Meine Woche Die Leere nach einer Saison in der Fußball-Bundesliga

Patrick Suhren (24) spielt Faustball in der Regionalliga-Mannschaft des Lemwerder TV. Der Mannschaftskapitän und Abwehrspieler wohnt in Lemwerder und ist seit 13 Jahren Mitglied beim LTV.
28.05.2019, 15:36
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 22. Mai: Ich stehe meistens um 5.40 Uhr auf und mache mir einen Tee zum Frühstück. Nachdem ich mich fertiggemacht habe, schwinge ich mich aufs Fahrrad und fahre zur Arbeit nach Aumund zur Lürssen-Werft. Um 16.15 Uhr mache ich Feierabend, esse kurz etwas zu Hause und packe meine Tasche für das Fitnessstudio. So sportlich wie ich bin, fahre ich auch wieder mit dem Fahrrad nach Vegesack. Nachdem ich schon längere Zeit nicht mehr beim Fitnesstraining gewesen war, bin ich echt heiß darauf. Ich powere mich dann auch erst einmal so richtig aus. Ich habe mir einen Ganzkörper-Trainingsplan überlegt, den ich dann auch durchziehe. Es gibt Übungen für den Rücken, die Brust und die Arme. Aber natürlich dürfen auch die Beine nicht fehlen. Nach dem Krafttraining erlebe ich wieder so ein tolles Gefühl. Das habe ich vermisst. Zu Hause bereite ich mir erst einmal einen leckeren Eiweißshake zu. Dann ist es Zeit, sich aufs Sofa zu begeben und zu entspannen. Dort gucke ich „meine“ Serie „Bad Bloods“ bei Netflix. Gegen 23 Uhr ist es Zeit fürs Bett.

Donnerstag, 23. Mai: Als ich aufstehe, erwartet mich ein leicht dickes Bein von einem Insektenstich. Im ersten Moment denke ich mir nichts dabei. Also fahre wie gewohnt zur Arbeit. Auf dem Plan steht, zwei Stahlrahmen zum Vergießen anzufertigen. Ich nehme dafür zunächst die Maße. Mit meinem Kollegen Daniel Witt säge ich dann Flachstahl auf Maß zu und bearbeite es im Anschluss weiter. Dann muss ich die Kanten des Materials entgraten, damit das Verletzungsrisiko minimiert wird. Anschließend richte ich die Einzelteile aus und schweiße sie zusammen. Kurz vor Feierabend fällt mir auf, dass mein Bein immer dicker geworden ist. Deshalb fahre ich jetzt zum Arzt, um das checken zu lassen. Dort erlebe ich dann eine böse Überraschung. Der Stich hat sich entzündet. Die Nachricht kommt bei mir natürlich nicht so gut an, da ich für morgen krankgeschrieben werde und wir am Sonntag den zweiten Spieltag in der Faustball-Regionalliga in Empelde bestreiten. Leider hat die Apotheke kurz nach 19 Uhr schon zu. Somit kann ich meine Medikamente gegen die Entzündung nicht abholen. Zu Hause muss ich mein Bein hochlegen, kühlen und schonen – das Faustballtraining kann ich auch vergessen.

Freitag, 24. Mai: Kurz vor dem regulären Arbeitsbeginn rufe ich bei meinem Meister in der Firma an, um mich krankzumelden. Nachdem ich ausgeschlafen habe, begebe ich mich auf den Weg, um meine Medikamente zu holen. Dann muss ich mich wieder schonen. Ich trage auch einen Verband. Langeweile ist da ja schon vorprogrammiert. Dementsprechend entschließe ich mich dazu, mich ein bisschen der Playstation zu widmen. Ich spiele natürlich Fifa-Soccer 19. Dabei brodeln meine Emotionen meistens, da ich es überhaupt nicht ausstehen kann zu verlieren. Am Abend schaue ich mir den schönen Horrorfilm „The Nun“ bei einer leckeren Pizza an. Leider heißt es für mich danach, ins Bett zu gehen, da ich am nächsten Tag meine Meisterschule in Bremen habe.

Sonnabend, 25. Mai: Bevor ich aufstehe, checke ich erst einmal mein Bein. Zum Glück ist es besser geworden und schmerzt nicht mehr. Das erleichtert mich natürlich, da morgen der nächste Faustball-Spieltag ansteht. In der Schule absolvieren wir das Fach Zusammenarbeit im Betrieb (ZIB). Die Straßen sind sonnabendsfrüh immer recht leer, sodass ich gut mit dem Auto nach Bremen-Mitte durchkomme. Pünktlich um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Das Thema lautet „Unternehmensphilosophie und Unternehmenskultur“. Das finde ich spannend. Um 15 Uhr ist dann aber endlich Feierabend. Ich freue mich auf mein Zuhause. Aber da war ja was. Die Fußball-Bundesliga ist vorbei. Somit kann ich auch kein Werder Bremen gucken, was mich echt deprimiert. Deshalb muss ein anderer Plan her. Also gehe ich am Nachmittag zu meinem besten Kumpel und Mannschaftskameraden Daniel Bartelt. Dort spielen wir Dart und trinken ein, zwei Bier. Obwohl ich verliere, haben wir echt viel Spaß. Natürlich ist das Hauptgesprächsthema der morgige Spieltag. Diesen diskutieren wir ausführlich aus. Am Abend gucken wir dann zusammen das Fußball-Pokal-Endspiel Leipzig gegen Bayern. Das sind eigentlich nicht so meine Lieblingsvereine. Über den Bayern-Sieg freue ich mich nicht, denn schließlich hätte eigentlich Werder das Finale spielen müssen. Ich gehe früh ins Bett, damit ich morgen fit bin.

Sonntag, 26. Mai: Es geht früh los nach Empelde – in die Nähe von Hannover. Pünktlich wie die Maurer steht unser Trainer Uwe Kienast um 7 Uhr mit dem Bus vor der Tür. Auf meine ersten Worte („Guten Morgen Freunde, alles fit?) folgen schnelle und motivierte Antworten meiner Teamkollegen. Somit bin ich guter Dinge, dass alle heiß auf den Spieltag sind. Nach etwa zwei Stunden Fahrt sind wir dann auch endlich da. Wir ziehen uns in Ruhe um und machen uns warm, um auf Spieltemperatur zu kommen. Wir freuen uns tierisch über einen hart erkämpften Sieg in drei Sätzen gegen Empelde. Das zweite Spiel gegen Burgdorf läuft auch ziemlich gut. Dementsprechend haben wir nach drei Sätzen mit 2:1 die Nase vorne – im Anschluss pfeifen wir zwei Spiele. Die lange Pause spiegelt sich wider, denn im dritten Match gegen Bardowick läuft nicht mehr alles so glatt. Die Niederlage ärgert mich sehr, da wir gut gestartet waren. In der letzten Partie gegen vier Akteure des MTV Hammah spielen wir wie Kraut und Rüben. Deshalb ist es Zeit, etwas zu verändern. Ich stelle mich daher selbst wieder für Daniel Bartelt aufs Feld. Punkt um Punkt erkämpfen wir uns den dritten Sieg – damit bin ich äußerst zufrieden.

Montag, 27. Mai: Beim Aufstehen merke ich, was ich gestern getan habe, denn der Muskelkater im ganzen Körper meldet sich. Dennoch geht es nach der Arbeit wieder zum Faustball. Daniel Bartelt und ich treffen uns an der Fähre und fahren gemeinsam mit dem Fahrrad, weil das Wetter mitspielt. Wir spielen Mixed-Liga mit Männern und Frauen in einer Mannschaft. Ich genieße die beste Bratwurst überhaupt und ein kühles Blondes. Da wir am Löh spielen, ist das immer das besondere Etwas. Meine Weggefährten für die Spiele sind neben Daniel Bartelt, Thomas Biscetti, sein Sohn Tobi und Sandra Weigt.

Dienstag, 28. Mai: Dienstag ist mein Montag. Da komme ich nur schwer aus dem Bett. Mit nicht ganz so viel Elan geht es deshalb zur Arbeit. Zum Glück halten mich meine Kollegen immer bei Laune. Nach dem anstrengenden Arbeitstag kaufe ich für die Vatertagstour am Donnerstag ein. Da das Haake-Beck gerade bei Edeka im Angebot ist, nutze ich die Chance und nehme gleich ein paar Kisten mehr mit. Das Faustball-Training am Abend fällt mir echt schwer, da ich ja schon die beiden vergangenen Tage gespielt habe. Unser Trainerteam mit Sandra Weigt und Arthur Dick quält uns schön. Nach dem Training treffe ich mich noch mit meinen Kumpels Lukas Langebartels und Marvin Nocon bei Tasty Pizza 23 in Lemwerder.

Malte Golla, einer der drei Trainer des Fußball-Landesligisten TSV Farge-Rekum, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Patrick Suhren (24)

spielt Faustball in der Regionalliga-Mannschaft des Lemwerder TV. Der Mannschaftskapitän arbeitet als Industriemechaniker bei der Lürssen-Werft und besucht nebenbei die Meisterschule. Der Abwehrspieler wohnt in Lemwerder und ist seit 13 Jahren Mitglied beim LTV.

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