Umfrage zum Thema Geburt Hebammen und Kinderärzte fehlen

Erfahrungen rund um die Geburt – Mutter werden in der Wesermarsch. Zu diesem Themenkomplex hat das Krabbelgruppen-Info-Team in der Wesermarsch eine Online-Umfrage gestartet. Hier sind die Ergebnisse.
12.07.2022, 12:02
Lesedauer: 3 Min
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Hebammen und Kinderärzte fehlen
Von Barbara Wenke

Schwangere und junge Mütter in der Wesermarsch beklagen einen Mangel an Hebammen, Kinderärzten und Frauenärzten. Das hat die Umfrage „Erfahrungen rund um die Geburt – Mutter werden in der Wesermarsch“ ergeben. 146 von 316 Umfrageteilnehmerinnen hatten genannte Probleme erfahren. Zur Umfrage aufgerufen hatte das Krabbelgruppen-Info-Team (Kint).

Aus dem Süden des Kreises beteiligten sich nur wenige Frauen an der Umfrage. Bereits 2014 war es dem Team insbesondere in Lemwerder schwergefallen, Kontakt zu den werdenden und jungen Müttern aufzunehmen. Dabei hatte der Landkreis Wesermarsch das Projekt Kint in Kooperation mit der Kreisarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände in Berne und Elsfleth gestartet. Das Land Niedersachsen half im Rahmen der Richtlinie Familienförderung bei der Finanzierung.

Waltraud Ralle-Klein und die Kinderkrankenschwester Silke Dammann besuchten privat organisierte Eltern-Kind-Gruppen. In Räumen von Kirchengemeinden oder kommunalen Einrichtungen ebenso wie im privaten Umfeld. Aus der südlichsten Wesermarschgemeinde gingen keine Anfragen ein. So änderten Ralle-Klein und Dammann-Nachfolgerin Petra Weber das Konzept. Statt in bestehende Gruppen zu gehen, boten sie Termine für offene Treffen an und stießen mit dem Angebot auf großes Interesse. Aufgrund der Corona-Pandemie schlief das Angebot wieder ein.

Silke Dammann, die mittlerweile Leiterin des Familien- und Kinderservicebüros und stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte in Lemwerder ist, rief schließlich ein Kombi-Angebot aus Müttertreff und Krabbelgruppe ins Leben. Jeweils dienstags von 9.30 bis 10.30 Uhr treffen sich junge Mütter in Lemwerder im evangelischen Gemeindehaus, Schulstraße 5, zum Erfahrungsaustausch. Anmeldung und Informationen sind bei Silke Dammann im Rathaus, unter der Telefonnummer 04 21 / 67 39 50 oder per Mail an damman@lemwerder.de möglich.

In den nördlicheren Gefilden der Wesermarsch bietet der Landkreis das sogenannte „Café Kint“, ein offenes, unverbindliches und kostenloses Treffen, an, bei dem Schwangere und Eltern mit Kindern bis zu drei Jahre unkompliziert Kontakt knüpfen und sich austauschen können. Kint gliedert sich in die Teams Nord und Süd. Sie bestehen jeweils aus einer pädagogischen und einer medizinischen Fachkraft.

Die Kint-Umfrage, die online stattgefunden hatte, wendete sich mit 43 Fragen an die Frauen. Verena Rocker und Jutta Wetjen, die die Umfrage mit initiiert hatten, verweisen darauf, dass die Ergebnisse nur eine Stichprobe sein könnten, da beispielsweise eine Übersetzung in andere Sprachen nicht möglich war. Von den 316 Teilnehmerinnen hat mehr als jede zehnte Frau über tiefgreifende negative Erfahrungen während der Geburt gesprochen. Aufgefallen ist in der Wochenbettzeit ein deutlicher Zusammenhang zu gehäuften Beschwerden wie Ängsten, Depressionen oder Schwierigkeiten im Bonding, der intensiven Bindung zwischen einem Baby und seinen Eltern. Kein Zusammenhang sei hingegen zwischen Entbindungsort (bestimmten Krankenhäusern) und negativen Erfahrungen erkennbar gewesen, betont Jutta Wetjen.

Aufmerksam möchte das Team auf 18,5 Prozent der Frauen machen, die trotz Bedarf nach der Geburt keine Hebamme zu Hause hatten. „Vermutlich liegt die Dunkelziffer deutlich höher“, sagt Jutta Wetjen, da weniger vernetzte Frauen vermutlich nicht erreicht wurden. Mit den Ergebnissen der Befragungen will Kint auf die Situation von schwangeren Frauen und jungen Familien in der Wesermarsch aufmerksam machen. Das Team hofft, politisch und fachlich die Diskussion zu versachlichen und zu bereichern, um im Sinne der Frauen in der Wesermarsch etwas zu bewegen.

Zur Sache

Das Süd-Team

Das KINT-Süd-Team ist zu erreichen über die Telefonnummern 01 76 / 47 32 68 37 (Jutta Wetjen) und 0 44 04 /5 04 41 (Waltraud Ralle-Klein, dienstags von 14.30 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 8 bis 12.30 Uhr). Die E-Mail-Adressen lauten wetjen@caritas-wesermarsch.de oder fuks.elsfleth@sozialwerk-wesermarsch.de. Die nächsten Treffen finden am 26. Juli und am 23. August von 9 bis 11 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Nikolei-Platz 3, in Elsfleth statt. Eine vorherige Anmeldung ist auf Grund der Corona Auflagen notwendig.

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