Kinderbetreuung in Lemwerder Verwaltung empfiehlt Krippen-Neubau

Bürgermeisterin Regina Neuke spricht sich für einen Modulbau auf der Wiese gegenüber der Kindertagesstätte aus. Die Fraktionen wollen vor einer Entscheidung über die jüngste Wirtschaftlichkeitsprüfung beraten.
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Von Georg Jauken

Auf der Suche nach einem Weg zur Schaffung zusätzlicher Krippenplätze stehen die Zeichen in Lemwerder auf Neubau. Bürgermeisterin Regina Neuke empfiehlt der Politik, eine neue Kinderkrippe mit Platz für mehrere Gruppen als Modulbau auf der Wiese gegenüber der Kita an der Detmarstraße. Das entspreche dem Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, wie sie im Bau- und Straßenausschuss erläuterte.

Der neue Modulbau würde demnach nur 250 000 Euro mehr kosten als ein Umbau der ehemaligen Grundschule West zu einer Krippe mit vergleichbarem Standard, vergleichbaren Energieverbrauchswerten und wäre – im Hinblick auf den Brandschutz – ebenso sicher. Laut Neuke wäre der Modulbau damit die wirtschaftlich effizienteste Variante. Ein klassischer Massivbau würde dagegen 600 000 Euro mehr kosten.

Bei den Vorgaben an die mit dem Vergleich beauftragten Fachleute hat sich die Gemeinde den Angaben nach weit möglichst zurückgehalten. Viel mehr als die Ansage, was gebraucht wird und was verglichen werden soll, hat es demnach nicht gegeben. Wer die Wirtschaftlichkeit eines Umbaus der alten Schule mit zwei denkbaren Varianten eines Krippenneubaus (Modulbau oder klassischer Massivbau) untersucht hat, sagte die Bürgermeisterin nicht. Selbst nachlesen ist auch nicht möglich. Der Abschlussbericht soll Angaben enthalten, die nicht veröffentlicht werden dürfen und bleibt daher unter Verschluss.

An einzelnen Punkten wurde Neuke jedoch konkret. So soll der Aspekt, dass die ungenutzte und von viel Grün umgebene Schule in Ruhe umgebaut werden könnte, ohne den Betrieb der vorhandenen Einrichtungen in der Ortsmitte zu stören, ebenso in die Betrachtung mit eingeflossen sein wie der große Nachteil der Schule. Das ist der deutlich längere Weg zwischen dem Standort West und der Kindertagesstätte mit Hort und Hort-Küche in der Detmarstraße. Bei der für den Vergleich zugrunde gelegten Nutzungsdauer von 30 Jahren würden wohl etliche tausend Euro an Personal- und Fahrtkosten zusammen kommen, müsste das Mittagessen für die unter Dreijährigen Tag für Tag von der Hortküche nach West geliefert werden. Längere Wege hätten bei einem Krippenstandort West auch Eltern mit kleinen Kindern in der Krippe und älteren Geschwistern in der Kita oder Grundschule. Auch vom Aufwand für das pendelnde Personal war die Rede. Welche Kosten dafür veranschlagt und wie genau alle einzelnen Aspekte in der 60-seitigen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung gewichtet sind, wurde nicht gesagt.

Offen blieb auch, ob die Politik der Empfehlung der Bürgermeisterin folgt. Über den Beschlussvorschlag, die Verwaltung möge kurzfristig ein Planungsbüro für die Realisierung der Modulbau-Krippe auswählen, um die notwendige Ausschreibungen in den Wintermonaten vorzunehmen und möglichst bald mit dem Bau beginnen zu können, wurde gar nicht abgestimmt. Sven Schröder (UWG) ging das alles zu schnell. Er beantragte mehr Zeit, um das Thema zuerst in den Fraktionen zu beraten.

Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung war laut Neuke erst Anfang der Woche im Rathaus eingetroffen. Schröder erhielt es eigenen Angaben nach am Mittwoch und beklagte die kurze Zeit, um das 60-Seiten-Papier vor Beginn der Sitzung überhaupt zu lesen. Das Argument der Bürgermeisterin, eine endgültige Entscheidung sei noch gar nicht gefragt, lief ins Leere. Wie in Lemwerder üblich, werden Entscheidungen auch auf Antrag kleiner Fraktionen vertagt, wenn sie noch Beratungsbedarf haben.

SPD, CDU und FDP ließen nicht erkennen, ob sie für eine Modulbau-Krippe stimmen werden oder dagegen. Anders Brigitta Rosenow von Grünen. Sie glaubt, eine Modulbau-Krippe würde dazu beitragen, den Ortskern „immer hässlicher“ zu machen, und kündigte an, dagegen zu stimmen. Vorher möchte sie wissen, ob auch die mit einem Neubau verbundene zusätzliche Flächenversiegelung in die Betrachtung einbezogen wurde.

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