Meine Woche

Familie statt Fußball

Der 36-jährige Waldemar Gilmut ist seit August beim Fußball-Landesligisten SV Lemwerder im Einsatz. Der Familienvater arbeitet als Meister für Sanitär, Heizung und Klima in Ritterhude.
27.10.2020, 14:17
Lesedauer: 4 Min
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Von KH
Familie statt Fußball

Waldemar Gilmut ist beim Fußball-Landesligisten SV Lemwerder im Einsatz.

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Mittwoch, 21. Oktober: Seit fünf Jahren bin ich mit Katharine verheiratet, mit der ich eine Tochter, Emma, habe – Emma ist eineinhalb Jahre alt. Wir haben in Lemwerder gebaut und sind erst im Mai dieses Jahres dorthin gezogen. Am trainingsfreien Mittwoch steht das Abendprogramm schon fest. Zur Entlastung meiner Frau übernehme ich die Bespaßung unserer Tochter, sodass sich meine Frau mal auf andere Dinge konzentrieren kann. Auf dem Weg zu Arbeit lasse ich mir nochmal das Training vom gestrigen Tag durch den Kopf gehen, zur eigenen Kontrolle. Nach erledigter Arbeit werde ich an der Haustür mit einer lauter Stimme begrüßt. Nachdem mir Emma alles erzählt hat, was sie heute Spannendes erlebte, gehen wir gemeinsam ins Wohnzimmer, wo das Spielzeug schon auf uns wartet. Wir lesen ein Buch, bauen einen Turm, um ihn dann wieder abzureißen. Mit dem Ball muss auch noch gespielt werden. Außerdem müssen mit dem Kinderwagen, der vollgepackt ist mit Kuscheltieren, auch noch ein paar Runden gedreht werden. So ein Spaziergang macht hungrig. Nach dem Abendessen geht es für die Kleine direkt ins Bett und ich fange mit der Trainingsvorbereitung für Donnerstag an. Nachdem der Trainingsplan ausgearbeitet ist, gucke ich mir zum Ausklang des Abends die Champions-League-Spiele an. Ich bin Fan des FC Bayern München. Dieser besiegt Atlético Madrid überraschend deutlich mit 4:0. Borussia Mönchengladbach holt immerhin ein 2:2-Remis bei Inter Mailand.

Donnerstag, 22. Oktober: Unsere Tochter weckt uns bereits um 5 Uhr. Ich kann sie noch paar Minuten im Bett halten. Aber irgendwann will Emma das Schlafzimmer erkunden. Nachdem ich mich fertig gemacht habe und zur Arbeit gefahren bin, erreicht mich die Nachricht, dass der Bremer-Fußballverband den Spieltag fürs kommende Wochenende komplett abgesagt hat. Das Chaos beginnt. Ich erhalte viele Anfragen von den Jungs. Wie geht es jetzt weiter, findet das Training statt, wie lange soll die Pause andauern? Nachdem alles geklärt wurde und es feststeht, dass wir trainieren dürfen, kann ich zumindest Planungssicherheit für das Training zusichern. Nach einem anstrengenden und stressigen Arbeitstag bin ich froh, dass der Tag zu Ende geht. Zu Hause werde ich von Katharina und Emma begrüßt. Schnell vergesse ich den Arbeitsstress. Am Abend gehe ich zum Training. Beim Eckchen-Spiel packt mich die Lust, mitzuspielen. Schnell wird mir aber klar, dass die Jungs mich laufen sehen wollen. Nach ein paar Anscheißerbällen musste auch ich in die Mitte. Nicht nur, dass die Konzentration auf einmal sehr hoch ist. Es wird auch frecherweise versucht, diverse Tunnel zu spielen – das bleibt aber ohne Erfolg.

Freitag, 23. Oktober: Am Nachmittag melde ich mich bei meinem besten Freund, Mentor Grapci, dem Trainer des FC Eintracht Cuxhaven, dem Spitzenreiter der Bezirksliga 4, Staffel 1. Wir haben uns beim Fußball kennengelernt, als wir gemeinsam zum OSC Bremerhaven in die B-Jugend gewechselt sind. Auf dem Platz verstanden wir uns fast blind, da der Arbeitsbereich klar definiert war. Ich war für die Defensive zuständig und Mentor für die Offensive. Da wir jetzt nach Lemwerder gezogen sind, können wir uns leider nicht mehr so oft sehen und telefonieren dafür öfter. Wir tauschen uns regelmäßig übers Training, Spiele aber auch über die neue Spielergeneration aus. Da der Bremer Fußball am Wochenende ruht, verläuft das Gespräch nur in eine Richtung. Wir reden über das anstehende Stadtderby der Cuxhavener gegen den Grodener SV. Auf diesem Weg wünsche ich meinem alten Verein viel Erfolg im Derby.

Sonnabend, 24. Oktober: Den Vormittag verbringe ich im Garten. Dieser ist in der Bauphase zu kurz gekommen. Da muss ich noch so einiges bis zum Frühling erledigen. Ein solcher Vormittag eignet sich perfekt dafür. Von 14 Uhr an schiele ich nach Cuxhaven, wo das Derby beginnt. Durch einen Liveticker von der Eintracht-Bank werde ich immer auf dem Laufenden gehalten. Der Nachmittag ist voll mit Fußball gepackt. Nach dem Derby in Cuxhaven, das mit einem 1:1-Unentschieden endet, widme ich mich der Bundesliga. Die Konferenz bietet heute viele Tore und einen spannenden Spieltag. Nur meine Bayern lassen nichts anbrennen und stellen die Weichen gegen Eintracht Frankfurt früh auf einen klaren 5:0-Heimerfolg. Bei so viel Fußball am Nachmittag bestimmt meine Frau das Abendprogramm.

Sonntag, 25. Oktober: Da unser Spieltag ausgesetzt wird, kann ich mich komplett auf die Familie konzentrieren. Trotz der Zeitumstellung hat unsere Tochter gut geschlafen. Somit können wir auch die Zeit gut nutzen und länger im Bett liegen. Der Tag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück. Wir verabreden uns mit Freunden aus dem Baugebiet zum Spazierengehen. Hier gibt es viele junge Familien. So war es für uns auch einfacher, schnell Anschluss zu finden. Wir schlendern entspannt die Weser entlang und genießen den freien Sonntag. Am Nachmittag sind wir bei Nachbarn auf einen Kaffee und zum Kuchenessen eingeladen.

Montag, 26. Oktober: Es steht die Inbetriebnahme (IBN) einer Kesselanlage auf dem Tagesprogramm. Die Anlange befindet sich in Russland. Und durch die Corona-Pandemie können wir nicht hinfahren und die IBN selbst durchführen. Also müssen wir das Personal vor Ort per Videocall durch die Anlage begleiten und gemeinsam die IBN durchführen. Es ist mühsam, sich durch die IBN zu arbeiten. Nur mit einem beschränkten Blick und bei so einer komplexen Anlage ist es auch nicht einfach. Wir arbeiten uns aber Abschnitt für Abschnitt nach vorne. Auch wenn der Start sehr mühsam anfängt, können wir trotzdem einen großen Teil der IBN voranbringen.

Dienstag, 27. Oktober: Heute ist wieder Training. Nach dem spielfreien Wochenende freue ich mich, wieder auf dem Platz zu stehen und mit den Jungs Gas zu geben. An diesem Mittwoch will sich der Verband wieder zusammensetzen und über des weiteren Vorgehen im Spielbetrieb im Land Bremen entscheiden. Trotz der ausstehenden Entscheidung wollen wir uns so gut es nur geht auf den nächsten Gegner, VfL Bremen, vorbereiten. Noch konnten wir keinen Dreier in dieser Saison einfahren. Aber wir arbeiten hart daran. Nach dem Aufwärmen geht’s in die Spielform. Trotz guter Ballzirkulation beende ich die Übung. Dienstags wird etwas mehr als am Donnerstag gearbeitet. Also geht es um eine Kraft- und Laufeinheit. Zum Ende des Trainings darf aber ein Abschlussspiel natürlich nicht fehlen. Da knien sich die Jungs wieder richtig rein.

Christopher Uhlig, der Tischtennis-Spieler der SG Aumund-Vegesack, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Waldemar Gilmut (36)

ist seit August beim Fußball-Landesligisten SV Lemwerder. Der Familienvater arbeitet als Meister für Sanitär, Heizung und Klima (SHK) bei der Firma IWT Jordan in Ritterhude und ist dort für die Projektabwicklung zuständig. KH

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