Atomkraft-Gegner in der Wesermarsch

Corona-Krise stoppt Castor-Transport

Die mit dem aktuellen Castor-Transport beauftragte Gesellschaft für Nuklear-Service hat die Vorbereitungen ausgesetzt. Hintergrund ist, dass ein Polizeieinsatz angesichts der Corona-Krise nicht möglich ist.
23.03.2020, 13:34
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Georg Jauken
Corona-Krise stoppt Castor-Transport

Ein zurückliegender Castor-Transport: Zwischen dem 25. März und dem 5. April sollte ein Transport stattfinden, der jetzt abgesagt wurde.

Kay Nietfeld

Wesermarsch. Durchatmen bei den Atomkraftgegnern in der Wesermarsch. Das Coronavirus stoppt vorerst auch den geplanten Castortransport mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage im britischen Sellafield über den Hafen Nordenham in ein Zwischenlager des Kernkraftwerks Biblis. Nach Angaben der mit dem Transport beauftragten GNS Gesellschaft für Nuklear-Service haben die für die Begleitung und Durchführung des Transports verantwortlichen Polizeibehörden mitgeteilt, dass der Polizeieinsatz mit Blick auf die aktuelle Corona-Ausbreitung derzeit nicht verantwortbar sei und somit nicht wie geplant durchgeführt werden könne. Die Vorbereitungen für den Transport bei der GNS wurden daraufhin ausgesetzt.

Ein neues Zeitfenster für den Transport stehe noch nicht fest. Die an der Rückführung beteiligten Unternehmen und Institutionen würden sich zu gegebener Zeit über ein neues Terminfenster für die Rückführung verständigen, wie es in einer GNS-Mitteilung heißt. Geplant war der Castortransport offenbar im Zeitraum vom 25. März bis 5. April, wie Thomas Bartsch vom Netzwerk Friedenskooperative und Werner Groß vom Arbeitskreis Wesermarsch übereinstimmend berichten. Den Termin hatten die Atomkraftgegner Groß zufolge allerdings nur zufällig erfahren.

Bis dahin hatten sich die atomkritischen Gruppen in der Wesermarsch und entlang der Transportstrecke bemüht, Beobachtungs- und Alarmierungsketten aufzubauen und ihre Unterstützer für Protestaktionen an einem unbekannten Tag X zu mobilisieren. Arbeitskreis-Sprecher Groß sieht daher im Aussetzen des Transports auch keine größeren Auswirkungen auf die eigene Arbeit. „Wenn sich alles wieder beruhigt hat, werden sie es wieder versuchen“, erwartet Groß.

Abgesagt werden musste allerdings eine Informations- und Diskussionsveranstaltung, bei der Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg am 31. März sein Buch „Der Kastor kommt“ vorstellen und bei dem für den Protest gegen den Castortransport mobilisiert werden sollte.

Bei dem Transport geht es zunächst um sechs von insgesamt 20 Castor-Behältern mit in Glas eingeschmolzenen Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Sellafield. Die Genehmigung des Transports der sechs Castoren über den Seeweg und auf der Schiene gilt bis zum 31. Dezember 2020.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+