Christina Winkelmann gewinnt Wahl

Parteilose Kandidatin wird Bürgermeisterin von Lemwerder

Christina Winkelmann (parteilos) hat sich am Sonntag bei der Bürgermeisterwahl in Lemwerder gegen Brigitta Rosenow (Grüne) und Michael Lühmann (UWL) durchgesetzt. Wie die Wahl verlief...
25.01.2021, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Parteilose Kandidatin wird Bürgermeisterin von Lemwerder
Von Barbara Wenke
Parteilose Kandidatin wird Bürgermeisterin von Lemwerder

Christina Winkelmann, neue Bürgermeisterin von Lemwerder, freute sich am Sonntagabend mit ihren Töchtern über ihren Wahlsieg.

Carmen Jaspersen

Christina Winkelmann wird am 1. April neue Bürgermeisterin von Lemwerder. Die unabhängige Kandidatin setzte sich am Sonntag bei der Wahl im Rathaus mit mehr als 55 Prozent der Stimmen haushoch gegen ihre Mitbewerber Brigitta Rosenow (Grüne) und Michael Lühmann von den Unabhängigen Wählern (UWL) durch. Amtsinhaberin Regina Neuke hatte frühzeitig bekannt gegeben, dass sie nicht wieder zur Wahl steht. Während es zunächst so aussah, als bestünde nur geringes Interesse an der Briefwahl, lag die Wahlbeteiligung zuletzt bei mehr als 63 Prozent.

Die Information, dass sie ganz nah am neuen Job ist, erreichte die 49-Jährige am Sonntagabend, als sie in einer Pizzeria auf ihr Essen wartete. „Ab 18 Uhr stieg bei uns die Spannung“, erzählt die designierte Bürgermeisterin. „Ich hatte mit den ersten Ergebnissen um 19.30 Uhr gerechnet. Doch dann hat mein Mann mir Zwischenergebnisse über Whatsapp geschickt, als wir auf die Pizzen gewartet haben.“

Als sie zu Hause angekommen ist, gingen auf ihrem Handy bereits die ersten Gratulationen ein. Freunde und Bekannte hatten die Wahl-Auszählung im Internet verfolgt. 55,68 Prozent der Stimmen standen schließlich zu Buche. Damit lag sie deutlich vor ihren Mitbewerbern Michael Lühmann (24,78 Prozent) und Brigitta Rosenow (19,54 Prozent).

Um 20.15 Uhr stieg dann ihre private Wahlparty. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte diese nur als Videokonferenz stattfinden. Dafür konnten, wie Christina Winkelmann erzählt, der Onkel aus Köln, die Schwiegereltern aus Travemünde sowie eine Freundin aus den USA dabei sein.

Nur vier Briefwahlbezirke

Nicht nur der Wahlabend, der gesamte Wahlkampf lief anders ab als bislang. Coronabedingt konnten die Kandidaten keine Wahlkampfversammlungen besuchen, nicht von Tür zu Tür gehen und die Bürgerinnen und Bürger auch nicht an Wahlständen mit ihrer Sicht der Dinge vertraut machen. Die drei Kandidaten warben hingegen im Internet für sich und ihre Positionen – mit Video-Konferenzen, Podcasts und Mitteilungen.

Ist Lemwerder bei Wahlen üblicherweise in sieben Wahlbezirke eingeteilt, wurden die Stimmen dieses Mal in vier Briefwahlbezirken ausgezählt. Dafür hatte Bürgermeisterin Regina Neuke, die in Personalunion Gemeindewahlleiterin war, 32 Mitarbeiter aus allen Abteilungen zu vier Teams zusammengestellt. Mitarbeiter aus der Begu waren ebenso dabei wie aus den Kindergärten oder der Bücherei. „Wenn nur Mitarbeiter aus dem Rathaus ausgezählt hätten, hätten wir uns das Rathaus lahm gelegt, falls es in einem Team zu einem Corona-Fall kommen sollte“, begründete die Bürgermeisterin die Einteilung.

Lesen Sie auch

Gut 63 Prozent der 5841 Wahlberechtigten beteiligten sich an der als reiner Briefwahl ausgerichteten Wahl. Bei der Bürgermeisterwahl 2013, als die meisten Wähler ihre Stimme am Wahlsonntag in einem Wahllokal abgaben, hatte die Wahlbeteiligung noch bei 65 Prozent gelegen. Die meisten Lemwerderaner reichten ihre Unterlagen persönlich im Rathaus ein.

Um Punkt 18 Uhr warf Wahlsachbearbeiterin Andrea Helling am Sonntag noch einen letzten Blick in den Hausbriefkasten. Umsonst. Den letzten roten Briefumschlag hatte sie zehn Minuten zuvor aus dem eingemauerten Behältnis gezogen. Keine zwei Minuten später leerten die Briefwahlvorstände die grauen Plastikcontainer, in denen die von Helling und Stefanie Ferriani am Nachmittag vorsortierten und aufgeschlitzten Stimmzettelumschläge lagen.

Absolute Mehrheit

Im Saal des Rathauses kristallisierte sich schnell heraus, dass Christina Winkelmann das Rennen machen würde. Der aus den Wahlbezirken 1 und 2 (Rathaus und Eschhofschule) bestehende Briefwahlbezirk 907 sah die Vorsitzende des Lemwerder Turnvereins schließlich mit 568 Stimmen vorn. Bereits um 18.40 Uhr stand das Ergebnis fest.

Im Fraktionszimmer des Rathauses lagen die Zahlen enger beieinander. Zwar setzte sich Christina Winkelmann auch dort mit 437 von ihren Mitbewerbern Michael Lühmann (256 Stimmen) und Brigitta Rosenow (203 Stimmen) ab. Die absolute Mehrheit erhielt sie in dem aus dem Wahlbezirken 3 (Grundschule Deichshausen) und Teilen des Wahlbezirks 4 (Dorfgemeinschaftshaus Altenesch) bestehenden Briefwahlbezirk 906 aber nicht. Doch in den beiden Briefwahllokalen, die in der Begegnungsstätte ausgezählt wurden, erreichte Christina Winkelmann wieder die absolute Mehrheit.

Lesen Sie auch

Brigitta Rosenow von den Grünen war mit ihrem Wahlkampf und ihrem Abschneiden letztlich zufrieden. „Mein Ziel lag bei 20 Prozent“, sagt die 53-jährige Umwelt-Ingenieurin. „Das habe ich fast erreicht. Für eine Grüne ist das in Lemwerder ein sehr gutes Ergebnis.“ Sie sei dankbar, dass ihr 719 Lemwerderaner und Lemwerderanerinnen ihre Stimme gegeben haben. Für die Butzhauserin ist nach der Wahl nun schon wieder vor der Wahl. Die Kommunalpolitikerin, die seit neun Jahren im Gemeinderat sitzt, bereitet sich auf den Kommunalwahlkampf im Herbst vor. Glücklich war sie am Sonntagabend, dass viele Freunde mit ihr eine digitale Wahlparty gefeiert haben. „Ich habe ganz viele Leute digital bei mir gehabt“, freute sich Brigitta Rosenow.

Mitbewerber Michael Lühmann war den Abend entspannt angegangen. Als die ersten Ergebnisse einliefen, arbeitete er noch. Anschließend aß der 50-Jährige mit seiner Familie zu Abend. Im allerersten Moment sei er ein bisschen enttäuscht gewesen, gestand der Mitbegründer der Unabhängigen Wähler Lemwerder. Am Ende sei er aber sicher, dass Brigitta Rosenow und er sich im Wahlkampf wacker geschlagen haben. „Von null auf 25, das ist super“, bilanzierte er sein Abschneiden. „Fast die Hälfte der Leute geben Kandidaten eine Stimme, die für UWL und Grüne stehen“, stellte er ein wenig erstaunt, aber umso erfreuter fest. Damit, dass Christina Winkelmann durchmarschiere, habe er gerechnet.

Lemwerder: Bürgermeisterwahl - Auskippen der Briefwahlbögen

Zwei Wahlhelfer schütten im Rathaus in Lemwerder Briefwahlumschläge auf einen Tisch. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 63 Prozent.

Foto: Carmen Jaspersen

Einige Dinge neu geregelt

Gute zwei Monate bleiben Christina Winkelmann nun, um einige Dinge neu zu regeln, beispielsweise den Vorsitz im Lemwerder Turnverein. Seit 22 Jahren ist die Ur-Lemwerderanerin dort im Vorstand involviert. 1998 suchte der LTV nach der gescheiterten Fusion mit drei weiteren Vereinen eine Kassenwartin für den Notvorstand. Christina Winkelmann sprang ein, wurde wenig später reguläre Kassenwartin, dann stellvertretende Vorsitzende und 2013 die Vorsitzende des rund 1500 Mitglieder starken Großvereins.

Die Übergabe an einen Nachfolger werde geregelt ablaufen, versprach die scheidende Vorsitzende. „Wir haben im Vorfeld schon angefangen, an einer Lösung zu arbeiten.“ Bis zur nächsten Mitgliederversammlung, die für Ende April geplant sei, bleibe sie aber Vorsitzende. Beim LTV stehen in diesem Jahr turnusgemäß Wahlen auf dem Programm. „Da werde ich einfach nicht wieder antreten“, blickte die 49-Jährig voraus.

Worauf sie sich mit ihrer Kandidatur für das Bürgermeisteramt eingelassen hat, weiß die zweifache Mutter. Mit einem dicken Fragenkatalog hatte sich die parteilose Quereinsteigerin, die im Wahlkampf von der SPD und der CDU unterstützt wurde, vor ihrer Kandidatur an Amtsinhaberin Regina Neuke gewandt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+