Creativlinge in Lemwerder Kleine Straße wird zum Kreativtreff

Fünf Kunsthandwerkerinnen ziehen im Januar neben Birgits Wollladen ein. Sie eröffnen einen Laden mit Werkstatt, in der man den Frauen bei der Arbeit über die Schulter schauen kann.
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Kleine Straße wird zum Kreativtreff
Von Barbara Wenke

Lemwerder. „Wir geben uns Mühe, Downtown Lemwerder wiederzubeleben.“ Während Silvia Ketteniß diesen Satz sagt, lacht sie herzhaft. Der Begriff Downtown ist dann doch ein wenig hochgegriffen. Dennoch liegt Wahrheit in ihren Worten, denn es passiert etwas an der Kleinen Straße, dem ehemaligen Lemwerderaner Ortskern. Erst kürzlich hat Ketteniß ihren Lederwarenladen eröffnet. Im Januar kommen fünf Kunsthandwerkerinnen hinzu.

Die fünf Frauen, die sich unter dem Titel Creativlinge zusammengeschlossen haben, ziehen in zwei Räume neben „Birgits Wollladen“ ein. „Das wird hier ein richtiger Kreativtreff“, freut sich Inhaberin Birgit Jordemann. Die Creativlinge werden an der Kleinen Straße nicht nur ihre Produkte anbieten, sondern sich von den Kunden auch während der Arbeit über die Schulter schauen lassen. „Das wird eine Verkaufswerkstatt“, erläutert Schneiderin Ilona Topp. „Wenn eine Größe nicht passt oder etwas anderes verändert werden soll, werden wir die Waren vor Ort nachfertigen.“

Bislang hatten die Frauen das Café im Kunsthandwerk auf der Nordwolle betrieben. Nachdem dies vor einiger Zeit hatte schließen müssen, eröffneten sie einen sogenannten Pop-up-Laden in der Delmenhorster Innenstadt. „Wir haben dort von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft das Angebot bekommen, den Laden bis Weihnachten zu bewirtschaften und haben das natürlich gerne angenommen“, berichtet Creativling Christine Brüß.

Die Delmenhorsterin hat schon in ihrer Jugend viel genäht, musste dieses Hobby wegen ihrer Berufstätigkeit allerdings ein wenig zurückstellen. Jetzt ist Christine Brüß mit Inbrunst in zwei Bereichen tätig. Als Erstes ist da das Upcycling von Segeltuch, aus dem sie Taschen und Dekoration wie maritime Accessoires herstellt. Zusätzlich arbeitet sie mit Stoffen wie Biojersey, Wollwalk oder Softshell. „Dabei liegt der Schwerpunkt in der Herstellung von Kinderkleidung“, betont die Kunsthandwerkerin. Und wenn es erforderlich ist, „wird auch noch die Stickmaschine eingesetzt“, fügt Brüß an.

Derzeit bieten die Creativlinge ihre Waren in einer brachliegenden Ladenzeile in Delmenhorst an. Bis zum Jahreswechsel beleben sie den ehemaligen Base-Shop an der Langen Straße zwischen Bahnhofsstraße und Rathausplatz. Im Erdgeschoss gibt es eine Auswahl an Kunsthandwerk, selbst gemachte Kinderbekleidung, Handtaschen und Kleidungsstücke. Alles in Handarbeit entstandene Unikate. Im Obergeschoss haben die Creativlinge eine kleine Galerie eingerichtet, in der Bilder von Monika Steffens ausgestellt werden. Neben Leinwänden bemalt die Innenarchitektin aber auch Textilien. Nach Wunsch der Kunden entstehen ganz individuelle T-Shirts, Blusen oder Hosen. Das Engagement in der Delmenhorster Innenstadt bleibt für die Creativlinge allerdings eine vorübergehende Sache. Den Laden dauerhaft zu bespielen und entsprechend Miete zu bezahlen, können sich die Frauen nicht leisten. „Das können wir gar nicht finanzieren“, erklärt Creativling Ilona Topp. Auch zeitlich sei es ihnen nicht möglich, das Geschäft dauerhaft zu führen, denn neben dem Verkauf kümmern sie sich um die Produktion der Waren in der Werkstatt und müssen Material besorgen. „Wir hätten gar nicht die Zeit, ständig im Laden zu stehen und zu verkaufen“, sagt die Schneiderin.

Ilona Topps spezielles Interesse gilt Naturmaterialien. Sie beschäftigt sich aber auch intensiv mit dem Upcycling von Stoffen. „Anzüge mit ihren Details werden beispielsweise zu individuellen Kleidern oder Taschen“, gewährt die Schneiderin einen kleinen Einblick in ihre Arbeit.

Zum Team der Creativlinge gehört ferner Sabine Horatschek, die Taschen aus Leder anfertigt. Besonderen Wert legt Horatschek dabei auf die individuellen Eigenheiten der Lederstücke, die sie für die Weiterverarbeitung erwirbt. „Ich kaufe Häute beziehungsweise Lederstücke, die Löcher, Wellen, Strukturen, Brandzeichen oder Operationsnähte haben. Diese werden dann Teil des Designs.“ Bei Sabine Horatschek sind unterschiedliche Lederstärken ebenso gewollt wie Löcher oder gar schiefe Nähte. Verarbeitet werden von ihr Rind-, Hirsch-, Büffel-, Kalb-, Ziegen- und Schweineleder. Um besondere Applikationen herzustellen, vernäht Horatschek auch mal Paketschnüre, Seiden- oder Filzbänder.

Maggi Olschewski ist ebenfalls Teil des Creativlinge-Teams. Sie bereichert das Sortiment der Kunsthandwerkerinnen mit modischen Strickwaren. Die Anzahl der in Laden und Werkstatt vertretenen Frauen variiert. „Es kommt immer mal jemand dazu“, erläutert Ilona Topp. So bieten die Creativlinge hin und wieder auch Hüte und Keramik an. Der Umzug nach Lemwerder ist für Mitte Januar geplant.

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