Bürgermeister Hans-Joachim Beckmann Mit der Nähe zur Wirtschaft kein Problem

Eine Würdigung wird Hans-Joachim Beckmann für seine Verdienste um Lemwerder noch erfahren. Die Aussage, dass er im kommenden Jahr als Bürgermeister aufhören möchte, ist schon jetzt einen Rückblick Wert.
23.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Georg Jauken

Eine Würdigung wird Hans-Joachim Beckmann für seine jahrzehntelangen Verdienste um Lemwerder in der nächsten Zeit noch von vielen Seiten erfahren. Seine überraschende Aussage in der vergangenen Woche, dass er im kommenden Jahr als Bürgermeister aufhören möchte, ist aber jetzt schon einen Rückblick auf seinen Werdegang Wert.

Lemwerder. Im Gegensatz zu sonstigen Gepflogenheiten hat die CDU Lemwerder bei der Wahl 2006 auf einen eigenen Bürgermeisterkandidaten sowie eine Wahlempfehlung verzichtet. Zu deutlich war CDU-Kandidat Markus Roters fünf Jahre zuvor mit gerade mal 5,9 Prozent der übermächtigen Konkurrenz unterlegen. Hans-Joachim Beckmann holte 55,6 Prozent der Stimmen, Harald Schöne (FDP) kam auf 23,1 Prozent, Jürgen Peters als unabhängiger Kandidat landete bei immerhin 15,4 Prozent. 2006 trat nur noch Schöne ein weiteres Mal gegen Beckmann an. 32,52 Prozent lautete das achtbare Ergebnis für den Mann von der FDP. Er blieb weit abgeschlagen. Beckmann indes fuhr mit 67,47 Prozent den Sieg ein.

Mit 14 Jahren in die Lehre

Zwei von drei Stimmen – wie macht er das? Mit harter Arbeit, würde Beckmann vermutlich antworten. Kaum 14 Jahre alt war der am 12. Januar 1946 in Rodenkirchen geborene Beckmann, als er nach dem Besuch der Volksschule eine Lehre zum Metallflugzeugbauer bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken (Weser-Flug) begann, wo er auch nach seiner Ausbildung blieb. Später war er vier Jahre bei der Bundesluftwaffe und absolvierte danach ein Studium zum Maschinenbautechniker.

Nach dem Abschluss kehrte er als Konstrukteur zur Flugzeugschmiede in Lemwerder zurück. Er wurde in den Betriebsrat gewählt und gehörte ab 1978 dem Gesamtbetriebsrat der Deutschen Aerospace Airbus GmbH (später DASA, derzeit EADS) an. Seit 1973 gehört Beckmann der SPD an, ließ sich 1976 in den Gemeinderat wählen und fünf Jahre später in den Kreistag. 1984 übernahm er den Vorsitz im SPD-Unterbezirk Wesermarsch.

Die Kandidatur fürs Europaparlament sah er als Möglichkeit an, Erfahrungen zu sammeln und sich bekannt zu machen. Gewählt wurde er nicht, rückte 1988 dann aber doch ins Parlament in Straßburg nach, weil ein Abgeordneter seiner Partei verstarb. 51 Wochen dauerte das Gastspiel auf der internationaler Bühne, dann wählte Europa neu. Beckmann, längst verheiratet, Vater und in Lemwerder zuhause, kandidierte 1990 für den Landtag. Bis heute zählt er sich zu den Schrödianern, deren Namensgeber er nicht nur politisch unterstützte, sondern auch beim Umzug in eine Mietwohnung half. Das soll zu dem Zeitpunkt gewesen sein, als Genosse Gerd Ende der 90er Jahre im Begriff war, sich zugunsten der späteren Ehefrau Nummer vier (Doris) von Vorgängerin Hiltrud zu trennen.

Als Bürgermeister von Lemwerder – zuerst ab 1986 ehrenamtlich und ab 2001 als Hauptverwaltungsbeamter, weil der damals aussichtsreiche SPD-Kandidat Thomas Hanke kurz vor der Wahl unverhofft verstorben war – wusste er, die Kontakte nach Brake, Hannover und Bonn und später Berlin zu nutzen.

Ebenso legte Beckmann stets großen Wert auf eine gedeihliche Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsunternehmen vor Ort, von denen Lemwerder lebt. Beckmann weiß, dass es seiner Gemeinde auch dank Lürssen und A & R seit Ende der 50er Jahren stets ein wenig besser ging als vielen anderen Gemeinden.

Einen großen Kampf hat er verloren. Das Aus der traditionsreichen Flugzeugwerke konnte auch Hans-Joachim Beckmann nur aufhalten, aber nicht verhindern. Kurz vor ihrem 75-jährigen Bestehen machte EADS den zuletzt als ASL firmierenden Rest der Flugzeugwerke nach leidvoller Geschichte für tausende Mitarbeiter und ihre Familien für immer zu. Als es darum ging, die Infrastruktur des ASL-Geländes mit Millionen-Aufwand auszubauen, arbeitete er auch mit Björn Thümler, einem der Drahtzieher der CDU/FDP-Landesregierung, bestens zusammen, um das nötige Geld locker zu machen.

Goßes Ziel nicht erreicht

Trotz des Boom der Windenergie und des Rotorblattbauers SGL Rotec, der dort heute mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigt, wird Beckmann sein ganz großes Ziel, dass es auf dem Gelände einmal genauso viele Arbeitsplätze gibt wie zu besten DASA-Zeiten, in seiner Amtszeit wohl nicht mehr erreichen. Grämen muss er sich dennoch nicht.

Seit Jahren verzeichnet Lemwerder Gewerbesteuereinnahmen, die weit über den Ausgaben der Gemeinde liegen und von denen die Bürgermeister in der Nachbarschaft nur träumen können. Alte Schulden sind beglichen. Die Infrastruktur – Straßen, Schulen, Kinderbetreuung, Begu und Sportstätten – ist in einwandfreiem Zustand und braucht den Vergleich mit der weit größerer Städte nicht zu scheuen.

Dass es gelungen ist, ein Gymnasium in Lemwerder einzurichten, sieht Beckmann als einen seiner größten Erfolge an. Als die Christdemokraten bei der Bürgermeisterwahl 2006 keinen Gegenkandidaten aufgestellt haben, wussten sie genau warum. Am 20. Januar, wenn der Landtag neu gewählt wird, und wahrscheinlich auch ein Nachfolger für Beckmann ernannt wird, werden die Karten neu gemischt.

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