Das Porträt

Der Auszubildende als technischer Übertragungsleiter

Im Bereich der Streamingübertragung hat sich der angehende Veranstaltungskaufmann Björn Kück nicht nur für die Begu unentbehrlich gemacht.
06.05.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Pfeiff
Der Auszubildende als technischer Übertragungsleiter

Björn Kück ist in der Begu Lemwerder für die Streaming-Technik zuständig.

Christian Pfeiff

Lemwerder. Wenn eine abendliche Veranstaltung aus der Begu Lemwerder coronabedingt auf heimische Computerbildschirme übertragen wird, bereitet Björn Kück bereits Stunden zuvor die entsprechende Streamingtechnik vor: „Meistens beginne ich schon ab 14 Uhr damit, die Kameras und Streamingsoftware einzurichten und gegebenenfalls weitere Aspekte der Übertragung wie beispielsweise Einspieler und Einblendungen vorzubereiten“, erklärt der 25-jährige, der seit dem August vergangenen Jahres im Haus eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann absolviert.

Die Einrichtung und Betreuung von Veranstaltungsübertragungen via Livestream zählt dementsprechend nicht zu den Kerninhalten seiner Ausbildung; doch zu Pandemiezeiten ticken die Uhren eben etwas anders. Kück scheint gegen diese Kompetenzerweiterung keine Einwände zu haben. Obwohl die Technik auch für ihn gewissermaßen Neuland darstellt: „Ich habe mich vorher nur mal kurz und zu ausschließlich privaten Zwecken mit der OBS-Studiosoftware befasst, die auch bei unseren Übertragungen zum Einsatz kommt.“ Diese Kenntnisse vertiefte Kück sowohl mittels Onlinetutorials als auch durch praktische Erfahrung mit der eigens durch das Haus beschafften Übertragungstechnik, bei deren Anschaffung auf einen Aspekt besonders geachtet wurde: „Es war uns wichtig, das Equipment mobil überall dort einsetzen zu können, wo es Strom und W-Lan gibt“, berichten Kück und Hausleiter Timo von den Berg unisono.

Dementsprechend profitiert nicht nur die Begu selbst von der Investition und den technischen Kenntnissen des Auszubildenden: Auch für Übertragungen von Sitzungen aus dem Rathaus ist Kück seit Monaten die Personalie der Wahl. „Bei einer zu übertragenden Ratssitzung musste Björn sogar seinen freien Tag unterbrechen, um vor Ort sicherzustellen, dass die Übertragung funktionieren wird“, bekräftigt von den Berg, inwiefern sich der aktuelle Auszubildende schon jetzt nicht nur in der Begu selbst derzeit unentbehrlich gemacht hat.

Dabei deutete die Biografie des gebürtigen Lilienthalers Kück zunächst auf eine völlig andere Berufslaufbahn hin: Nachdem dieser nach dem Abitur zunächst ein freiwilliges kulturelles Jahr im Bremer Bürgerhaus Weserterrassen absolvierte, entschied er sich anschließend zunächst auf Empfehlungen vormaliger Schulkameraden für eine Laufbahn als angehender Finanzbeamter in Bremen. „Ich habe jedoch relativ früh festgestellt, dass das nichts für mich ist – und als meine Laune allmählich immer schlechter und mein morgendlicher Unwillen, überhaupt zur Arbeit zu gehen, immer größer wurde habe ich lieber die Bremse gezogen und mich beruflich umorientiert.“

Die zuvor gesammelten positiven Erfahrungen als FKJ'ler im Bürgerhaus Weserterrassen erwiesen sich hierbei als deutliche Entscheidungshilfe: „Die Arbeit im Kultur- und Veranstaltungsbereich hat mir dann doch wesentlich mehr Spaß gemacht“, offenbart der 25-Jährige, der mit bunten Haaren, Vollbart und einer sichtbaren Vorliebe für Festival-T-Shirts auch hinsichtlich seines Erscheinungsbilds in einem solchen Bereich besser aufgehoben wirkt als an einem Schreibtisch des Finanzamts. So verschlug es Kück bei seiner Suche nach einem entsprechenden Ausbildungsplatz nach Lemwerder, wohin er vor wenigen Monaten auch seinen Wohnort verlegte. Wie lange er dort bleiben wird, weiß er noch nicht: „Meine Ausbildung dauert zunächst bis zum August 2023“, verrät Kück. Die Chancen auf eine anschließende Übernahme im Haus scheinen derzeit aufgrund des aktuellen Personalschlüssels der Gemeinde zwar gering, doch erwirbt Kück durch die pandemiebedingt veränderte Ausbildungssituation neben veranstaltungskaufmännischen auch unzertifizierte mediengestalterische Kompetenzen.

Die Übertragungstechnik teilt er sich mit Tim Meinecke, einem der Stammtechniker des Hauses: „Tim übernimmt die Tonmischung und die Beleuchtung der Veranstaltungen; ich bin für Bild und Übertragungstechnik zuständig“, erläutert Kück das Prozedere. Mit zwei vorhandenen Kameraperspektiven kann sich die Begu derzeit zwar nicht ganz mit der Übertragungsqualität professioneller Streamingdienstanbieter messen, die häufig mit acht oder mehr unterschiedlichen Kameraperspektiven arbeiten – dies ist auch Hausleiter von den Berg bewusst: „Bei unserer ersten Streamübertragung im Vorjahr hatten wir großzügige externe Unterstützung durch einen Streamer aus Delmenhorst. Dieser steht uns jedoch nicht mehr zur Verfügung, und die Beauftragung professioneller Streaminganbieter für jede Veranstaltung würde unser Budget überschreiten. Dementsprechend denke ich, dass wir mit unserem aktuellen Standard durchaus vorzeigbare Streamingproduktionen realisieren, zumal ich diese ohnehin nur als temporären Ersatz für 'richtige' Publikumsveranstaltungen begreife“, so von den Berg.

Die „Einschaltquoten“ sprechen für sich: „Unsere Spitzenzahl liegt bei 211 Zuschauern – wobei wir natürlich nicht wissen können, wie viele Leute vor den jeweiligen Bildschirmen versammelt sind. Das sind mehr Leute als die Kapazität unseres Saales fassen könnte“, erklärt Kück, der neben der Bildtechnik auch die Anzahl der jeweiligen „Views“ kontinuierlich im Blick hat.

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Zur Sache

Seit einem halben Jahr ist die Durchführung von Publikumsveranstaltungen auch in der Begu nicht mehr möglich. Um dennoch Kulturveranstaltungen zu ermöglichen, liegt der derzeitige Fokus des Hauses auf live gestreamten Veranstaltungen diverser Natur: Von DJ-Sets über satirische Wortvorträge und Quizshows bis hin zu interaktiven Wunschkonzerten erstreckt sich die Angebotspalette, die aus dem Saal des Hauses live in heimische Wohnzimmer gestreamt wurden. Die Personalie des aktuellen Auszubildenden Björn Kück erwies sich hierbei für Hausleiter Timo von den Berg als optimaler Glücksgriff: „Dank Björn können wir unsere Veranstaltungen auf einem vorzeigbaren technischen Niveau realisieren. Hätte er sich die dafür erforderlichen Kenntnisse nicht angeeignet, hätte wohl jemand von uns für derartige Übertragungen einfach zum Handy greifen müssen“, lobt der Hausleiter. Einen vollwertigen Ersatz für Veranstaltungen mit direktem Publikumskontakt seien die Streams jedoch nicht, weshalb die derzeitigen Veranstaltungen im Normalfall kostenlos über die hauseigene Homepage ohne das vorherige Lösen eines virtuellen „Online-Tickets“ verfolgbar sind: „Wir versuchen hierdurch, im Rahmen unseres Budgets und unserer Möglichkeiten das Kulturleben in der Gemeinde zumindest aufrecht zu erhalten.“

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