Kommunalwahl in der Wesermarsch

Gemeinderäte werden weiblicher

Im Kreissüden liegt die SPD bei der Kommunalwahl vorne. In Lemwerder ist die FDP zweitstärkste Kraft geworden. Insgesamt 15 Frauen ziehen in die Gemeinderäte von Berne und Lemwerder ein. Das sagen die Parteien.
13.09.2021, 13:50
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Gemeinderäte werden weiblicher
Von Barbara Wenke
Gemeinderäte werden weiblicher

Noch vor Mitternacht klebte die FDP Lemwerder eine Danksagung auf ihr Wahlplakat am Rathausplatz.

Jost Wenke
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Kurz vor Mitternacht hat sich Harald Schöne am Sonntagabend auf den Weg gemacht, FDP-Wahlplakate mit einem "Danke"-Aufkleber zu versehen. Soeben war amtlich geworden, dass die Liberalen als zweitstärkste Kraft aus der Kommunalwahl in Lemwerder hervorgegangen sind. 22,95 Prozent der Stimmen verhelfen ihnen zu fünf Sitzen im nächsten Gemeinderat.

"Unser Ziel war es, mit vier Personen in den Gemeinderat zu kommen. Dass es nun fünf geworden sind, ist die Kür", sagte der überglückliche Partei- und Fraktionsvorsitzende, Harald Schöne, der selbst 372 Stimmen auf sich vereinen konnte und somit als Spitzenkandidat sicher ins Kommunalparlament einzieht. An seiner Seite werden künftig Denis Walecki (370 Stimmen), Horst Zwicker (237 Stimmen), Werner Ammermann (222 Stimmen) und Bianka Ludwig (126 Stimmen), die über ihren Listenplatz 3 in den Gemeinderat einzieht, sitzen. Eine Bank für die FDP war Neu-Kandidat Denis Walecki. Der ehemalige Lemwerderaner 1.-Herren-Fußballer und heutige 2.-Herren-Co-Trainer dürfte einen Großteil seiner Stimmen aus der Lemwerderaner Fußballszene erhalten haben.

Zu möglichen Zusammenschlüssen, beispielsweise einer großen Gruppe der FDP mit der SPD, mochte sich der FDP-Vorsitzende am Morgen nach der Wahl noch nicht äußern. Nur so viel sagte Schöne: "Es ist alles möglich. Es gibt die rechnerische Möglichkeit für eine Große Gruppe. Aber auch Dreierbündnisse kommen in Frage. Oder die Bürgermeisterin wird bei einer SPD-CDU-Gruppe mit gleichstarker Opposition zur Königsmacherin."

SPD stärkste Fraktion

Stärker als die FDP war nur die SPD (31,25 Prozent). Doch die Sozialdemokraten haben Federn gelassen. Sie büßen gegenüber dem Status quo einen Sitz ein und werden nur noch mit sechs statt bislang mit sieben Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern im neuen Gemeinderat vertreten sein. Und das, obwohl das Gremium aufgrund der steigenden Anzahl an Bürgern von 18 auf 20 Sitze aufgestockt wurde.

Dennoch wird sich das Gesicht der SPD-Ratsfraktion verändern. Es wird weiblicher. Neben den erfahrenen Ratsleuten Andreas Jabs (265 Stimmen), Monika Drees (254 Stimmen), Meinrad-Maria Rohde (218 Stimmen) und Jan Olof von Lübken (200 Stimmen) ziehen mit Viktoria Heller (109 Stimmen) und Joana Assing (67 Stimmen) zwei junge Frauen über die SPD-Liste in den Gemeinderat ein.

"Unsere beiden jungen Frauen sind durch. Das freut mich sehr", stellt SPD-Vorsitzender Andreas Jabs fest. Er habe im Vorfeld geahnt, dass die Wahl für die Sozialdemokraten schwierig werden würde, räumt er ein. Nun gelte es, neuen Nachwuchs aufzubauen. Mit Viktoria Heller und Joana Assing sei ein Anfang gemacht.

CDU verharrt bei vier Sitzen

Die CDU kommt auf 21,47 Prozent der Stimmen und verbleibt bei vier Sitzen. Diese werden auch in der kommenden Ratsperiode von Wolf Rosenhagen (420 Stimmen), Tanja Sudbrink (293 Stimmen), Miles Eckert (151 Stimmen) und Karsten Haye-Warfelmann (122 Stimmen, über die Liste) besetzt.

"Wir sind ganz zufrieden", gibt Wolf Rosenhagen am Montagvormittag zu Protokoll. "Unsere Wähler haben unsere Arbeit der letzten fünf Jahre honoriert. Wir haben einen vergleichbaren Prozentsatz erzielt." Einen Ausblick auf künftige Gruppenkonstellationen wagt er noch nicht.

Zweiter Wahlgewinner: die Grünen

Zweiter Gewinner der Kommunalwahl 2021 in Lemwerder sind die Grünen (13,53 Prozent). Sie ziehen wieder in Fraktionsstärke ins Kommunalparlament ein. Ratsfrau Brigitta Rosenow (333 Stimmen) wird mit Antje Warnken (158 Stimmen) und Frank Schwarz (50 Stimmen, über die Liste) ab November auf zwei Mitstreiter bauen können.

"Das ist ein starkes grünes Ergebnis für Lemwerder. Ich bin total glücklich", jubelt Brigitta Rosenow in Anbetracht der Tatsache, dass die Grünen ihren Stimmenanteil annähernd verdoppelt und ihren Sitzanteil im Gemeinderat gar verdreifacht haben. "Die grüne Politik der vergangenen Jahre hat sich ausgezahlt."

Zweiter Wahlverlierer: die UWL

Zweiter Verlierer neben der SPD sind die Unabhängigen Wähler Lemwerder (10,80 Prozent). Nachdem die UWL vor fünf Jahren aus dem Stand drei Plätze in Lemwerders Gemeinderat ergattern konnten, müssen sie sich dieses Mal mit zwei Sitzen zufriedengeben. Sven Schröder sicherte sich mit 198 Stimmen den Direkteinzug. Rainer Wohlers (86 Stimmen) zieht über die Liste in den Gemeinderat ein.

Ganz so negativ möchte Rainer Wohlers das Wahlergebnis allerdings nicht interpretieren. "Einerseits ist es natürlich nicht schön, dass uns eineinhalb Prozentpunkte zum dritten Sitz fehlen", räumt der Vorsitzende der Wählervereinigung ein. "Trotzdem ist es eine Bestätigung unserer Arbeit. Unser wichtigstes Ziel war, dass SPD und CDU zusammen keine Mehrheit mehr im Gemeinderat haben. Das ist gelungen." Jetzt sei es spannend zu beobachten, wie die parteilose Bürgermeisterin ihre Rolle definiert. 

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Aus dem Gemeinderat ausscheiden werden Ewald Helmerichs, Günter Naujoks, Yener Turkcan (alle SPD), Wolfgang Eymael (FDP) und Sven Göttsch (UWL). 55,08 Prozent der 5784 Wahlberechtigten beteiligten sich in der südlichsten Wesermarschgemeinde an der Kommunalwahl.

SPD wieder stärkste Kraft in Berne

In Berne hat sich die SPD (41,33 Prozent) ihren Status als stärkste Kraft im Gemeinderat zurückgeholt. Sie zieht im November mit sieben Vertretern in den 18-köpfigen Gemeinderat ein. Stimmenlieferant war einmal mehr die Landtagsabgeordnete Karin Logemann (1477 Stimmen). Auch Lars Steenken (336 Stimmen), Heike Gloystein (229 Stimmen) und Markus Baritz (168 Stimmen) schafften den direkten Wiedereinzug. Neu im Gemeinderat sind hingegen Julia Wilde (132 Stimmen), Daniel Lorenz (120 Stimmen) und Michael Gerdes (107 Stimmen, über die Liste). 

"Wir freuen uns sehr über das Ergebnis", sagt SPD-Vorsitzender Jan Wilde. Insbesondere freue die Sozialdemokraten, dass sie mit drei neuen jungen Kräften in den Rat einziehen. "Wir haben drei Personen in unseren Reihen, die jünger als 40 Jahre sind. Daniel Lorenz ist sogar erst 25", betont Jan Wilde.

CDU erhält sechs Mandate

Nach einem Wechsel der Mehrheitsverhältnisse vor fünf Jahren muss sich die CDU mit 31,98 Prozent nun wieder in die zweite Reihe einordnen. Die Christdemokraten halten ihre sechs Sitze im Rat. Mit 587 Stimmen versammelt Karl-Ernst Thümler die meisten CDU-Wählerinnen und -Wähler hinter sich. Ihm zur Seite stehen weiter Eike Rulfs (303 Stimmen), Elke Belsemeyer (275 Stimmen), Hans-Martin Wöbken (192 Stimmen) und Kai Scherf (183 Stimmen, über die Liste). Neu in den Reihen der CDU ist Sarah Bruns, die mit 208 Stimmen den direkten Sprung in den Gemeinderat schafft.

"Wir haben unser Stimmenergebnis gehalten, das ist in Ordnung", resümiert Karl-Ernst Thümler. Der CDU-Vorsitzende und derzeitige Fraktionschef hofft, die gute Zusammenarbeit im Rat weiterführen zu können. "In den vergangenen fünf Jahren hat es Fraktionsvorsitzenden-Runden mit dem Bürgermeister gegeben und über jede Entscheidung mussten Gespräche geführt werden, bis es zu einer Einigung kam." Auf der kommunalen Ebene gehe es nicht um Parteienproporz, sondern um das Wohl der Gemeinden.

Grüne gewinnen hinzu

Die Grünen haben ihr Wahlergebnis auf 14,69 Prozent gesteigert. Mit Christina-Johanne Schröder (270 Stimmen), Antje Neuhaus-Scholz (202 Stimmen) und Hauke Uphoff-Bartelds (135 Stimmen, über die Liste) werden sie künftig wieder mit drei Personen im Rat vertreten sein. "Wir haben unser bestes Wahlergebnis in Berne überhaupt erzielt", freut sich Hauke Uphoff-Bartelds.

Bürgerforum im Dilemma

Herbe Verluste muss hingegen das Bürgerforum Berne hinnehmen. 8,17 Prozent reichen nur für ein statt wie bisher für drei Mandate. Dieses steht Clemens Rittel (156 Stimmen) zu, der mit einer Stimme Vorsprung vor Marvin Rönpage direkt in den Gemeinderat gewählt wurde.

Noch stehe nicht fest, ob er das Mandat annehmen wird, zeigte sich Rittel am Montagvormittag unsicher. Eigentlich hätten die Jungen, Marvin Rönpage und Marcel Stache, in den Rat einziehen sollen. Er habe nur als Nachrücker parat stehen wollen, falls die Jungen ihren Posten aus familiären oder beruflichen Gründen hätten aufgeben müssen. "Ich wollte denen den Rücken freihalten." Mitte der Woche werden die Mitglieder des Bürgerforums eine Entscheidung treffen.

Ein Sitz für Die Linke

Ebenfalls direkt zieht Ramona Bartz (126 Stimmen) in den Gemeinderat ein. Die Partei Die Linke kam auf 3,83 Prozent der Stimmen. "Wir sind zufrieden, obwohl wir uns insgeheim gewünscht haben, dass wir beide in den Rat kommen", sagt Parteivorsitzender Gerold Hohlen, der ebenfalls für den Berner Gemeinderat kandidiert hatte.

Nicht mehr im Berner Kommunalparlament vertreten sein werden: Jens Bischoff, Ria Liedtke (beide SPD), Heiko Hohnholz (CDU), Verena Delius (Grüne), Ulrich Lehmkuhl, vermutlich Marvin Rönpage (beide Bürgerforum Berne) und Gerold Hohlen (Die Linke). Damit wird der künftige Rat mit zehn Männern und acht Frauen besetzt sein. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,68 Prozent.

 

 

Zur Sache

Fünf Politiker aus dem Kreissüden im Kreistag

Auf Kreisebene behauptete sich die SPD (33,81 Prozent). Die Sozialdemokraten ziehen mit 14 Vertretern in den Kreistag ein. Aus dem Wahlbezirk IV, der sich aus der Stadt Elsfleth und den Gemeinden Berne und Lemwerder zusammensetzt, haben die Bernerin Karin Logemann und der Lemwerderaner Heinz Feja als direkt gewählte Kandidaten den Wiedereinzug geschafft.

Ebenfalls zweistellig, mit 13 Männern und Frauen, schafft die CDU (29,77 Prozent) den Sprung ins Kreisparlament. Die südliche Wesermarsch wird dabei vertreten vom Berner Björn Thümler, der ebenfalls erneut direkt gewählt wurde.

Komplettiert wird der Kreistag von Grünen (15,29 Prozent/ sechs Sitze), FDP (9,18 Prozent / vier Sitze), Unabhängige Wähler (8,97 Prozent / vier Sitze) und Die Linke (2,30 Prozent / ein Sitz). Die Bernerin Christina-Johanne Schröder vertritt als direkt gewählte Kandidatin erneut grüne Positionen. Ramona Bartz aus Berne (Die Linke) zieht erstmals ins Kreisparlament ein.

Im scheidenden Kreistag sind die Gemeinden Berne und Lemwerder noch mit insgesamt acht Kommunalpolitikern vertreten. Die Wahlbeteiligung der Kreistagswahl beträgt 54,44 Prozent.

Stichwahl entscheidet über Landrat

In der Wesermarsch wird es eine Stichwahl zwischen Stephan Siefken und Frank Ahlhorn um die Nachfolge von Landrat Thomas Brückmann geben. Christdemokrat Stephan Siefken, der als Einzelbewerber antrat, erhielt 42,28 Prozent der Stimmen. Für den parteilosen Frank Ahlhorn, der für die SPD ins Rennen ging, votierten 37,79 Prozent.

Schon früh hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Stadlander Siefken und dem in Varel lebenden Ahlhorn herauskristallisiert – mit leichten Vorteilen für Siefken. Unklar war lange, ob es dabei bleiben würde, da aufgrund technischer Probleme auf der Internetseite der kommunalen Datenverarbeitung Oldenburg (KDO) keine Zwischenergebnisse aus Nordenham angezeigt wurden. Der Landratskandidat der Grünen, Harm Ellinghusen aus Brake, erhielt 19,93 Prozent der Stimmen.

"Ich freue mich sehr über das Ergebnis", sagte Stephan Siefken, als klar war, dass es zur Stichwahl kommen würde. "Ich werde mich jetzt noch einmal zwei Wochen lang dafür einsetzen, die Wähler von Harm Ellinghusen von meinen Positionen zu überzeugen." Auch Frank Ahlhorn zeigte sich sehr zufrieden. Als "Seiteneinsteiger" und "politischer Neuling" habe er das Ergebnis nicht unbedingt erwartet. Die von ihm besetzten Themen wiesen große Schnittmengen mit den Grünen auf, weshalb auch er auf den Zuspruch der Ellinghusen-Anhänger bei der Stichwahl hoffe, sagte der 50-Jährige.

Die Wahlbeteiligung der Landratswahl lag bei 54,36 Prozent. Der aus der Stadt Elsfleth und den Gemeinden Berne und Lemwerder bestehende Wahlbezirk IV votierte mehrheitlich für Frank Ahlhorn. Die Stichwahl um die Nachfolge von Landrat Thomas Brückmann wird am 26. September im Rahmen der Bundestagswahl stattfinden. 

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