Fußball

Der geschenkte Klassenerhalt

Trainer Fabian Wilshusen ist davon überzeugt, dass der SV Lemwerder künftig konkurrenzfähig sein wird
29.06.2020, 14:52
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick
Der geschenkte Klassenerhalt

Kehrt aufs Spielfeld zurück: Trainer Fabian Wilshusen, der mit dem SV Lemwerder eine weitere Chance in der Fußball-Landesliga erhält.

Christian Kosak

Lemwerder. Der Corona-bedingte Saisonabbruch mit Auf-, aber ohne Absteigern macht es möglich. Der SV Lemwerder darf weiter in der Fußball-Landesliga spielen. Trotz der desaströsen Bilanz, die keinen Sieg, zwei Unentschieden, 17 Niederlagen und 12:72 Tore für das abgeschlagene Schlusslicht ausweist. Kein Wunder, dass Trainer Fabian Wilshusen den Klassenerhalt als „geschenkt“ bezeichnet und Teammanager Norman Stamer ihn als „Chance“ sieht. Jetzt gilt es, diese Chance zu nutzen.

Es ist gewissermaßen die zweite große Herausforderung für den SV Lemwerder binnen weniger Monate. Nachdem Mitte November die Trennung vom erfolglosen Trainer Edu Yakan erfolgt war und Fabian Wilshusen übernommen hatte, stand das Landesliga-Team in der Winterpause wegen eines personellen Notstandes vor dem Aus. Ex-Trainer Norman Stamer, der als Teammanager zurückgekehrt war, hatte damals ganz offen über Abmeldegedanken gesprochen. Doch die Rettung des Teams gelang und Anfang dieses Kalenderjahres trat der SVL bereits deutlich geschlossener auf. Die Auftritte gegen den TSV Melchiorshausen (0:1), den SV Grohn (1:2) und DJK Blumenthal (1:4) machten Mut. Zwar nicht auf den Klassenerhalt, aber auf eine gewisse Stabilität, Konstanz und ein funktionierendes Mannschaftsgefüge. „Unter Fabian hat man da schon gute Ansätze gesehen“, erklärt Norman Stamer.

21 Zusagen liegen schon vor

Herausforderung Nummer zwei sieht vor, diese vor dem Abbruch gezeigten Ansätze auszubauen und den Klassenerhalt nun mit entsprechenden Ergebnissen zu realisieren. Und diesbezüglich befindet sich der SV Lemwerder augenscheinlich auf einem guten Weg. Fabian Wilshusen hat 21 Spieler auf seinem Zettel für die neue Spielzeit, vier bis fünf weitere – unbedingt auch ein Torhüter – sollen noch hinzukommen. Ein Großteil der Spieler stammt aus dem im Laufe der Hinrunde bereinigten Kader, und das rechnet Fabian Wilshusen ihnen hoch an: „Wir haben wenig Abgänge trotz dieser Saison ohne Sieg und mit Corona. Ein Lob an alle, die geblieben sind.“ Da sich zu denen mittlerweile Lanzeitverletzte wie Tobias Lange und Jannik Plaster, aber auch Rückkehrer wie Christobal Oltmanns, Sven Kuhlmann und Tim Weinmann gesellt haben und Stamer zuversichtlich ist, dass die Spielklasse noch den einen oder anderen anlocken wird, dürfte der Kader an Qualität gewinnen. „Ich glaube, dass wir einen besseren Kader haben werden. Fußballerisch und als Gemeinschaft“, sagt Norman Stamer.

Als Gemeinschaft versteht sich auch das Team ums Team herum. Den neuen Co-Trainer Waldemar Gilmut will Fabian Wilshusen mit sich gleichgestellt wissen („Ich spiele ja auch selber“), Teammanager Norman Stamer, Torwarttrainer Oliver Jung und Physio Jörg Schöne sind ebenfalls ganz dicht dabei. Ganz kurze Korrespondenzwege abseits des Fußballplatzes haben Waldemar Gilmut, Fabian Wilshusen und Norman Stamer, weil man sie quasi als Nachbarn bezeichnen kann. Fabian Wilshusen: „Das vereinfacht Besprechungen schon sehr.“ Während das Trio also öfters auf der Terrasse zusammenkommt, trifft sich die Mannschaft derzeit einmal pro Woche zum Training. Zu einem freiwilligen Training wie Fabian Wilshusen ergänzt und von einer guten Beteiligung spricht. Im August soll dann wieder zweimal pro Woche trainiert werden.

Ob zum jetzigen Zeitpunkt, im August oder wann auch immer – an der Zielsetzung wird sich bei den Verantwortlichen des SVL nichts ändern: sie lautet Klassenerhalt. „Ich bin 100-prozentig davon überzeugt, dass wir das hinkriegen. Sonst hätte ich auch gar keine Motivation, dass hier weiterzumachen“, kennt Fabian Wilshusen keine Zweifel. Teammanager Norman Stamer formuliert das so: „Wir werden konkurrenzfähig sein, aber es wird ein schwieriger Weg.“ Für Stamer, der beim SVL überaus erfolgreiche Zeiten als Trainer erlebte und sich über einen längeren Zeitraum hinter den Bremen-Ligisten Blumenthaler SV und der SG Aumund-Vegesack als die Nummer drei im Fußballkreis Bremen-Nord bezeichnen durfte, geht es darum, dem fragilen Gebilde wieder Stabilität zu verleihen. „Von der Erwartungshaltung wie in alten Zeiten müssen wir uns erst einmal verabschieden. Aber wenn wir wieder Konstanz reinbekommen und wir vom Umfeld wieder als Einheit wahrgenommen werden, kommt vieles ein Stück weit von allein“, mein Stamer.

Perspektive für die A-Junioren

Ob wie eigentlich schon geplant in der Bezirksliga oder – wie jetzt durch die Pandemie begünstigt – in der Landesliga, für Wilshusen und Stamer geht es auch um die Entwicklung einer Idee. Wilshusen sieht die Zukunft des SV Lemwerder als „lokales Projekt mit vielen Leuten aus der Umgebung“, Stamer führt den Ansatz weiter aus und will den A-Junioren aus dem eigenen Lager eine Perspektive bieten. Jetzt gilt es also, aus dem geschenkten Klassenerhalt etwas zu machen, die Fantasie hinsichtlich sportlich wieder erfolgreicherer Zeiten beim SV Lemwerder zu beflügeln.

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