle Standinhaber gebeten, etwas von ihren Einnahmen abzugeben“, erinnert sich Krapp-Heckers. Das zeigte Erfolg: Innerhalb eines Wochenendes kamen 10 000 Deutsche Mark zusammen.

Krapp-Heckers, Kwiske und ihre Mitstreiter sind seither nicht müde geworden, Spenden einzuwerben. Auf dem Lemwerderaner Wochenmarkt sowie bei Kirchenfesten sind sie oft präsent. Jetzt haben sie wieder rund 20 000 Euro zusammen, die sie der Klinik zugutekommen lassen möchten. Allerdings in Form eines Sachgeschenks. „Wir sind unserem Vorsatz, niemals Bargeld zu geben, bis heute treu geblieben“, betont die Initiatorin. Die Mitglieder der Kinderkrebshilfe Lemwerder, wie die Initiative sich heute nennt, legt Wert darauf, dass kein Cent des Geldes in die Verwaltung fließt oder in dubiosen Kanälen verschwindet. Deshalb übergeben sie Geld erst, wenn ihnen eine Rechnung vorgelegt wird.

Von den Spenden des Nikolausmarktes 1988 hatten die Lemwerderaner der Klinik eine Bettenwaage gespendet. „Bis dahin mussten die Krankenschwestern die erkrankten Jungen und Mädchen immer auf einen Stuhl setzen. Das waren Strapazen für Kinder und Personal“, fasst Krapp-Heckers lange zurückliegende Gespräche mit dem Krankenhauspersonal zusammen. Vier Jahre ist es her, dass die Mitglieder der Kinderkrebshilfe Lemwerder eine Spende überbracht haben. Im Februar 2014 hatte der Elternverein leukämie- und tumorkranker Kinder in Bremen der Professor-Hess-Kinderklinik von dem in Lemwerder gesammelten Geld ein Ultraschallgerät mit auswechselbaren Schallköpfen gekauft. „Damit können jetzt Kinder aller Altersklassen und Körpergrößen untersucht werden“, sagt Christel Krapp-Heckers erfreut. Eine Investition von 22 000 Euro, die sich die Klinik nicht hätte leisten können.

Jüngst haben die Lemwerderaner die Kinderkrebsstation besucht, um zu erfragen, womit sie dieses Mal helfen können. Doch der Elternverein hat nach Auskunft von Krapp-Heckers und Kwiske momentan keine Wünsche. „Die ziehen mit der Klinik demnächst um. Danach schauen wir, was gebraucht wird. Jetzt etwas anzuschaffen, hätte keinen Sinn gemacht.“ Die Ärztin Maren Relitz demonstrierte den Besuchern aus dem niedersächsischen Umland bei der Ultraschall-Untersuchung eines Jungen den Einsatz ihres jüngsten Geschenkes.

Über die Jahre hinweg haben die beiden Frauen der ersten Stunde eine Handvoll treuer Mitstreiter gefunden. Eine von ihnen ist Hannelore Ebeling. Die Betreiberin der Boutique Creativ-Mode Ebeling hat schon vor langer Zeit ein Sparschwein neben ihrer Kasse platziert. Viele Kunden füttern die „Spendensau“ mit Kleingeld. Einige auch mit Scheinen. Zweimal pro Jahr lädt die Geschäftsfrau in ihrer Boutique an der Stedinger Straße zur Modeschau ein. Der Eintritt ist frei. Allerdings bittet Ebeling um Spenden. Nach den Modeschauen wird „geschlachtet“. Nach der Herbst-/Winter-Modenschau wanderten 481,44 Euro auf das Konto der Kinderkrebshilfe. „Im Frühjahr war es eine ähnliche Summe“, stellt Ebeling erfreut fest.

Neben der Bettwaage und dem Ultraschallgerät haben die Lemwerderaner der Klinik in den vergangenen 30 Jahren unter anderem Badewannenlifter und Toilettenstühle, Puls-Oxymeter für die Chemotherapie, Herz-Atem-Monitore mit Infusomat, eine Dosierpumpe zur kontinuierlichen intravenösen Verabreichung von Infusionen, sowie Patientenüberwachungsmonitore gekauft. „Früher mussten die Eltern während der Behandlung immer danebensitzen. Heute können sie sich auch einmal eine Pause gönnen“, zitiert Krapp-Heckers dankbares Klinikpersonal und Eltern. Während dieser Pause können sich die Eltern in Elternzimmer zurückziehen, die von den Lemwerderanern ausgestattet wurden.

Glücklich sind die Mitglieder der Initiative auch über ein spezielles Mikroskop, das sie der Klinik gespendet haben. „Bei dem Gerät können drei Ärzte gleichzeitig in das Mikroskop gucken und die Fälle sofort besprechen“, berichtet Krapp-Heckers.

Als die Lemwerderaner anfingen, sich für leukämie- und turmorkranke Kinder zu engagieren, sei noch circa jedes zweite Kind an der Krankheit gestorben, erzählt Krapp-Heckers. Dank fortschreitender Technik und Medizin habe sich viel verändert. Die Spendensammlerin: „Heute können 90 Prozent der Kinder geheilt werden.“

Ende des Jahres 2018 besteht die Kinderkrebshilfe Lemwerder 30 Jahre. Die Mitglieder sind zuversichtlich, bis dahin 300 000 Euro gesammelt zu haben. Wer die Initiative unterstützen möchte, kann entweder das Spendenschwein bei Creativ-Mode Ebeling füttern oder einen Betrag auf das Konto der Kinderkrebshilfe Lemwerder mit der Iban-Nummer DE52 2806 2249 6104 7007 00 überweisen.

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