Lemwerder: Positionen der Kandidaten Fokus auf Fuß- und Radwege

Lemwerder wählt am 24. Januar einen neuen Bürgermeister. Im Vorfeld nehmen die Kandidaten Brigitta Rosenow, Christina Winkelmann und Michael Lühmann Stellung zu Mobilität, Wirtschaft und Bildung in Lemwerder
19.01.2021, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Fokus auf Fuß- und Radwege
Von Barbara Wenke
Die Lemwerderanerinnen und Lemwerderaner haben noch bis Sonntag, 24. Januar, 18 Uhr, Zeit, einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin für ihre Gemeinde zu bestimmen. Um 18 Uhr müssen die letzten Briefwahlunterlagen im Rathaus eingegangen sein. Drei Kandidaten wollen die Nachfolge von Regina Neuke antreten. DIE NORDDEUTSCHE hat Brigitta Rosenow (Bündnis 90/Die Grünen), Christina Winkelmann (parteilos) und Michael Lühmann (Unabhängige Wähler Lemwerder) um schriftliche Stellungnahmen zu verschiedenen Themen gebeten. Heute äußern sich die Kandidaten zu ihren Vorstellungen bezüglich Mobilität, Wirtschaft und Bildung in Lemwerder.Radfahrer, Autofahrer, Fußgänger - welches Verkehrskonzept schwebt Ihnen für Lemwerder vor, damit alle Fortbewegungsarten zu ihrem Recht kommen?

Brigitta Rosenow: Mobilität muss von den schwächsten Verkehrsteilnehmer her gedacht werden. Das sind Kinder und Senioren. Von der Fahrbahn abgegrenzte Radwege, Querungen von Straßen mit Inseln in der Mitte auf Niveau der Fußgänger verschaffen Sicherheit und verlangsamen den Autoverkehr. Die Fähren sollen in den Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) eingegliedert und die Taktung der Busse verbessert werden. Partybusse ermöglichen es jungen Menschen, ohne Elterntaxi feiern zu gehen. Ein (kommunales) Carsharing ermöglicht flexible Mobilität, ohne direkt ein eigenes Auto benötigen zu müssen.

Christina Winkelmann: Da Lemwerder in der Nähe zu Bremen, Delmenhorst und Oldenburg liegt, wird es ohne Autoverkehr realistisch betrachtet in naher Zukunft nicht gehen, weil die Unternehmen auf Fachkräfte von außerhalb und auf Zulieferer angewiesen sind und in Lemwerder viele Pendler wohnen. Es ist in meinen Augen einen Versuch wert, ein Mitfahrerportal, Car- beziehungsweise E-Bike-Sharing-Modell auszuprobieren. Auf jeden Fall muss der Ausbau der Geh- und Radwege vorangebracht werden, damit mehr Menschen bereit sind, auf das Rad umzusteigen.

Michael Lühmann: In Lemwerder ist innerorts alles fußläufig zu erreichen. Für private Erledigungen ist selten die Nutzung eines Autos notwendig – es scheitert aber meist an der eigenen Bequemlichkeit. Konsequenterweise sollte bei zukünftigen Verkehrsplanungen Radfahrern und Fußgängern Vorrang gewährt werden. Mal radikal gedacht: Lemwerder wird Pilotgemeinde der Wesermarsch und vollständig zur Tempo-30-Zone. Lemwerder verbessert parallel seine Fuß- und Radwege, baut sie sukzessive aus. Aber ist das tatsächlich radikal, wenn man für die Ortsdurchfahrt dann zwei Minuten statt 1,2 Minuten benötigt?

Lemwerder beheimatet florierende Betriebe, die der Gemeinde jährlich hohe Gewerbesteuereinnahmen sichern. Dennoch könnte es sicherlich nicht schaden, die Wirtschaft breiter aufzustellen. Welche weiteren Branchen würden Sie gerne ansiedeln?

Brigitta Rosenow: Ich plane, einen kommunalen Co-Working-Space einzurichten. Diese gemeinschaftlichen Büroräume sollen nicht nur Lemwerderaner entlasten, die im Homeoffice arbeiten, sondern auch Gründer anziehen. Unternehmen aus der Energiebranche von Solar bis zu Wasserstoff bietet Lemwerder einen Standortvorteil: fähige Arbeitnehmer und die Nähe zu den Hochschulen Bremens. Neue Gewerbegebiete sollen klimaneutral konzipiert werden und die Attraktivität für Unternehmen mit Zukunftstechnologien steigern. Aber natürlich muss auch dem hiesigen Handwerk die Möglichkeit gegeben werden zu wachsen.

Christina Winkelmann: Ich setze auf eine gute Mischung bei der Ansiedlung neuer Gewerbe. Ziel wäre es von meiner Seite, in erster Linie Dienstleistungsunternehmen nach Lemwerder zu ziehen. Aber auch für andere Interessenten sollte man zunächst offen sein und ins Gespräch kommen. Wenn es Interesse von Unternehmen geben sollte, die die Nähe zu den Werften oder anderen bestehenden Unternehmen suchen, zum Beispiel ein Planungs- und Ingenieurbüro, sind diese nach meiner Ansicht auch willkommen. Eine optimale digitale Infrastruktur ist hier wichtig.

Michael Lühmann: Grundvoraussetzung, damit Lemwerder für Unternehmen attraktiv wird und neue wirtschaftliche Dynamik in den Ort kommt, ist, dass das Rathaus serviceorientiert arbeitet. Plakativ: Wenn anderswo sechs Monate für Baugenehmigungen ins Land ziehen, erteilt Lemwerder diese zukünftig innerhalb von fünf Wochen. Lemwerders Verwaltung geht zudem aktiv auf für Lemwerder passende Unternehmen zu. Idealerweise nicht Unternehmen mit großem Warentransfer, sondern Unternehmen, die ein gutes Arbeitsumfeld für ihre Mitarbeiter suchen und für diese und ihre Kunden nachhaltige Firmengebäude konzipieren möchten.

Welche Impulse würden Sie für die nach Ihrer Meinung ideale Bildungslandschaft für Lemwerder setzen?

Brigitta Rosenow: Ich werde mich dafür einsetzen, dass die beschlossene offene Ganztagsschule mit kooperativem Hort zu einem Leuchtturmprojekt für alle Grundschüler wird und dass die neue Grundschule groß, grün und geräumig gebaut wird. Ein vielfältiges Angebot prägt die Nachmittagsbetreuung, verschiedene Sportarten oder Musikinstrumente können erprobt werden, Termine für Logopädie oder andere Förderungen können innerhalb des Schulnachmittags Raum finden. Für die Eschhofschule würde ich mit diversen Akteuren ins Gespräch gehen, um neue Kooperationen und eine weitere Attraktivitätssteigerung zu erreichen.

Christina Winkelmann: Ich stehe für ein umfassendes Bildungs- und Betreuungsangebot. Besonders wichtig ist mir die Qualität, die Verlässlichkeit und die flexible Nutzung der Angebote. Auch soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit habe ich im Blick. In Bezug auf den Grundschulneubau möchte ich den Bildungsauftrag der Schule mit dem Erziehungsauftrag des Hortes und dem Bedarf der Familien verzahnen. Mein Ziel: das Gute aus der Ganztagsschularbeit mit dem Guten aus der bisher gelebten Hortarbeit kombinieren. Es soll ein Leuchtturmprojekt für Lemwerder werden, in baulicher wie pädagogischer Hinsicht. Auch die Eschhofschule und das Gymnasium möchte ich in ihrer Arbeit unterstützen.

Michael Lühmann: Wie gestern und heute steht Lemwerder auch in Zukunft für gut ausgestattete Schulen und Kitas. Bildung hört aber nicht nach der Grundschule auf, sondern setzt sich bis ins hohe Erwachsenenalter fort. Meine Vorschläge, über die ich gerne diskutieren möchte: gemeinsam mit der Begu Aufbau eines Schreib- und Leseförderzentrums, Aufbau eines EDV-Bildungsprogramms für Senioren, Kunst- und Kulturworkshops, Aufbau eines IT-Trainingsprogramms für Kids ab Grundschulalter, „Lemwerder Radio & TV“ von Jugendlichen für Jugendliche. Damit alle Generationen an Bildung teilhaben können und in schnelllebiger Zeit nicht abgehängt werden.

Info

Zur Person

Brigitta Rosenow (53)

sitzt seit neun Jahren für Bündnis 90/Die Grünen im Gemeinderat. Die verheiratete Mutter dreier Töchter ist Ingenieurin für Umwelttechnik.

Christina Winkelmann (49)

tritt als Parteilose an. Die verheiratete Mutter zweier Töchter ist Assistentin der Leitung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.


Michael Lühmann (50)

Das Gründungsmitglied der UWL ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Er arbeitet als Reha-Bearbeiter einer Berufsgenossenschaft.

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