Lemwerder TV Auch Julian Aust wird ausgebremst

Im vergangenen Jahr wurde zu diesem Zeitpunkt bei den Faustballern noch ganz kräftig der Ball über die Leine geschlagen. So auch beim Lemwerder TV. Aber nun kann auch Julian Aust nur noch joggen.
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Von Olaf Schnell

Im vergangenen Jahr wurde zu diesem Zeitpunkt bei den Faustballern noch ganz kräftig der Ball über die Leine geschlagen. So auch beim Lemwerder TV. Zwölf Monate später herrscht in den Sportstätten eine beängstigende Stille. Corona hat knallhart die Regie übernommen und dafür gesorgt, dass der Ball bei den Sportvereinen im Schrank bleibt. So wurde bei den Lemwerderanern auch der neue Herren-Spielertrainer Julian Aust, nach dem Einstieg im Sommer, wieder ausgebremst. Das bedeutet also – kein Training und auch keine Spieltage mit den LTV-Herren.

Wie berichtet hatte der 31-Jährige den Posten von Uwe Kienast, der beim LTV etwas kürzertreten wird, übernommen – zuvor legte Julian Aust aus privaten Gründen eine einjährige Pause ein. „Ich war aber nie wirklich weg. Ich hatte nur den Job als Mannschaftsführer in dieser Phase ruhen lassen, das übernahm Patrick Suhren. In der Zwischenzeit half ich aber immer wieder aus und spielte auch in der zweiten Mannschaft. Das war insgesamt ein Jahr, wo ich etwas zurückfahren konnte“, meinte Julian Aust.

Im Sommer sollte dann eigentlich für die Faustballer die Saison beginnen. „Aber es gab für uns Männer keine. Wir konnten wenigstens wieder regelmäßig trainieren. Da wir aber kein richtiges Ziel vor Augen hatten, war es letztlich eher ein Zusammenkommen mit den Spielern, um ein wenig Spielpraxis zu haben. Die Spannung war schon irgendwie raus“, so Aust. Der LTV-Coach erzählte zudem, dass die Spieler relativ gefasst mit Corona umgehen.

„In der Halle konnten wir dann im September auch noch ein paar Wochen trainieren. Zudem habe ich mit Uwe Kienast gesprochen und in Sachen Trainer sofort Ja gesagt, weil der Sport mir am Herzen liegt. Wir sind eine gute und große Truppe. Hier kann man in den nächsten Jahren noch gut miteinander spielen und wir verstehen uns alle gut“, meinte Julian Aust, der betonte, dass Uwe Kienast nach wie vor sehr nahe an der Mannschaft sein wird – der Abteilungsleiter begleitet die Mannschaft bei den Punktspielen und fungiert als Schiedsrichter.

Julian Aust hat sich auch bereit erklärt die Spielertrainer-Rolle zu übernehmen und bei den taktischen Sachen hat er den Hut auf – Patrick Suhren bleibt Mannschaftskapitän. „Wir sind das Duo, dass das Team taktisch und moralisch in eine Richtung bringen möchte. Gleichzeitig wollen wir die Verantwortung auch ein bisschen verteilen. So haben wir mit Patrick Bartelt und Arthur Dick Akteure, die sich zum Beispiel um die ganzen Lizenzfragen kümmern. Das ist im deutschen Turnerbund deutlich komplizierten geworden – wir haben inzwischen ein digitales Portal. Ich nehme auch sehr gerne Tipps von Uwe Kienast an. Ich muss eben mit der ganzen Situation warm werden“, klärte Julian Aust auf.

Der 31-Jährige hat im Vorfeld den Trainer Uwe Kienast schon ein paar Mal bei den Spieltagen vertreten. Es ist für ihn nichts völlig Ungewohntes. Sie wollen jetzt auch nicht alles über den Haufen werfen, wollen aber den Staffel-Stab annehmen und selber Verantwortung übernehmen.

Aust möchte sich bei den Spieltagen im Notfall auch selber einwechseln, aber lieber von draußen coachen. „Wir haben doch einen großen Kader mit neun Spielern. Es ist natürlich schwierig, in einem Mannschaftsport, wo du nur fünf Spieler einsetzen kannst, allen gerecht zu werden. Aber wir spielen in der dritten Liga mit einem guten Niveau. Doch wir sind auch nicht die Mannschaft, die jetzt nicht jedes Jahr um den Aufstieg mitspielen muss“, meinte Aust.

Dem LTV-Herren-Trainer ist es wichtig, dass man deutlich mehr Wert darauf legt, die Spielpraxis-Anteile zu erhöhen. Die Liga eignet sich da nur zum Teil für, weil sie relativ klein ist und schnell vorbei. Julian Aust hat so vor, nach Corona, die Teilnahme an Faustball-Turnieren oder Freundschaftsspiele deutlich zu erhöhen. „Ich glaube, das ist ganz wichtig. Ich hatte nämlich zuvor als Mannschaftsführer immer schon das Gefühl, dass wir, wenn schwierige Spielphasen kamen – unser Kopf blockierte. Dass man eher ängstlich auf dem Platz agierte, viel überlegte und Angst hatte, etwas falsch zu machen. Die Spielfreude war nicht da. Auf Turnieren erlebe ich das krasse Gegenteil unserer Mannschaft, da spielt sie befreit auf“, äußerte sich Julian Aust.

Lemwerder möchte weiterhin nicht so oft Spieler auswechseln. „Die Sätze dauern ja nur bis elf Punkte. Für Wechsel mitten im Satz bin ich nicht unbedingt der Freund von. Ich hoffe aber auch, dass die Jungs dafür offen sind – die müssen die Wechsel unterstützen. Jeder sollte auch sagen, wenn er nicht gut drauf ist. Wir sind ein breiter Kader. Jeder soll spielen, aber keiner Angst haben, irgendetwas falsch zu machen. Wir spielen hier nicht um die deutsche Meisterschaft“, so Julian Aust. Ihm ist es eben wichtig, in den nächsten Monaten und Jahren die Spielpraxis zu erhöhen. Dass die Akteure an ihrem Hobby Spaß haben und mit Freude am Faustballsport ran gehen.

Mit dem Spaßfaktor könnte es so für den Lemwerder TV auch mal in Richtung zweite Bundesliga gehen. „Ich glaube, dass wir in der Halle eigentlich eine bessere Figur abgeben. Wir haben schon einmal am Aufstieg gekratzt, womit vorher keiner gerechnet hatte. Es ist aber etwas abhängig, wie wir es schaffen, stabiler in unserer Leistung zu werden. Am Spieltag, aber auch über eine ganze Saison. Unser Verein hat es aber schwer, weil wir nur ein höherklassiges Team melden. So können wir uns nicht mit den Faustball-Hochburgen wie Brettorf, Ahlhorn und Moslesfehn, die vier bis sechs Männer-Mannschaften haben, messen. Wenn wir aber ins Rollen kommen, ist ein Kratzen an der 2. Liga immer möglich“, ergänzte Julian Aust, der momentan die Niedersachsenliga für den Lemwerder TV als richtige Spielklasse sieht – der Aufstieg ist aber laut Julian Aust nicht verboten, weil er eine sehr talentierten Mannschaft zur Verfügung hat, die aber eben auch in einigen Bereichen noch nicht reif genug ist.

Schön wäre es zudem, wenn Knut Besser die LTV-Mannschaft künftig verstärken könnte. Es ist aber noch nicht ganz klar, ob der Allrounder in Zukunft für Lemwerder spielen kann. Für die Feldsaison 2020 und Hallensaison 2020/21 war er fest eingeplant und hatte auch alle nötigen Freigaben. Ab 2021 wird Knut Besser laut Aust aber privat deutlich stärker eingespannt sein und kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen, ob alles miteinander vereinbar ist.

Das LTV-Team würde sich aber sehr freuen, wenn Knut Besser mitwirken könnte, da er das Aufbauspiel deutlich verbessern würde. "Gerade im Bereich der Vorlagen fehlt uns die nötige Konstanz, um dauerhaft Druck auf den Gegner ausüben zu können“, berichtete Julian Aust, der in Zukunft an den Spieltagen mit frühen Auszeiten das jeweilige Spiel in eine andere Richtung lenken möchte, um dann taktische Umstellungen zu machen. Wenn es dann wieder möglich ist...

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