Ollen-Brücke in Bardewisch Geländer aus Lärchenholz

Seit dem Mittelalter spannt sich in Bardewisch ein Brücke über die Ollen. Da die alte in die Jahre gekommen war, ist jetzt eine neue Konstruktion aus Stahl, Holz und Kunststoff errichtet worden.
20.05.2021, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Barbara Wenke

Bardewisch. "So", sagt Diedrich Lücken, "das ist also das neue Stück." Interessiert betrachtet der Senior die vor ihm auf einem Schwerlaster liegenden Stahl-Holz-Konstruktionen. Drei Stücke. 1,1 bis 5,5 Tonnen schwer. "Hoffentlich passt das alles. Nicht das die Brücke nachher zu kurz ist." Der Senior grinst.

Während Lücken gespannt wartet, beginnen Bauleiter Timo Bremmer und sein Team die neue Bardewischer Fußgängerbrücke zusammenzusetzen. Ein Teil des Geländers hatten die Mitarbeiter der Firma Holzbau Busmann vor dem 180 Kilometer langen Transport aus dem emsländischen Schüttorf in die südliche Wesermarsch abmontiert. Ansonsten hätten die drei Brückenteile nicht gemeinsam auf den Auflieger gepasst.

Jetzt verbinden sie das aus wasserbeständigem Lärchenholz gefertigte Geländer wieder mit der Unterkonstruktion aus Stahl. Das Wetter ist ideal für die Montage. Die Sonne scheint und die Temperaturen befinden sich bereits am Morgen im zweistelligen Bereich. "Wir hätten die Brücke auch im strömenden Regen aufgebaut", versichert Bremmer. "Aber so ist's natürlich schöner."

Alexander Loo befestigt die Schäkel des Krans an massiven Gurten, die das Mittelstück der Brücke über die Ollen hieven sollen. Damit die Brücke verschweißt werden kann, flext Mario Höffmann die Verzinkung vom oberen Rand der Gründungspfähle. Dann gibt Niklas Wendelken das Signal und Dustin Dettmer setzt den Kran in Gang. Dettmer muss sich an diesem Morgen blind auf seinen Kollegen verlassen können. Eine Baumreihe verwehrt ihm die Sicht auf die Baustelle.

Aus der Ortschaft Bardewisch sind derweil weitere Schaulustige zur Baustelle gepilgert. Mit Fotoapparaten halten sie die einzelnen Arbeitsschritte fest. Die Querung der Ollen in Höhe des Sportplatzes gilt als historisch. Die erste Brücke soll hier bereits im Mittelalter angelegt worden sein. "Diese Brücke ist die letzte historische Ollenquerung zwischen Berne und Sannau", weiß der Krögerdorfer Wolf Rosenhagen, der sich mittlerweile zu Diedrich Lücken gesellt hat.

Nach rund einer Stunde liegt das Mittelteil an seiner Position. Pascal Lohoff spannt eine Schnur von einem Ufer zum anderen, um ein Richtmaß zu haben. Fünf Millimeter müssen die Brückenbauer die Stahlkonstruktion noch schieben, damit sie in die richtige Achse kommt. Dann können sie sie fest mit den Pfählen verschweißen. Bei der kleinsten Ungenauigkeit würden die Anschlüsse nicht mehr passen.

Es folgt das 2,58 Meter lange nördliche Seitenteil. Erneut ist Millimeterarbeit gefragt, denn sowohl die Stahlkonstruktion als auch das Holzgeländer müssen wie Nut und Feder zusammengeführt werden. Doch es klemmt. Um den Stahlträger des Seitenteils unter das Mittelstück zu schieben, steht ein Element des Geländers im Weg. Für die Fachleute kein Grund zur Panik. Pascal Lohoff löst einige Schrauben, trennt ein Element heraus und der Zusammenbau kann weitergehen.

Noch vor dem Mittag spannt sich die Brücke in einem Stück über die hier rund elf Meter breite Ollen. Mittlerweile haben die Brückenbauer ihre langärmligen Oberteile abgelegt und arbeiten bei schönstem Sonnenschein im T-Shirt weiter. Zu verlegen sind noch die aus glasfaserverstärktem, rutschfesten Kunststoff bestehenden Bohlen der Seitenelemente. Am frühen Abend ist die neue Brücke fertig. "Ich habe die alte Brücke bei meinen Radtouren schon viel benutzt und werde die neue Brücke auch benutzen", blickt Diedrich Lücken voraus.

Notfalls könne er die auf zwei Meter ausgeweitete Querung wohl auch mit seinem kleinen Trecker nutzen, scherzt der Nebenerwerbslandwirt. Doch die Brückenbauer verneinen. Die Konstruktion könne zwar Lasten bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen ertragen. "Aber der Belag hält das nicht aus", betont Pascal Lohoff. Poller sollen künftig dafür sorgen, dass die Nutzer sich an die Vorgaben halten. Rund 117.000 Euro lässt sich die Gemeinde die neue Brücke kosten. 

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