E-Sports-Gruppe des SV Lemwerder

Neue Abteilung dank Corona

Ein 14-jähriges Mitglied der E-Sports-Gruppe des SV Lemwerder soll bester Fifa-Ultimate-Team (FUT)-Fußballspieler der Welt sein. Als Name wurde Philip Jansen genannt...
03.01.2021, 13:41
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann

Die Nachricht sorgte zunächst für Gesprächsstoff: Ein 14-jähriges Mitglied der E-Sports-Gruppe des SV Lemwerder soll bester Fifa-Ultimate-Team (FUT)-Fußballspieler der Welt sein. Als Name wurde Philip Jansen genannt. Tatsächlich gibt es diesen Philip Jansen auch in der neu gegründeten Abteilung für den sportlichen Wettkampf mit Computerspielen. Dieser ist aber bereits zwölf Jahre älter und auch nur ein recht ordentlicher FUT-Spieler.

„Da ist etwas gehörig durcheinander gekommen“, erklärt Lemwerders Pressesprecher Andreas Jabs, der auch gleichzeitig als Spartenleiter der E-Sports-Gruppe fungiert. Der weltbeste Spieler sei zwar 14 Jahre alt und heiße auch Philip mit Vor-, aber eben nicht Jansen mit Nachnamen und ist auch kein Mitglied beim SV Lemwerder. Philip Jansen selbst fühlt sich geschmeichelt, kann aber eben nicht mit der Extra-Klasse in dem Spiel, das sowohl am PC als auch an der Konsole absolviert werden kann, dienen.

„Ich bin in diesem Spiel eher im Gold-Bereich unterwegs. Da kommen aber noch einige Klassen darüber. Nur durch Zufall habe ich mal Elite drei erreicht“, teilt der 26-Jährige mit. Er ist eines von einem halben Dutzend E-Sports-Mitgliedern beim SV Lemwerder. Ohne die Corona-Pandemie wäre es vermutlich gar nicht erst zur Gründung der Abteilung gekommen. Malte Seemann, Jan-Niklas Klautke und Fyn Luca Sitmann haben sich während des ersten Lockdowns im Frühjahr Gedanken über Alternativen gemacht, wie man sich trotz Kontakt-Sperre noch individuell sportlich betätigen könnte. Bis zur Gründung der Sparte dauerte es dann aber noch bis zum 11. September dieses Jahres.

Schnell gesellte sich auch noch Michel Adrian, später Philip Jansen, dazu. Andreas Jabs, der zusammen mit Angela Pieper und Rainer Kaspuhl den Vorstand des SV Lemwerder bildet, hat es auch schon ausprobiert. „Meine Klubkollegen haben mir einen Controller in die Hand gedrückt. So richtig ist der Funke bei mir aber noch nicht übergesprungen“, sagt der 63-Jährige. Er unterstütze die Gruppe aber sehr gerne.

Für den 7. November hatte der Klub sogar ein FUT-Turnier in der Ernst-Rodiek-Halle in Lemwerder für 30 Spieler geplant. „Die Anmeldungen hatten wir schon zusammen. Doch dann kam der zweite Lockdown“, berichtet Andreas Jabs. Die Eltern eines 13-Jährigen hätten auch schon ganz euphorisch auf die geplante Veranstaltung reagiert. Schließlich hätte ihr Filius sein in vielen Stunden erlerntes Können an der Spielkonsole endlich auch mal einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren können.

„Wir hätten sogar auf Preisgelder verzichtet, weil ansonsten keine Jugendlichen unter 16 Jahren hätten teilnehmen dürfen“, so Jabs. Das Turnier soll nun irgendwann im nächsten Jahr nachgeholt werden. Andreas Jabs ist bereits seit 40 Jahren Mitglied beim SV Lemwerder und hat hier unter anderem bereits Handball, Fußball und Tennis gespielt. Er war hier auch als Handball-Trainer im Einsatz. Mit der weiblichen C-Jugend wurde Jabs drei Mal in Folge Vizemeister in der höchsten Bremer Klasse. „Jedes Mal war ein Team besser“, bedauert der Frührentner.

Beim FUT-Fußball stellen sich die Akteure mit Geld ihre Teams zusammen (siehe auch Zur Sache). „Ich kenne Kollegen, die schon 1000 Euro oder mehr da reingesteckt haben“, betont Philip Jansen. Er selbst sei hingegen bisher mit etwa 80 Euro ausgekommen. Es gebe aber einen regen Handel mit Spielern im Internet. Die Fußballer in dem Spiel verfügen über unterschiedliche Stärken, die sich letztlich in einer Punktzahl ausdrücken, die stets aktualisiert wird.

„Wenn Robert Lewandowski also langsamer wird, dann verliert er Punkte“, so Jansen. Ihm ist es bereits gelungen, Robert Lewandowski ins Team zu holen. Das freut diesen nicht nur als Bayern-Fan im normalen Leben, sondern auch weil der polnische Nationalstürmer ihm viele Tore und Siege an der Konsole beschert. Neben Robert Lewandowski gibt es auch Tausende von Christiano Ronaldos und Leonardo Messis in den einzelnen Aufgeboten. „Gefühlt jeder hat Ronaldo im Team“, sagt Philip Jansen.

Seine Erfolge „erkaufen“ wolle er indes nicht, „Es macht einfach viel mehr Spaß, mit geringen Mitteln ein erfolgreiches Team aufzubauen“, sagt der Erzieher in einem Hort mit Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Er kenne einen Achtjährigen aus seiner Gruppe, der auch schon mal mit seinem Vater FUT spiele. Das Spiel sei auch nicht nur etwas für Jungen.

„Ich weiß zum Beispiel von einem Mädchen, das schon mal bis Elite zwei, also sogar noch eine Stufe höher als ich, gekommen ist“, teilt Philip Jansen mit. Bei seinem einmaligen Elite-3-Vorstoß sei schon einiges zusammengekommen. „Da ist einem Gegner nach meiner 1:0-Führung auch schon mal der Server abgestürzt“, berichtet der E-Sportler. Andere Widersacher hätten zudem nach deutlichen Rückständen vorzeitig aufgegeben. Malte Seemann und Fyn Luca Sitmann würden schon in höhere Sphären vordringen als er selbst. Jansen spielt an der Playstation. Auch wenn dieser durchaus emotional bei der Sache sei, habe er nicht das Temperament anderer Spieler. „Viele ärgern sich dermaßen bei dem Spiel, das sie am liebsten ihre Konsole kaputtschlagen würden“, versichert der 26-Jährige.

Sein Hobby ist ziemlich zeitintensiv. Insgesamt sind in einem Durchlauf 30 Spiele zu bewältigen, die zwischen zwölf und 15 Minuten dauern. Nur weil manche Gegner eben vorzeitig aufgeben, geht es auch mal schneller. Nur deshalb kann ein Wettbewerb auch schon mal mal nach drei bis vier Stunden zu Ende sein.

Gerade hat Philip Jansen aber auch deshalb viel Zeit, weil seine Saison als Handballer in der Landesliga bei der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg wegen des Lockdowns pausiert. Jansen wuchs in Lemwerder auf und wohnt nun in Hude. „Mit Freunden macht es mehr Spaß“, nennt der Erzieher einen Vorteil davon, nun im Klub seinem E-Sports-Hobby zu frönen...

Info

Zur Sache

Lewandowski hat derzeit 89 Punkte

Beim Fifa-Ultimate-Team (FUT)-Fußball geht es darum, online Spieler-Pakete käuflich zu erwerben und damit ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen, mit dem man dann selbst durch die Steuerung am PC oder an einer Spielkonsole so viele Begegnungen wie möglich gewinnen möchte. Es gibt günstige Pakete für zwei Euro, aber auch welche für 25 Euro. Man kann bei den Paketen aber eben nicht Spieler gezielt selbst auswählen.

Die einzelnen Akteure weisen eine bestimmte Punktzahl auf, die bis zu 100 Zähler betragen kann. So hat der Goalgetter von Bayern München, Robert Lewandowski, derzeit 89 Punkte. Je höher die Punktzahl der einzelnen Kicker ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Spiele zu gewinnen. „Wenn man ein bestimmtes Paket kauft, hat man eine 20-prozentige Chance, einen Spieler mit 82 oder mehr Punkten zu erhalten. Ich kann aber auch theoretisch 1000 Mal in Folge Davie Selke von Werder Bremen ziehen, der mir dann nichts bringt“, informiert Philip Jansen. Es handele sich deshalb auch um ein Glücksspiel, das süchtig machen könne.

Die einzelnen Akteure haben auch bestimmte Punkte für einzelne Fähigkeiten wie Geschwindigkeit, Schuss- und Passstärke, für das Dribbling oder die körperliche Präsenz. Die einzelnen Fähigkeiten werden ebenfalls noch unterteilt. So werden bei der Schussstärke unter anderem auch das Stellungsspiel, Distanzschüsse, Volleys oder die Elfmeter-Erfolgsquote einzeln bewertet.

Analog der Spieler in der Realität verändern sich die Fähigkeiten im Laufe der Jahre und werden dementsprechend auch anders eingestuft.

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