Kritik aus der Wesermarsch Wenn der Paketbote nicht mehr klingelt

Lange Wege für ältere und behinderte Menschen, um ihre Nachnahmepakete abzuholen, verärgern den Kreisbehindertenbeirat Wesermarsch. Er kritisiert die Deutsche Post.
22.01.2023, 19:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Grunewald/gru

Beim Rückblick auf die Weihnachtszeit macht Albert Mumme aus seiner Verärgerung keinen Hehl. Für eine Reihe von Menschen sei die damalige Entscheidung der Deutschen Post AG ein schwerer Schlag gewesen, sagt der Vorsitzende des Kreisbehindertenbeirats Wesermarsch und fordert: „Das darf sich nicht wiederholen. Die Post hat sicherzustellen, dass behinderte Menschen ihre Nachnahme-Pakete weiterhin an der Haustür entgegennehmen können und nicht aus einer Postfiliale abholen müssen.“

In der Vorweihnachtszeit landeten täglich rund neun Milliarden Pakete in den Privathaushalten der Bundesrepublik. Als Marktführer mit dem wohl größten Anteil auf dem Zustellsektor gilt der Logistik-Konzern Deutsche Post. Er rechnet angeblich damit, im vergangenen Jahr einen zu versteuernden Gewinn von rund acht Milliarden Euro gemacht zu haben. In der Weihnachtszeit, in der laut Branchenjargon „Starkverkehr“ bei der Paketzustellung herrscht, hatte die Deutsche Post gleichwohl personelle Probleme. Die sich nach Mitteilung von Staatssekretär Patzrick Graichen im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bereits im Sommer angedeutet hatten und vor allem die Zustellung von Briefen und Paketen betrafen.

Personalprobleme bei der Post

Graichen verweist in seiner Antwort auf eine Anfrage der Linken-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Amira Mohamed Ali, auf „hohe Krankenstände und die schwierige Arbeitsmarktlage“. Amira Mohamed Ali wirft der Deutschen Post dagegen eine mangelhafte Personalplanung vor. Die nun auch im Landkreis Wesermarsch vor allem zu Lasten älterer oder behinderter Menschen gegangen sei, kritisierte Albert Mumme. Sie hätten ihre Nachnahme-Pakete nicht mehr, wie gewohnt, persönlich an der Haustür oder beim Nachbarn entgegennehmen können, sondern sie in einer Postfiliale abholen und dort bezahlen müssen. Aus Sicht des Kreisbehindertenbeirats Wesermarsch und seines Vorsitzenden hat die Deutsche Post damit eklatant gegen ihre Verpflichtung verstoßen, die postalische Grundversorgung sicherzustellen.

Mumme hatte nach eigenen Angaben während der Weihnachtszeit etliche Beschwerden von Bürgern der Wesermarsch erhalten, die beklagten, dass sie trotz eingeschränkter Mobilität lange Wege hätten zurücklegen müssen, um ihr Nachnahmepaket in einer Postfiliale ausgehändigt zu bekommen.

Beirat pocht auf persönliche Zustellung

Im Landkreis Wesermarsch leben mehr als 8000 Menschen mit geistigen, körperlichen oder seelischen Handicaps. Deren Interessen vertritt der Kreisbehindertenbeirat gegenüber dem Landkreis, der Kommunalpolitik sowie vielen öffentlichen Stellen und Einrichtungen. Der Vorstand des Beirats pocht nun nach den Worten seines Vorsitzenden darauf, die Personallage bei den Zustellerinnen und Zustellern der Deutschen Post nachhaltig zu verbessern. Das in Corona-Zeiten entwickelte Notfallkonzept auch künftig bei der Zustellung von Nachnahmepaketen zu verwenden und Nachnahmesendungen ohne persönlichen Zustellversuch direkt in Filialen oder Paketshops umzuleiten, sei grundsätzlich über Bord zu werfen, fordert Albert Mumme.

Diese „Umleitung“ ist laut Wirtschafts-Staatsekretär Graichen in der Woche vor Weihnachten noch an 81 von bundesweit 2900 Standorten erfolgt. Unter anderem auch in der Wesermarsch. Graichen beruft sich in diesem Zusammenhang auf Angaben der Deutschen Post.

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