Absatzprobleme wegen Corona-Krise Altkleidercontainer sind gesperrt

Um ihre Mitarbeiter vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen und weil die Absatzmärkte eingebrochen sind, haben viele Betreiber ihre Altkleidercontainer gesperrt.
27.04.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Altkleidercontainer sind gesperrt
Von Barbara Wenke

Lemwerder. Der Großteil der in Lemwerder aufgestellten Altkleidercontainer ist derzeit gesperrt. Warum? „Das lässt sich mit einem Wort erklären: Corona“, sagt Daniel Gérard von den Bremer Wertstoff Lotsen (Brewelo), die für die auf kommunalen Grund errichteten Altkleidersammlungen in Lemwerder zuständig sind. Das momentan grassierende Virus wirke sich in vielerlei Hinsicht negativ auf die Branche aus, so der Geschäftsführer.

Der Arbeitnehmerschutz steht laut Gérard an oberster Stelle. „Gerade zu Beginn der Pandemie konnten wir nicht einschätzen, wie sich das Virus überträgt. Über die Textilien oder die Metallgriffe, die die Nutzer angefasst haben?“ Um seine Mitarbeiter keinem Risiko auszusetzen, hat Gérard rund 90 Prozent der circa 600 in Norddeutschland betriebenen Sammelstationen sperren lassen. Unter ihnen auch die sieben Standorte in Lemwerder. Das Unternehmen hat die Klappen mit Folien verklebt, damit sie nicht mehr geöffnet werden können. Die beiden Brewelo-Sammelstellen in Berne seien aufgrund der dezentralen Lage der Gemeinde noch geöffnet, berichtet der Geschäftsführer.

Die Corona-Pandemie habe ferner dazu geführt, dass Grenzen geschlossen wurden. Die Altkleider könnten nicht mehr zur Weiterverwertung ins Ausland gebracht werden, sagt Gérard. „Der Export ist komplett eingebrochen. Der Markt ist tot.“ Das bestätigt auch DRK-Kreisgeschäftsführer Peter Deyle: „Uns brechen gerade alle Einnahmequellen weg.“

Das Deutsche Rote Kreuz bleibe nicht nur auf den für den Auslandsmarkt gesammelten Textilien sitzen, sondern auch auf den T-Shirts, Hosen und Pullovern, die für die Menschen vor Ort gedacht sind, denn die örtlichen Kleiderkammern bleiben ebenfalls geschlossen. „Wir haben niemanden, der die Kleiderkammern betreiben könnte. Unsere Mitarbeiter gehören aufgrund ihres Alters allesamt zur Risikogruppe“, schildert Deyle die Lage in Lemwerder und dem Rest der Wesermarsch.

„In Lemwerder können wir nicht einerseits unsere Seniorengruppen schließen, andererseits aber die Kleiderkammer offen lassen“, meint der DRK-Geschäftsführer. Ein gelbes Flatterband mit Schild weist an den roten Containern in der Gemeinde darauf hin, dass sie derzeit nicht befüllt werden dürfen.

Das Coronavirus sei ferner dafür verantwortlich, dass in Polen Unternehmen geschlossen würden, die die Altkleider üblicherweise sortieren, berichtet Daniel Gérard weiter. „Unternehmen mit einem hohen Anteil an Arbeitnehmern über 50 Jahre sind in Polen aufgrund von Corona geschlossen worden“, hat der Brewelo-Geschäftsführer erfahren. „Das einzige, was sie mit den Textilien machen könnten, ist lagern. Textilien sind aber nicht lagerfähig.“ Zum einen schade die in den Textilien vorhandene Feuchtigkeit den Geweben, zum anderen erhielten sie durch die lange Lagerung sehr viele Knicke, die sich nur schwerlich wieder entfernen ließen. Außerdem landet laut Gérard in den Altkleider-Sammelcontainern auch jede Menge Restmüll, der die Stoffe verschmutze.

Murat Karabas, der vier Altkleidercontainer in Lemwerder betreibt – darunter zwei auf dem Parkplatz am Edeka-Markt – geht das Risiko der Lagerung ein und lässt seine Sammelstationen vorerst offen. Aufgrund vieler geschlossener Behälter in der Umgebung steige das Altkleider-Aufkommen in seinen Containern. Seine Mitarbeiter würden deshalb die Sammelstellen in Lemwerder nun einmal pro Woche statt vierzehntäglich anfahren.

DRK-Geschäftsführer Peter Deyle berichtet von zahlreichen Anrufen erboster Bürger. „Die wollen ihre Klamotten abgeben.“ Denn das ist eine vierte Folge der Corona-Pandemie, stellt Daniel Gérard fest: „Die Leute räumen nicht nur ihren Sperrmüll aus, sondern auch ihre Kleiderschränke.“

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