Begu Lemwerder

Mit Werner Momsen ins neue Jahr

Eine neue Aufmachung, die mehr Übersichtlichkeit verspricht: im neu gestalteten Programm der Begegnungsstätte Lemwerder ist bis März wieder viel Abwechslung zu erwarten.
05.01.2019, 10:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Georg Jauken

Eine neue Aufmachung, die mehr Übersichtlichkeit verspricht, so liegt das neue Programm der Begegnungsstätte (Begu) für Januar bis März 2019 rechtzeitig zum Jahresbeginn vor. Inhaltlich bietet das Programm weiterhin Gastspiele von Künstlerinnen und Künstlern, die etwas zu sagen haben und das Publikum dabei bestens unterhalten wollen. Los geht es am Sonnabend, 12. Januar, mit der norddeutschen Schnodderschnauze Werner Momsen. Wer ihm zuhört, hat schnell vergessen, dass er eine Puppe ist und nichts sagt, was Klappmaulkomiker Detlef Wutschik ihm nicht in den Mund legt. Die Gestik, Mimik und sonstigen körperlichen Äußerungen Wutschiks bleiben hinter der Puppe und einer schwarzen Maske verborgen. Im Vordergrund geht Werner Momsen der Frage auf den Grund, warum sich so viele Menschen so schwer tun mit dem Leben.

Der Mensch sollte eigentlich überschäumen vor Glück, schäumt aber lieber vor Wut, so der Grundgedanke des Programms, mit dem Werner Momsen für zwei Vorstellungen (16 und ab 20 Uhr) nach Lemwerder kommt. Darin fragt Momsen, was glücklich macht und ob der Mensch von heute das Glück womöglich nur noch aus den Keksen im China-Restaurant kennt. Im Dezember 2017 hatte Werner Momsen das Publikum in Lemwerder mit seiner Weihnachtsshow begeistert. Wer dabei war, wird sich „Schaum vorm Mund“ nicht entgehen lassen wollen und vielleicht sogar lachen vor Glück.

Ein Haus für alle Generationen

Glücklich über sein schönes Leben am Nordpol ist auch der kleine Eisbär Lars. Aber irgendwas ist ja immer. In diesem Fall ist es die Angst vorm Wasser. Als Lars beim Spielen hinein fällt und fast ertrinkt, rettet ihm die Robbe Robby das Leben und die beiden werden beste Freunde. Zu sehen ist der Trickfilm „Der kleine Eisbär“ beim Begu-Kino-Tag am Donnerstag, 17. Januar, ab 16 Uhr. In der Abendvorstellung folgt der Hollywood-Streifen „Abgang mit Stil“ über die Rentner Willie, Joe und Al. Als ihre alte Firma ihnen die Rente nicht mehr zahlen kann, überfallen sie eine Bank, um sich anderweitig einen Ausgleich für die verlorene Pension zu beschaffen.

Technik, Familienangelegenheiten und die liebe Not mit den verschiedenen Kulturen haben es Eva Eiselt angetan. Die Kabarettistin mit Kölner Zungenschlag versteht es, schrulliges Typenkabarett als Gesellschaftssatire auf die Bühne zu bringen. In ihrem Programm „Vielleicht wird alles vielleichter“ am Freitag, 25. Januar, schlüpft Eva Eiselt mit viel Energie von einer Rolle in die nächste. Als hungriges Partygirl lästert sie über das Essen als „Sex des Alters“, in anderen Rollen führt sie das Publikum mit ihren Abhandlungen zur Frauenquote, zur globalisierten Textilindustrie in Billiglohnländern oder auch zum modernen „Kaputt-Design“ von Jeans und Botox an die Abgründe menschlicher Existenz.

Die Begu versteht sich als Haus für alle Generationen. Auch wenn der Schwerpunkt nach dem Wechsel in der Geschäftsführung im Sommer 2018 weiterhin auf Kabarett und Comedy liegt, sollen andere Richtungen aus Kultur und Soziales ebenso ihren festen Platz im Programm behalten. So richtet sich die Veranstaltung „Play nice“ am Sonntag, 3. Februar, 17 Uhr, an Zuschauer aller Generationen mit Interesse an Zirkus und Varieté. In „Play nice“ erzählen Roxana Küwen und Ariane Oechsner Geschichten aus dem Alltag, ohne dabei zu sprechen. Als Ausdrucksmittel setzen sie stattdessen die Möglichkeiten der Artistik ein, vor allem das Jonglieren mit den Füßen, wenn sie komplexe Spiele mit einfachen Regeln spielen und Phänomene wie Status und soziale Manipulation erforschen.

Ferdinand ist ein spanischer Kampfstier, der lieber den Duft der Blumen genießt als in der Arena gegen Toreros zu kämpfen. Als jedoch genau das von ihm verlangt wird, versucht er mithilfe seiner Freunde zu entkommen. Die ganze Geschichte erzählt der Trickfilm „Ferdinand geht stierisch ab!“ im Kinderkino am Donnerstag, 7. Februar, ab 16 Uhr. In der Abendvorstellung glänzt Meryl Streep als Florence Forster Jenkins. Der gleichnamige Film von Regisseur Stephen Frears erzählt die wahre Geschichte einer exzentrischen New Yorkerin aus gutem Hause. Geradezu zwanghaft verfolgt sie ihren Traum, eine umjubelte Opernsängerin zu werden. Das Problem: Was Florence in ihrem Kopf hört, ist wunderschön. Für alle anderen klingt es einfach nur grauenhaft. 1944 beschließt sie, ein öffentliches Konzert in der Carnegie Hall für die New Yorker High Society zu geben.

Von New York nach Hamburg. Dort lebt Hubertus Meyer-Burckhardt. Als Gastgeber der NDR-Talkshow in den 90er Jahren und erneut seit 2008 hat er unzählige prominente, aber auch weniger bekannte Menschen interviewt. Einmal im Monat lässt er in einer Gesprächsreihe im NDR-Hörfunk Frauen wie Helene Fischer, Erika Pluhar, Christine Westermann, Elke Heidenreich, Veronika Ferres oder die Hamburger Pastorin Ulrike Murmann zu Wort kommen. Seine Erkenntnis: Frauen brechen auf, wenn das Leben die Verabredung nicht einhält, Männer brechen ein. Wer mehr darüber erfahren möchte, was ältere Frauen älteren Männer voraus haben, hat am Donnerstag, 14. Februar, Gelegenheit dazu. Ab 19 Uhr stellt Meyer-Burckhardt sein Buch „Frauengeschichten – Was ich von starken Frauen gelernt habe“ vor. Nur eine halbe Stunde später beginnt ein Vortrag von Bernadette Pogoda über die europäische Auster. Einst bildete sie in der Nordsee ausgedehnte Riffe und eine komplexe Artengemeinschaft. Heute gilt sie dort als ausgestorben. In ihrem Vortrag erklärt die Wissenschaftlerin vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, wie gezielte Wiederansiedlungsmaßnahmen diese ökologisch bedeutsame Art zurückbringen sollen.

Am Sonnabend, 23. Februar, 19.30 Uhr, feiert die neue Produktion der plattdeutschen Theatergruppe De Brook- un Lechtersietspeelers Premiere: Im Stück „Dree niege Froons för Wotan“ wird der in Jahre gekommene Titelheld in die freie Seniorenwohnung einer von drei Frauen dominierten Hausgemeinschaft einquartiert. Für Wotan beginnt mit der Verbannung ein lustiger Rausch auf der Überholspur des Lebens. So hatte sich seine Frau Sylvia das nicht vorgestellt, als sie ihn verließ. Kurzerhand beschließt sie, sich ihren Mann zurückzuholen. Weitere Vorstellungen gibt es 24. Februar, 9., 10., 30. und 31. März.

Noch mehr plattdeutsche Kultur bietet das Plattart Festival in der gesamten Region, am Sonnabend, 23. März, auch in Lemwerder. Es geht um die Leiden der letzten Raucher. Autor Mark Kuntz hat sie alle durchlebt und einen launigen und humorvollen Abgesang auf die aussterbende Spezies verfasst. Mit Petra Bohlen von der Oldenburger August-Hinrichs-Bühne wird daraus beim Plattart Festival „De letzte Smökerin“. Zum Rauchen wird sie jedes Mal auf den Balkon geschickt, als sie bei Freunden zum Abendessen eingeladen ist. Auf dem Balkon ist sie auch, als die angeheiterte Nichtraucher-Runde in die nächste Kneipe weiterzieht. Ausgesperrt mit 28 Kippen und einer Kiste Bier hat sie viel Zeit, über ihr Leben im und mit dem blauen Dunst nachzudenken. Sie erinnert sich an ihren ersten von Rauch umwölkten Kuss, an halbherzige Versuche, den Glimmstengeln abzuschwören, an die Zeit, als Raucher noch überall willkommen waren und die geteilte Zigarette nach einer Liebesnacht noch als Urbild des Genusses galt. Es gibt halt Zigaretten, die es wert sind geraucht zu werden, wie es scheint.

Wer lieber ein „Kabarett im Dreierpack“ genießt, ist am Donnerstag, 14. März, in der Begu am richtigen Ort. Alexander Burkhard beschäftigt sich in seinem Programm „Man kennt das ja“ mit Themen wie Dating-Apps für Hunde, die Leistungsfähigkeit von Rentieren und schlägt sich mit einer hübschen Frau herum, die sich auf nichts einlassen mag, weil es zu verbindlich sein und sie so vieles anderes verpassen könnte.

Die deutsche Sprache geht den Bach runter und in einer epischen Sitzung beraten sich Epik, Lyrik und Konsorten wie man dagegen vorgehen kann: Sulaiman Masomi, Autor von „Ein Kanake sieht rot“, hat die Geschichte erdacht und zu Papier gebracht. In jeder Zeile wird deutlich, wie es der blitzgescheite Autor versteht, jeden noch so schrägen Gedanken konsequent zu Ende zu bringen. „Schaut mich an. Ich werde immer als Bedrohung wahrgenommen“, sagt der afghanisch-deutsche Autor, Rapper und Poetry-Slam-Interpret Sulaiman Masomi. „Aber eigentlich bin ich nur ein sensibler bescheidener Poet, gefangen im durchtrainierten Körper eines wunderschönen Kanaken.“

Drei Märkte im März

In der Begu sind Burkhard und Masomi zusammen mit der jungen Singer-Songwriterin Miss Allie zu Gast. Wenn sie nicht gerade ihren schönen Gärtner besingt („Ich steh vor dir und starre dich an, ich versteh nicht, wie man so viel Kraft haben kann. Deine Brüste sind größer als meine.“), geht es um ihren Liebhaber („Ich wünschte, ich wäre sein Computer, die fasst er jeden Tag an. Ich wäre so gern sein Sofa...“) oder verrät, was Frauen über Männer denken und Männer längst wüssten, wenn sie denn mal zuhören würden.

Bevor das März-Programm mit „Pettersson und Findus: Kleiner Quälgeist – große Freundschaft“ (16 Uhr) sowie „Dieses bescheuerte Herz“ beim Kinotag am Donnerstag, 28. März, endet, lädt die Begu zu drei Märkten ein. Am Sonntag, 3. März, öffnet um 10.05 Uhr der Kunsthandwerkermarkt für Liebhaber des ausgesuchten Kunsthandwerks mit Stil. Ausgefallene Schmuckstücke und originelles Design, Qualität und Individualität hatten bei der Auswahl der Aussteller wieder oberste Priorität, wie die Begu mitteilt.

Der erste Flohmarkt für Kinderbekleidung und Spielzeug bietet am Sonnabend, 16. März, 9 bis 13 Uhr, die Gelegenheit zum Kaufen und Verkaufen von Kleidung und Spielen, aus denen die Kinder herausgewachsen sind. Veranstaltet wird der Flohmarkt vom Förderverein „Deichkinners“, der sich die Förderung der Kinder in der Gemeinde Lemwerder im Krippen-, Kindergarten- und Grundschulalter zum Ziel gesetzt hat.

Beim Angelflohmarkt am Sonntag 17. März, 9 bis 12 Uhr, können Angelruten und Rollen, Schirme und Zelte, Haken, Köder, Schnüre, Kescher und Reusen angeboten, verkauft oder getauscht werden. Auch stilechte Bekleidung bis zum Boot und was noch zu einer Angel-Ausrüstung gehört, ist willkommen. Verkäufer sollten sich allerdings vorher in der Begu bei Günter Nowotny unter der Telefonnummer 04 21 / 6 88 61 15 anmelden.

Weitere Informationen

Soweit nicht anders angegeben, beginnen die Veranstaltungen um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es unter anderem unter www.begu-lemwerder.de und direkt in der Begu.

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