Alter Bahndamm Lemwerder Schiff mit Wal im Schlepptau

Auf dem ehemaligen Bahndamm in Lemwerder entsteht ein Spielplatz mit vielfältigen Klettermöglichkeiten. In zehn Tagen sollen die massiven Geräte aus Naturmaterialien stehen.
09.09.2018, 18:30
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Schiff mit Wal im Schlepptau
Von Barbara Wenke

Lemwerder. Fünf Jahre haben die Vorarbeiten gedauert. Doch jetzt soll alles ganz schnell gehen: Noch vor den Herbstferien möchte die Gemeindeverwaltung den neuen Spielplatz auf dem ehemaligen Bahndamm einweihen. Mitte der vergangenen Woche haben zwei Firmen damit begonnen, die aus viel Holz bestehenden Geräte aufzustellen und den Untergrund herzurichten.

Mathis Josefus steht bis zu den Knien in einer Grube. Vorsichtig schippt er Sand beiseite. Vorsichtig, damit er nicht die kürzlich verlegte Drainage beschädigt. „Zuerst war vorgesehen, dass der Galabauer den Platz herrichtet, ehe wir die Geräte aufstellen“, erzählt Vorarbeiter Kai Ziebell, „aber das wäre unlogisch gewesen, denn dann hätten wir viele Arbeitsschritte doppelt machen müssen“.

So arbeiten die Landschaftsgärtner und die Zimmerer nebeneinander her. Während Niels Muskulus und Dennis Abbenseth die Tragschicht für die Wege vorbereiten, stellen Ziebell und seine drei Mitarbeiter die Stützpfosten für die Balancieranlage auf. Die müssen noch vor dem Frühstück stehen, denn nach der Pause kommt der Betonmischer und bringt die Mischung, die die Pfähle letztlich in Position halten werden. Für die ersten Stunden haben Latten die Funktion übernommen.

Am Freitagmorgen ähneln die in den Himmel ragenden Pfosten einem Skelett. Doch schon an diesem Montag soll deutlich zu erkennen sein, wofür sie wirklich dienen. „Am Montag wird die Balancieranlage fertig“, blickt Ziebell am Freitag voraus. Sobald die Stützen sicher stehen und die Seile samt festen sowie beweglichen Rundhölzern angebracht sind, können die Landschaftsgärtner den Fallschutzsand unter dem Gerüst verteilen. Knapp kniehoch werden sich die Rundhölzer und Seile über dem Boden befinden.

Sobald die Landschaftsgärtner den riesigen Haufen Fallschutzsand unter dem Balanciergerüst verarbeitet haben, können die Zimmerleute daran gehen, das Schiff mit dem angehängten Wal aufzubauen. Ziebell wird an diesem Montag mit noch mehr Fachkräften nach Lemwerder kommen, denn der Aufbau muss schnell vonstattengehen. Abnahmetermin ist am Donnerstag, 20. September.

Für den Vorarbeiter ist das Projekt auf dem ehemaligen Bahndamm ein besonderes. „Es ist ungewöhnlich, dass wir das Spielgerät komplett vor Ort zusammenbauen. Die meisten Anlagen werden bei uns im Betrieb in der Halle vorgefertigt und dann mit dem Lkw zur Baustelle geschafft.“

Gerade haben Mathis Josefus, Philipp Drechsel und Christian Schwenen eine weitere Stütze zusammengeschraubt, schon befördert Ziebell die schweren, langen Robinien-Stämme zu dem Loch, das Josefus gegraben hat. 3,70 Meter sollen sie nach Plan von den nächsten Stützen entfernt stehen. Jetzt ist Handarbeit angesagt, denn der Abstand ist zu gering. Drechsel hat mit dem Zollstock ausgemacht, dass zehn Zentimeter fehlen. Die Männer rücken die Stämme so lange hin und her, bis die Vorgaben erfüllt sind.

Derweil legen die Landschaftsgärtner die Wege und Plätze an. Zwei Rondells werden gepflastert und mit Fahrradständern versehen. Die Wege dazwischen entstehen mit einer sogenannten wassergebundenen Wegedecke. „Die sind wasserdurchlässig, damit man den Boden nicht weiter versiegelt“, erläutert Landschaftsgärtner Abbenseth die Vorzüge dieses speziellen Aufbaus. Kollege Muskulus hebt einen weiteren Vorteil der Konstruktion hervor: „Diese Wege kann man auch problemlos mit Kinderwagen und Rollstuhl benutzen.“

Stefan Raupach, der zuständige Mitarbeiter im Lemwerderaner Bauamt, ist begeistert von den Planungen. „Hier können die Kinder zu Walfängern werden. Das greift die Geschichte Lemwerders auf.“ Passend zur Tradition der Unterweser-Kommunen wird im Mittelpunkt der Anlage der Bug eines Walfangschiffes stehen. In seinem Inneren laden Leitern zum Klettern auf verschieden hohen Zwischendecks ein.

Am östlichen Ende des Kletterparks soll zudem ein Klettergerüst aus dicken Seilen in Form einer Walflosse in die Höhe ragen. Davor befindet sich ein Klettergerüst, das dem Kopf eines Wals nachempfunden ist. Zwischen dem Schiff und dem Maul des Wals wird ein rund 30 Meter langes Seil verlaufen, an dem eine Seilbahn hängt.

Die Planungen für den aus vielen Naturmaterialien bestehenden Spielplatz gehen auf eine Zeit zurück, in der Raupach noch nicht in der Gemeinde tätig war. Im Rahmen einer Planungswerkstatt hatte Anwohner Arne Lorenz vor gut fünf Jahren das Geräteensemble entworfen. In der Ausschreibung für die Kletter- und Balanciergeräte machte die Gemeinde dann genaue Vorgaben zu den Modellen und Holzstärken. Ein Novum in Lemwerder, wie Bürgermeisterin Regina Neuke im Frühjahr feststellte.

Dass sich der Baubeginn dann noch einmal um ein paar Monate verzögerte, lag nicht an der Gemeinde oder den Firmen. Die Verwaltung musste eine Prüfung durch das Amt für regionale Landesentwicklung abwarten. Hätte sie zu früh mit dem Bau begonnen, hätte sie riskiert, einen Teil der beantragten Förderung in Höhe von 100 000 Euro zu verlieren. Der Gemeinderat hatte im Haushalt 150 000 Euro für den Spielplatz eingeplant.

Das Gesamtkonzept sieht eine Verbindung zwischen dem ehemaligen Bahndamm und den Freizeitanlagen an den Edenbütteler Teichen vor. Neben der Skateranlage mit BMX-Bahn will die Gemeinde weitere Bewegungsanreize sowie Erholungszonen für Passanten schaffen. „Eventuell wird der Bereich zu den Edenbütteler Teichen später auch noch mit einbezogen“, sagt Stefan Raupach.

Vorerst ist allerdings die rund 64 mal 17 Meter große Fläche an der Reihe. Geplant ist drei Bäume auf dem Gelände zu pflanzen – zwei Gemeine Hainbuchen sowie eine Sumpf-Eiche. Im Rahmen der jährlichen Pflanzaktionen sollen weitere Buchen und Eichen hinzukommen.

Um ein Gefühl von Geborgenheit zu erzeugen, werden die Landschaftsgärtner zur Seite des ehemaligen Flughafens einen Wall anlegen. Auf der gegenüberliegenden Seite wird zwischen den beiden Wegen eine grüne Insel entstehen. Das vorhandene Schilf soll sich ausbreiten. „Eigentlich hatte da noch eine Baumgruppe gestanden“, berichtet Raupach. „Die wollten wir erhalten. Aber die Bäume sind uns im vergangenen nassen Winter leider abgesoffen.“

Apropos nass: Während der Planungsphase war zunächst auch der Bau einer Matschspielecke im Gespräch. „Davon haben wir dem Rat aber abgeraten“, erzählt Bauamtsmitarbeiter Raupach. Das Wasser hätte Trinkwasserqualität haben müssen. Das ist eine sehr teure und aufwendige Sache.“

So entsteht in den kommenden zehn Tagen ein Spielplatz mit Klettergeräten, Sandspielbereich für die Kleinsten, einer Nestschaukel, einer Rutsche und Trampolinen. Für die älteren Begleiter der Kinder wird die Gemeinde Bänke zum Verweilen aufstellen.

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