Gemeinde Lemwerder Betriebshof soll Regenwasser nutzen

Regenwasser auffangen und für die Bewässerung von Grünanlagen und Bäumen sowie für die Waschanlage nutzen, für die FDP/Grünen-Gruppe in Lemwerder im Rahmen des Betriebshofumbaus ein künftiger Weg.
13.04.2021, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Georg Jauken

Das hört sich gut an: Wer Regenwasser nicht nur im Garten verwendet, sondern auch im Haushalt zum Wäschewaschen und für die Toilettenspülung spart wertvolles Trinkwasser. Aus diesem Grund können die Einwohner und Gemeinden der Wesermarsch seit Jahresbeginn einen Zuschuss für die Neuinstallationen und Nachrüstung von Regenwassernutzungsanlagen bei der Kreisverwaltung beantragen. Nachgedacht wird darüber nun auch im Rathaus Lemwerder.

Politik und Verwaltung sind sich einig, die Möglichkeiten der Regenwassernutzung zu prüfen. Etwas konkreter wurde jüngst die Ratsgruppe aus FDP und Grünen, als sie beantragte, die Wirtschaftlichkeit einer Regenwassernutzungsanlage auf dem Betriebshof zu ermitteln. Auf dem Betriebshof stünden einige Gebäude, vorrangig die KfZ-Halle mit Werkstatt und weiteren Räumlichkeiten, mit nicht unbedeutender Dachfläche, wie es hieß. Das anfallende Regenwasser werde zurzeit in die umliegende Gräben abgeleitet. Deshalb biete sich die Möglichkeit, das Regenwasser aufzufangen und für die Bewässerung von Grünanlagen und Bäumen sowie für die Waschanlage zu nutzen, schreibt Gruppensprecher Harald Schöne.

Die Gemeinde könnte damit einen Beitrag zur Schonung der Trinkwasserreserven leisten, heißt es zur Begründung. Da ohnehin Veränderungen auf dem Gelände des Betriebshofs geplant sind (Abbruch abgängiger Schuppen an der Südseite des Geländes, Neubau eines überdachten Lagerplatzes für übrig gebliebenes Streugut und den Bau einer Lärmschutzwand zur benachbarten Wohnbebauung), sollte der Einbau einer größeren Zisterne kein Problem darstellen.

Hintergrund der Initiative des Landkreises ist die Trockenheit in den zurückliegenden Jahre. „Die vergangenen Hitzesommer, besonders der von 2018, haben uns gezeigt, dass wir mit der Ressource Trinkwasser anders umgehen müssen“, erläuterte Olaf Sonnenschein vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV), der die Initiative des Landkreises unterstützt. „Die gleichzeitig hohe Nutzung durch Privatverbraucher, Industrie und Landwirtschaft bereitet insbesondere in den warmen Monaten Probleme.“ Wasser sparen wurde deshalb zu einem großen Thema. Der Trinkwasserversorger OOWV, der Ende der 1940er Jahre gegründet wurde, weil das Grundwasser in den Marschgebieten von Wittmund über Friesland bis in die Wesermarsch keine Trinkwasserqualität aufweist, sah sich wegen des hohen Verbrauchs während der Hitzeperioden mehrfach gezwungen, den Druck in den Wasserleitungen zu drosseln.

Die Neuinstallation und Nachrüstung von Regenwassernutzungsanlagen macht nach Einschätzung des in der Kreisverwaltung zuständigen Dezernenten Matthias Wenholt gerade in der Wesermarsch viel Sinn. Denn anders als in der Geest versickert das Niederschlagswasser in der Wesermarsch kaum. Stattdessen fließt es größtenteils ungenutzt über die Gräben, Entwässerungskanäle und die Weser ins Meer, während die Trinkwasserversorgung durch die Wasserwerke in benachbarten Landkreisen sichergestellt werden muss. Wer als Häuslebauer nachhaltig sein möchte, sollte deshalb nach Ansicht von Matthias Wenholt nicht nur über die Solaranlage auf dem Dach nachdenken, sondern auch über die Zisterne im Keller oder Garten.

Die finanzielle Förderung vom Landkreis gibt es für den Bau von Wasserspeichern, die dafür notwendigen Erdarbeiten, die Installation separater Leitungssysteme und der mit der Regenwassernutzungsanlage in Verbindung stehenden technischen Bauteile. Die Höhe der Förderung beläuft sich auf bis zu 40 Prozent der Kosten. Voraussetzung ist, dass die Anlagen fach- und normgerecht installiert werden und keine Zugabe chemischer Mittel erforderlich wird. Außerdem müssen mindestens zwei Verbrauchzwecke – zum Beispiel Waschmaschine und Toilettenspülung – erreicht werden.

Würde das Regenwasser auf dem Betriebshof in Lemwerder aufgefangen, um es für die Bewässerung von Grünanlagen und für die Waschanlage zu nutzen, wäre die dafür erforderliche Investitionen somit grundsätzlich förderfähig. Die von FDP und Grünen erhoffte Trinkwassereinsparung hielte sich möglicherweise jedoch in Grenzen. Denn das Wasser für die Bewässerung der Grünanlagen in Lemwerder wird bislang aus einem Graben hinter dem Betriebshof entnommen, wie auf Nachfrage aus dem Rathaus zu erfahren war. Trinkwasser wird dafür gar nicht verbraucht.

Inwieweit sich eine Regenwassernutzung an anderer Stelle in der Gemeinde anbietet, wird weiterhin geprüft. Denkbar wären getrennte Systeme für Trink- und Brauchwasser in der geplanten neuen Grundschule. Der nachträgliche Einbau eines separaten Leitungssystems für Regenwasser in Altbauten wie Rathaus, Begu und Sporthallen dürfte nach einer ersten Einschätzung der Verwaltung wegen der hohen Kosten eher nicht in Frage kommen. Die maximale Förderung nach der Richtlinie für die Gebäudeausstattung mit Regenwassernutzungsanlagen vom Landkreis beläuft sich auf 5000 Euro je Anlage.

Info

Zur Sache

Präsenzsitzung des Gemeinderates

„Durch ohnehin anstehende Baumaßnahmen auf dem Gelände und aufgrund der Größe des Umfeldes, sollte der Einbau einer größeren Zisterne kein Problem darstellen“, so Harald Schöne, FDP-Fraktionssprecher, zum Antrag der Liberalen, der in der Gemeinderatssitzung behandelt werden soll. Die Gemeinde könnte mit dieser Maßnahme einen Beitrag zur Schonung von Trinkwasser, dem Lebensmittel Nr. 1, leisten, ist die FDP überzeugt.

Die Ratssitzung ist im Übrigen am Donnerstag, 15. April, im Erdgeschoss der Ernst-Rodiek-Halle. Es geht um eine Präsenz, da auch die neue Bürgermeisterin vereidigt wird. Darüber hinaus geht es um
Annahme und Vermittlung von Zuwendungen, um einen Bericht der Bürgermeisterin zugleich für den Verwaltungsausschuss sowie um die Benennung von Vertretern der Gemeinde in anderen Körperschaften und Organisationen. Nach der Beratung schriftlich eingegangener Anfragen von Ratsfrauen und Ratsherren wird auch eine Einwohnerfragestunde angeboten.

Beginn der Präsenzsitzung ist um 18.30 Uhr. Da nur begrenzte Sitzplätze zur Verfügung stehen, müssen sich Zuhörer bis zum Mittwoch, 14. April, unter 0421/673941 oder wien@lemwerder.de anmelden. Für Zuschauer besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Sitzung online anzusehen Die Daten dafür werden einen Tag vor der Sitzung auf der Homepage der Gemeinde Lemwerder, www.lemwerder.de, bekanntgegeben.

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