Rathaus Regina Neuke sagt Tschüss

Nach 32 Jahren und acht Monaten verlässt Bürgermeisterin Regina Neuke das Rathaus in Lemwerder. Der Wesermarsch bleibt sie allerdings erhalten.
27.03.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Georg Jauken

Lemwerder. Die Ergänzungssatzung über das Baugebiet Am Hohen Groden wurde beschlossen, die Gleichstellungsbeauftragte auf eigenen Wunsch abberufen: Es gab auch andere Themen, doch im Mittelpunkt der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend in Lemwerder stand der Abschied von Regina Neuke. Nach acht Jahren als Bürgermeisterin scheidet sie zum Monatsende aus dem Amt. Ihre Nachfolge übernimmt zum 1. April die parteilose Christina Winkelmann.

Insgesamt stand Regina Neuke 32 Jahre und acht Monate in Diensten der Gemeinde. Begonnen hatte sie dort am 1. August 1988 mit einer Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. „Vom Azubi zum Chef in einem Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, das passiert nicht oft“, zollte der Ratsvorsitzende Ewald Helmerichs (SPD) der scheidenden Bürgermeisterin Respekt für ihren Werdegang. Bevor sie 2013 mit großer Mehrheit zur Bürgermeisterin gewählt wurde, hatte sie als Kämmerin bereits 17 Jahre lang die Finanzen der Gemeinde verantwortet.

„Du kannst mit Freude und Stolz auf deine Arbeit zurückblicken“, befand die stellvertretende Bürgermeisterin Tanja Sudbrink (CDU). Ihr Parteikollege Wolf Rosenhagen erinnerte an den Schwelbrand in der Sporthalle Ende 2013, die abgebrannte Kindertagesstätte wenige Monate später und zuletzt die Corona-Krise. Die Bürgermeisterin habe die Herausforderungen stets angenommen und sei sie beherzt angegangen, meinte Rosenhagen und lobte mit Hinweis auf die Ausweitung neuer Wohn- und Gewerbeflächen sowie die Sanierung der Eschhofsiedlung, dass darüber hinaus viele weitere Dinge gelungen seien.

„Ich hatte gedacht, es gibt viele Konflikte, aber es lief super“, meinte der SPD-Vorsitzende Günter Naujoks. Er bedankte sich bei Neuke für ihr Engagement, ihre Verlässlichkeit und ihr Vertrauen. Harald Schöne, bei der Bürgermeisterwahl 2013 unterlegener FDP-Kandidat, gestand ein, dass Neuke in diesem Jahr wohl wiedergewählt worden wäre, hätte sie erneut kandidiert. Er sprach auch von über 100 Anträgen, die seine FDP in den acht Jahren ihrer Amtszeit gestellt habe, und lobte die trotz der vielfach unterschiedlichen Meinungen konstruktiven Auseinandersetzungen. Brigitta Rosenow von den Grünen, die Neuke damals unterstützt hatte, fand ebenfalls viel Lob für die scheidende Bürgermeisterin. So würdigte sie Neukes gutes Management der Corona-Krise vor Ort, die Einführung neuer Bürgerbeteiligungsformen und das faire Miteinander. „Als Einzelabgeordnete musste ich mich nie benachteiligt fühlen.“

Deutlich distanzierter fiel der Redebeitrag von Sven Schröder zum Abschied der Bürgermeisterin aus. Schröder ist der Fraktionsvorsitzende der UWL, die aus einer Bürgerinitiative gegen die Ortsumgehungsstraße „Osttangente“ hervorgegangen ist. Wegen der ihrer Meinung nach für die Bürger vielfach nicht nachvollziehbaren Entscheidungen versteht sich die UWL seitdem als Opposition zu den „verkrusteten“ Strukturen in der Lemwerderaner Politik.

Ganz anders hat die Nummer zwei im Rathaus, Jutta Zander, die Bürgermeisterin erlebt. Neuke habe stets pragmatische Lösungen gesucht, erinnerte Zander an jenen Tag im Mai 2014, als sie mit ihrer Chefin vor der abgebrannten Kita stand. Im Jahr 2015 habe sich Neuke als Vorreiterin im Umgang mit der großen Anzahl neuer Flüchtlinge erwiesen, ebenso als sie sich jüngst für ein Corona-Impfwochenende in der Gemeinde einsetzte. „Ich weiß schon wie, war ihr Standardsatz“, sagte Zander über Regina Neuke. „Wir verabschieden eine tolle Bürgermeisterin und eine tolle Chefin.“

Die scheidende Bürgermeisterin selbst erinnerte in ihrer kurzen Abschiedsrede an die durchweg gute Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Akteuren in Politik und Gesellschaft. Bei den andern, die gerne böse Absichten unterstellt und die eigenen Interessen als Maß der Dinge angesehen hätten, bedankte sie sich dafür, dass sie an ihnen wachsen konnte. Dem Lob für die während ihrer Amtszeit in Lemwerder erprobten Formen der Bürgerbeteiligung zum Trotz bekannte sich die Bürgermeisterin bei ihrem Abschied zur mittelbaren Demokratie, so wie sie von den herkömmlichen Parteien getragen werde.

Für das Gemeinwohl engagieren will sich die bislang parteilose Regina Neuke auch nach ihrer Zeit als Bürgermeisterin in ihrer neuen Rolle als Geschäftsführerin der Wohnungsbau Wesermarsch und darüber hinaus. Am Ende ihrer kurzen Rede kündigte sie an, ihre Neutralität nunmehr aufzugeben und in die SPD einzutreten.

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Namensgebung verschoben

Mittelkämpe, Untere Mittelkämpe, Obere Mittelkämpe: Sah es vor einer Woche im Finanz- und Planungsausschuss noch so aus, als würden die Straßen im neuen Gewerbegebiet Edenbüttel II nach der historischen Bezeichnung der Acker- und Weidefläche benannt, auf der sie entsteht, sieht der Gemeinderat weiteren Beratungsbedarf. Noch bevor die Diskussion am Donnerstagabend beginnen konnte, wurde das Thema von der Tagesordnung der Ratssitzung genommen.

Der Grund: Der Inhaber des Metall- und Maschinenbaubetriebs EcMaTec, das in das neue Gewerbegebiet expandieren möchte, hatte sich zusammen mit anderen Unternehmern in einem Schreiben an die Ratsmitglieder gegen die Namensgebung ausgesprochen. Sie plädieren für gängigere und besser unterscheidbare Straßennamen, die auch den überregionalen und internationalen Lieferanten und Kunden entgegen kommen. Besser unterscheidbare Straßennamen sollen außerdem dazu beitragen, langes Suchen der Rettungskräfte zu vermeiden, falls es in einem der Betriebe zu einem Unfall kommt und es auf jede Minute ankommt, wie der Sohn des Firmeninhabers, Ratsherr Miles Eckert, auf Nachfrage erläuterte.

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