Gemeinderat Lemwerder

Klimaschutz soll größere Rolle spielen

Bei den Entscheidungen Lemwerders soll der Klimaschutz eine größere Rolle spielen. Die Politik hat bereits Ideen, wie Schadstoffemissionen verringert und versiegelte Flächen reduziert werden können.
28.06.2019, 17:43
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Von Georg Jauken
Klimaschutz soll größere Rolle spielen

Die Milchbar und der Spiegelsaal der Ernst-Rodiek-Halle werden bereits durch moderne Fenster vor Überhitzung geschützt.

Christian Kosak

Lemwerder. Der Begriff Klimanotstand spielte keine Rolle mehr. Dennoch soll der Klimaschutz bei den Entscheidungen der Gemeinde Lemwerder künftig eine größere Rolle spielen. Die Fraktionen im Gemeinderat einigten sich auf mehrere Vorschläge zur Verringerung der Schadstoffemissionen und zur Reduzierung von versiegelten Flächen. Hintergrund ist eine Initiative der Unabhängigen Wähler Lemwerder (UWL), die Gemeinde möge den Klimanotstand ausrufen und damit anerkennen, dass der Klimawandel von Menschen gemacht ist und die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichend waren, um den Klimawandel aufzuhalten.

Auf Antrag der FDP/Grünen-Gruppe im Rat wurde der UWL-Vorschlag um die Forderung ergänzt, künftig bei sämtlichen Entscheidungen eine Abwägung der Auswirkungen auf das Klima vorzunehmen. Weitere fraktionsübergreifende Anträge sollen folgen, die konkreten Schritte und Maßnahmen zur Umsetzung der Resolution demnächst in einer Klausurtagung festgelegt werden. Bislang einigten sich die Fraktionen darauf, den Gebäudebestand der Gemeinde auf nachträgliche Wärmeschutzmaßnahmen zu überprüfen und bei Neubauten ökologisch nachhaltige Systeme (Solarenergie, Heiztechnik) zu berücksichtigen. Auch soll sich die Gemeinde mit Förderungsmöglichkeiten von Investitionen zur Verringerung der Schadstoffemissionen im privaten Bereich beschäftigen und bei der Neuanschaffung von Geräten und Fahrzeugen den Schadstoffausstoß beachten.

Brigitta Rosenow von den Grünen und andere lobten die „klasse Zusammenarbeit“ über die Fraktionsgrenzen hinweg während der Gespräche über die Ergänzung der Resolution. Sven Schröder, Fraktionsvorsitzender der UWL, zeigte sich zufrieden, vor allem die SPD/CDU-Mehrheitsgruppe „trotz anfänglicher Vorbehalte“ am Ende überzeugt zu haben. Es gehe nicht darum, Arbeitsplätze in Gefahr zu bringen oder die bisherigen Erfolge wie die energetische Sanierung von Gebäuden, die Umstellung auf LED-Beleuchtung oder die Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum Hollen gering zu schätzen, versicherte Schröder. Ziel der UWL-Initiative sei vielmehr, sich nicht auf den bisherigen Erfolgen auszuruhen. „Wir wollen, dass Lemwerder Haltung zeigt und demonstriert: Wir machen nicht nur weiter, wir packen etwas drauf.“

Was die Einigung für den politischen Alltag in Lemwerder bedeutet, muss sich noch zeigen. Schröder interpretiert sie so, dass beispielsweise für die Bäume und Sträucher, die dem geplanten Krippenneubau weichen mussten, an anderer Stelle adäquat aufgeforstet werden muss. Außerdem nimmt er den Ritzenbütteler Sand mit dem Drachenfestgelände in den Blick. Der Gemeinde biete sich die Chance, noch einmal die Bedeutung der Ausgleichsfläche für den Sandabbau für die B 212 neu im Umfeld des Leuchtturms zu dokumentieren. Der Randbereich des Ritzenbütteler Sandes könnte laut Flächennutzungsplan aber auch eines Tages bebaut werden.

Schon kurz nach Vorlage des UWL-Antrags, den Klimanotstand auszurufen, hatte sich angedeutet, dass die Osttangenten-Befürworter den Bau der Straße als Beitrag zum Klimaschutz werten könnten, weil sie die Ortsmitte vom Verkehr entlasten würde. Osttangenten-Gegnerin Rosenow hatte mehrfach argumentiert, zusätzliche Straßen führten grundsätzlich zu mehr Autoverkehr.

Für Sven Schröder reiht sich Lemwerder mit der Entscheidung in eine Reihe mit Vancouver, Basel und London ein, die zuvor den Klimanotstand ausgerufen hatten. Für Rainer Wohlers (UWL) war es die erste wichtige Entscheidung als Mitglied des Gemeinderats. Der 53-jährige Wirtschaftsingenieur, Ehemann und Vater von zwei Kindern rückte für die Ärztin Wiebke Naujoks in den Gemeinderat nach, die vor einigen Monaten eine Hausarztpraxis übernommen und nun ihren Mandatsverzicht erklärt hatte.

Einstimmig angenommen hat der Rat übrigens auch eine Resolution an die Bremer Gesundheitssenatorin für den Erhalt der Frühchenstation am Klinikum Bremen-Nord sowie eine Änderung der Ehrenordnung. Unter anderem wird die vor ein paar Jahren gestrichene Ehrung von Senioren zum 85. Geburtstag wieder eingeführt. Wer 80 Jahre alt wird, soll künftig nicht nur geehrt werden, sondern darüber hinaus eine Notfallbox für die wichtigsten Dokumente geschenkt bekommen. Senioren und Patienten sollen die Box in der Kühlschranktür lagern. Bei einem Notfall wissen die Rettungskräfte dann, wo sie nachsehen müssen und verlieren keine wertvolle Zeit. Die Kosten für die Notfallboxen will bis auf weiteres die örtliche Apotheke übernehmen, wie es hieß.

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