Umbau Raiffeisen-Markt in Altenesch Moderne Form einer alten Idee

2018 übernahm Michael Kranz den Raiffeisen-Markt in Altenesch, den seit Vater 43 Jahre geleitet hatte. Seitdem hat sich durch Umbau viel verändert. Es gibt ein neues Angebot und mehr Personal.
03.04.2022, 10:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Georg Jauken/gj

Er steht für die moderne Form einer alten Idee. Der Raiffeisen-Markt in Altenesch trägt bis heute den Namen des Mannes, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Idee des ländlichen Genossenschaftswesens begründete. Ging es Friedrich Wilhelm Raiffeisen allerdings zunächst darum, die unter Missernten und Wucherzinsen leidenden Bauern zu unterstützen, indem die Mitglieder in einem Verein Geld ansparen oder aber zum Ankauf von Vieh und Gerät günstig leihen konnten, entstanden aus seinem Engagement heraus später die Raiffeisen-Warengenossenschaften. Die waren zuständig für den Einkauf von preisgünstigem Saatgut, Dünger und Futtermitteln sowie zum Vertrieb der Ernte. Aus ihnen gingen schließlich die Raiffeisen-Märkte hervor.

Eher Baumarktatmosphäre

Beim Betreten des Geschäfts in Altenesch ist von dieser Geschichte nichts zu sehen. Das Sortiment in dem modern eingerichteten Laden erinnert eher an einen Baumarkt als an den klassischen Landhandel, in dem sich Futtermittelsäcke stapeln. Wer heute im Raiffeisen-Markt Tierfutter kauft, hat in der Regel eher Katze, Hund, Pferd oder Hamster zu versorgen als Kühe und Schweine.

Sebastian Friedrich von der Agravis Raiffeisen AG, dem Großhandels- und Dienstleistungspartner der Genossenschaften vor Ort, spricht deshalb auch von einem „Endverbrauchersortiment“. Zu den klassischen Artikeln für Haus und Garten (Blumenerde und Rindenmulch, Sämereien, Gartengeräte, Zäune, Pflastersteine sowie Rohre für die Haus- und Hofentwässerung) kommt ein großes Angebot für Heimwerker, Reit- und Angelsport. Die passende Arbeitskleidung für Hobbygärtner, Heimwerker und Landwirte ist ebenso im Sortiment wie das passende Spielzeug für den Nachwuchs.

Mehr als 100 Jahre Geschichte

Wie sehr sich die Raiffeisengenossenschaft in Altenesch in ihrer mehr als 100 Jahre langen Geschichte verändert hat, lassen derweil einige Bilder im Büro des 35-jährigen Marktleiters Michael Kranz erahnen. Eins der Fotos, eine Luftaufnahme, dürfte etwa 20 bis 40 Jahre alt sein. Zu sehen sind ein langer Lagerschuppen an der alten Bahnlinie nach Delmenhorst und ein altes Wohnhaus, in dem der Landhandel damals betrieben wurde.

Ein anderes Bild zeigt das alte Betriebsgelände, und zwar so, wie es bis vor zwei Jahren aussah. Das Wohnhaus ist der Halle für den Raiffeisen-Markt gewichen, den Lagerschuppen gibt es ebenfalls nicht mehr. Ein weiteres Gebäude, das auf dem Foto noch zu sehen ist, musste inzwischen ebenfalls weichen. Die Genossenschaft brauchte den Platz. Der bis dahin 300 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassende Raiffeisen-Markt wurde in den Jahren 2020 und 2021 auf 1000 Quadratmeter erweitert. Daneben befinden sich die Anlieferung, das Lager und viele weitere Verkaufsartikel unter freiem Himmel.

Die zusätzliche Fläche im vergrößerten Markt nutzte Michael Kranz dafür, das Sortiment auszubauen. Hinzugekommen sind die Angelsportabteilung, Tierfutter aus der Tiefkühltruhe sowie die Aktionsfläche, auf der auch schon mal ein Gartengrill der größeren Sorte vorgeführt werden kann. Auch die diversen Geräte zur Garten- und Landschaftspflege eines für seine Motorsägen bekannten süddeutschen Herstellers werden seit dem Umbau im Altenescher Raiffeisen-Markt großzügig präsentiert.

Das übrige Sortiment wurde ebenfalls kräftig erweitert und das Personal aufgestockt. Agravis-Mann Sebastian Friedrich zeigt sich denn auch zufrieden mit der Entwicklung seit der Neueröffnung vor einem Jahr. „Der Markt wird super angenommen. Die Umsatzentwicklung ist toll.“

Erweiterung, steigende Umsätze, mehr Personal: Neben alledem gefällt Michael Kranz besonders der familiäre Charakter des Unternehmens. Schon sein Vater Kurt Kranz hatte den Markt 43 Jahre lang geleitet, bevor Sohn Michael 2018 übernahm. Mit vielen Kunden ist er per Du, manche kennt er seit Jahren. Denn zunächst hatte Michael Kranz bis 2007 eine Lehre im Raiffeisen-Markt Altenesch gemacht. Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr kehrte er dorthin zurück.

Feier am 8. und 9. April

Damals gehörte die Raiffeisengenossenschaft noch zur RWG Hunte-Geestrand e.G., die zum 1. Januar 2011 mit der RWG Oldenburg-Land e.G. (Ganderkesee, Brettorf, Wildeshausen) zur Raiffeisen-Warengenossenschaft Hunte-Weser e.G. verschmolz. Die Zentrale befindet sich in Ganderkesee, das Technik-Zentrum in Neuenkoop. Dort hat die Genossenschaft den Verkauf der großen Landmaschinen sowie der Forst- und Gartentechnik, Melk- und Wassertechnik konzentriert.

Der familiäre Draht zwischen Mitgliedern, Mitarbeitern und Kunden der Raiffeisengenossenschaft soll übrigens auch am 8. und 9. April erlebbar werden, wenn sich ein Jahr nach der Neueröffnung Landfrauen, Landjugend und die Schlachterei aus dem Ort mit verschiedenen Aktionen an der geplanten großen „Geburtstagsfeier“ beteiligen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+