Neues Brettspiel In der Rolle eines Stammes-Fürsten

Arne Lorenz spielt gerne und viel. Bei den meisten Brettspielen fehlte dem Lemwerderaner etwas. Deshalb hat er mit Era of Tribes ein eigenes Strategiespiel entwickelt. Nun will er den Markt erobern.
03.09.2018, 15:36
Lesedauer: 4 Min
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In der Rolle eines Stammes-Fürsten
Von Barbara Wenke

Lemwerder. Arne Lorenz spielt für sein Leben gern Gesellschaftsspiele. "Das hat im Kindesalter mit den üblichen Verdächtigen wie Monopoly und Risiko angefangen", erinnert sich der 42-Jährige. Auch Zivilisationsspiele standen früh auf seinem Spielplan. Aber irgendetwas, sagt Lorenz, habe immer gefehlt. Mal war es dieses Detail, mal jenes. Deshalb hat sich der Lemwerderaner Vielspieler vor Jahren darangemacht, selbst ein Brettspiel zu entwickeln. In Kürze soll das Strategiespiel Era of Tribes an den Start gehen.

Der ausgebaute Dachboden der Familie Lorenz ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Da gibt es eine Ecke für die Eisenbahn, Flächen für anderes Bodenspielzeug und einen sechseckigen Holztisch für Gesellschaftsspiele. Die Regale um ihn herum sind gefüllt mit Ausgaben von "Carcassonne", "Herr der Ringe", "Lagunera" oder "Civilization". Auf der braunen Holzplatte hat Arne Lorenz in den vergangenen Monaten immer wieder "Era of Tribes" aufgebaut.

Obwohl die ebenfalls auf dem Tisch stehende Kartonverpackung anderes vermuten lässt, ist "Era of Tribes" ein Spiel, das noch nicht auf dem Markt ist. Lorenz besitzt einen Prototyp des Spiels, das er selbst entworfen hat. Seit mehr als einem Jahr befindet es sich in der Konkretisierung. In den Monaten zuvor hat der einstige Gymnasiast mit Kunst-Leistungskurs Landkarten, Spielfiguren und Münzprägungen entworfen.

Mit UGG – Udo Grebe Gamedesign hat Lorenz bereits einen Verlag gefunden, der sein Spiel vermarkten wird. Selbst auf der internationalen Spielemesse in Essen, dem Mekka der Brettspiel-Fans, hat der Lemwerderaner sein Produkt im Oktober 2017 präsentiert und nach eigener Aussage viel Begeisterung gespürt. Eine Facebookseite mit dem Namen "Era of Tribes" besteht ebenfalls schon.

Zur Spielidee: Europa in der jungen Steinzeit. Zu Beginn des Spiels sind die zwischen Skandinavien und Nordafrika sowie zwischen der Iberischen Halbinsel und dem Nahen Osten beheimateten Völker verstreute Haufen kleiner Dörfer. Die Landkarte setzt sich aus mehr als 200 Provinzen mit unterschiedlichen Geländebeschaffenheiten wie Land, Meer oder Berge zusammen. Bereits bei der Auswahl des zu spielenden Volkes ist strategisches Geschick gefragt, denn nicht jedes Volk besitzt die gleichen Stärken. Und nicht jede Landbeschaffenheit bietet gleich viel Nahrung. Dafür aber eventuell mehr Handelsmöglichkeit oder Kultur. Jeder Mitspieler ist das Oberhaupt eines Stammes, der durch den Zufall bestimmte Aufträge erfüllen muss. Es gewinnt, wer am Ende die meisten Aufträge erfüllt hat.

Zur Verfügung stehen den Spielern die Völker der Iberer, Karthager, Ägypter, Griechen, Römer, Slaven, Germanen, Kelten, Briten sowie der Nordmänner. Alle Völker eint ein großer Traum: ein gewaltiges Imperium. Doch der Weg dorthin ist weit. "Nur wenn die Untertanen treu hinter dem Anführer stehen, die Armeen fortschrittlicher und stärker sind als die der Feinde und die Kolonien den Anführer mit Luxusgütern aus allen Teilen des Reiches versorgen, liegt die Macht bald zum Greifen nahe", beschreibt Arne Lorenz den Spielverlauf. "Auf dem Weg zur Macht müssen zudem politische und wissenschaftliche Fortschritte eingebunden werden." Und auch Spionage und Religion kommen nicht zu kurz.

Klingt kompliziert. "Ist es aber nicht", sagt Arne Lorenz. "Die Mechaniken sind nicht kompliziert. Man muss nur sehr viel im Auge behalten. Era of Tribes ist sehr komplex."

Ziel des auf ein bis zwei Stunden Dauer angelegten Spiels für Personen ab 14 Jahren ist es, Einflusspunkte zu sammeln. "Um dies zu erreichen, entwickeln die Mitspieler mithilfe von Adligen ein Reich." Mit ihren Vasallen gründen sie Städte, sammeln Luxusgüter und tragen Konflikte aus. "Das Wort Krieg klingt immer so blöd", sagt der Autor mit einem entschuldigenden Lächeln. "Aber das Kernelement sind schon die Kämpfe. Ein friedliches Miteinander in einer Provinz gibt es nicht." Der Ausgang der Kämpfe hängt dabei aber nicht allein vom Würfelglück ab. "Man kann die Kämpfe beeinflussen", betont der Autor.

Lorenz plant einige Besonderheiten. So sind die Spieler nicht an die reale Landkarte Europas gebunden. Sie können sich auch eine Fantasiewelt erschaffen. Handteller große, wabenartige Kartonplättchen, die mit Ausschnitten Europas bedruckt sind, können nach eigenem Gutdünken aneinandergelegt werden.

Unzählige Male hat Arne Lorenz "Era of Tribes" in den vergangenen Monaten gespielt. "Ich habe bereits jedes der zehn Völker 20 bis 30 Mal durchgespielt, um zu sehen, wie es sich entwickelt", erzählt der Lemwerderaner. Einmal im Quartal findet auf seinem Dachboden ein Spieleabend statt.

Unter anderem dabei hat der Brettspiel-Fan viel Rückmeldung zu seinem Entwurf erhalten. "Der Triumphzug ist beispielsweise nicht meine Idee. Aber ich fand den toll." Um das Spiel zu verkürzen, habe er "einige komplexe Dinge herausgenommen", erzählt der Autor. "In der Einstiegsversion dauerte Era of Tribes locker vier Stunden." So viel Zeit wolle heute allerdings kein Brettspiel-Fan mehr für ein einziges Spiel aufbringen, hat Lorenz erfahren. "Lieber spielen die dasselbe Spiel noch mal. Als Revanche."

Der Lemwerderaner plant, Era of Tribes über die US-amerikanische Crowdfunding-Plattform Kickstarter auf den Markt zu bringen. "Ich muss aber erst noch ein schickes Video machen lassen", sagt Lorenz. Er hofft, dass dieses Vorhaben bis zum Ende des laufenden Jahres erledigt sein wird. Wer hilft, das Projekt über die Plattform zu finanzieren, bekommt ein druckfrisches Exemplar des Spiels. Ganz billig, werde dies aber nicht, schwant Lorenz. "Für 50 Euro wird man das Spiel aufgrund des ganzen Materials nicht anbieten können."

Brettspiel-Fans, die Era of Tribes bereits vor dem Verkaufsstart testen möchten, können über die eigene Facebook-Seite des Spiels Kontakt zu Autor Arne Lorenz aufnehmen.

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