Wechsel nach Osnabrück Warum Läufer Jan Knutzen die SG akquinet Lemwerder verlässt

Jan Knutzen war im Jahre 2014 vom Lauftreff Lauffeuer des SV Brake zur SG akquinet Lemwerder gewechselt und sucht nun eine neue Herausforderung.
29.12.2019, 16:58
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann

Herr Knutzen, weshalb verlassen Sie die SG akquinet Lemwerder?

Jan Knutzen: Es geht alles im Guten auseinander. Ich hatte keinen Streit mit dem Verein. Es hat rein sportliche und medizinische Gründe. Es wird ab einem gewissen Zeitpunkt aber immer schwieriger, sich zu verbessern. Wenn ich mich jetzt noch weiterentwickeln möchte, brauche ich ein starkes Team.

Wo wechseln Sie denn hin?

Ich gehe zum Osnabrücker TB. Dort laufe ich mit Dustin Karsch und Nicolai Richers zusammen, die für mich bereits die Tempoarbeit beim Marathon in Düsseldorf im Jahre 2018 gemacht haben und die ich gut aus den Wettkämpfen kenne. Die beiden haben mir in Düsseldorf zu meiner Marathon-Bestzeit von 2:25:36 Stunden verholfen. Aus Hannover stoßen zudem Timo Kuhlmann und Philip Champignon dazu. Wir liegen bei unseren Bestzeiten alle eng beieinander. In der Hinterhand haben wir mit Marvin Karsch, Marius Hüpel, Stefan Voskuhl und Jan Wilke sogar noch vier weitere starke Läufer.

Mit den drei Eritreern hatten Sie aber doch auch in Lemwerder eine starke Laufgruppe zusammen. Reicht das nicht?

Unsere Läufer aus Eritrea haben zwar einen Startpass des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, werden aber bei Meisterschaften nicht für den DLV gewertet. Teilweise waren mir Yonas Abadi, Bereket Ah Ferem und Brhane Tsegay aber auch einen Tick zu langsam. Diese müssen nun auch mit ihren Ausbildungen erst einmal beruflich Fuß fassen. Darunter leidet natürlich auch der Sport. Deshalb musste ich oft alleine laufen.

Lesen Sie auch

Welche medizinischen Gründe gibt es denn für den Wechsel nach Osnabrück?

Mein neuer Trainer Michael Karsch, der Vater von Dustin und Marvin Karsch, ist auch gleichzeitig mein Arzt. Der hat mir dabei geholfen, meine Plantarfasziitis, eine schmerzhafte Reizung an der Fußsohle, auszuheilen. Ich konnte deshalb auch im Sommer und im Herbst nur sehr eingeschränkt trainieren und habe keinen einzigen Marathon im Jahre 2019 absolviert. Erst im Oktober habe ich in Oldenburg wieder an einem Wettbewerb teilgenommen. Ansonsten war mein Laufjahr aber nicht besonders prall.

Wie kam es zu der Verletzung?

Es handelt sich um eine typische Läuferkrankheit, die bei einer Überbelastung entstehen kann. Wenn man dann nicht pausiert, kann ein Fersensporn entstehen, der eine sehr langwierige Geschichte darstellt. Ich bin schon von zahlreichen Läufern gefragt worden, wie ich die Verletzung wieder losgeworden bin. Dafür muss der Körper erst einmal zur Ruhe kommen. Vielleicht hatte ich es im Frühjahr ein bisschen mit dem Training übertrieben. Die Gesundheit ist die Basis für einen erfolgreichen Sport.

Wie beugen Sie künftig einer Rückkehr der Entzündung vor?

Ich dehne mich nun vor Läufen viel intensiver. Leider muss immer erst einmal etwas passieren, damit man sein Verhalten ändert. Ich bekomme auch feste Trainingspläne in Osnabrück. Dabei achtet mein Trainer auch auf meine Gesundheit. Bisher hatte ich mich auf eigenen Wunsch selbst gesteuert.

Osnabrück ist aber nicht gerade um die Ecke.

Ich fahre von meinem Wohnort Hude ungefähr 1:20 Stunden nach Osnabrück. Das ist es mir aber wert. Manchmal übernachte ich auch in Osnabrück. Wenn es ums Tempo geht, ist eine starke Gruppe enorm wichtig. Alle deutschen Spitzenläufer laufen in solchen Gruppen – ohne die sind keine Erfolge möglich.

Lesen Sie auch

Werden Sie mit der SG akquinet Lemwerder verbunden bleiben?

Auf jeden Fall. Vor allem zu meinem Trainer Karl Spieler werde ich weiter Kontakt haben. Er ist auch gleichzeitig ein Kumpel für mich. Karl hat von Anfang an gesagt, dass der Tag für eine Veränderung kommen wird. Nun hat er mir sogar nach Rücksprache zu einem Wechsel geraten. Karl wird meine Laufbahn weiter verfolgen. Ich werde auch weiterhin Tipps von ihm annehmen. Die fünf Jahre in Lemwerder waren für mich eine tolle Zeit.

Was sind Ihre nächsten Ziele in Osnabrück?

Ich möchte nach meiner langen Verletzungspause wieder den Anschluss an meine alte mentale und Laufstärke zurückfinden. Dieses Ziel kann ich nur in einer starken Trainingsgruppe erreichen. Ich denke, dass ich in meiner neuen Gruppe wieder motiviert werde, die harte Trainingsarbeit zu absolvieren.

Welche konkreten Zeiten peilen Sie an?

Im Marathon erhoffe ich mir durch die neuen Anreize im Training einen Zwei-Minuten-Sprung auf 2:23 Stunden. Im Halbmarathon werde ich die 1:07-Stunden-Marke angreifen. Über die zehn Kilometer bin ich bereits 30:40 Minuten gelaufen. Hier möchte ich mich auch noch zumindest um zehn oder 20 Sekunden verbessern.

Was gibt Ihnen die Gewissheit, dass Sie Ihre Ziele auch erreichen werden?

Unser Trainer Michael Karsch hat schon einen Laktat-Test bei uns vollzogen. Die Leistungsdiagnostik sagt aus, dass die von mir angepeilten Zeiten möglich sind. Ich weiß aber, dass noch viel Arbeit auf mich wartet. Über Michael Karsch ist alles ins Rollen gekommen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer neuen Mannschaft?

Wir arbeiten erst einmal auf die deutschen Meisterschaften in Hannover im Marathon im April hin. Da wollen wir eine Medaille holen und den Osnabrücker Stadtrekord über die 42,195 Kilometer aus dem Jahre 1984 mit der Mannschaft brechen. Da war ich noch nicht mal auf der Welt. Wir werden künftig bei allen nationalen Meisterschaften im Marathon, Halbmarathon und im Zehn-Kilometer-Wettbewerb vertreten sein und dabei stets aussichtsreich ins Rennen gehen. Wir haben Spezialisten für die Straße und für den Crossbereich und werden in jedem Lauf drei starke Läufer stellen können.

Lesen Sie auch

Was wird noch alles anders?

Ich werde vom 1. Januar 2020 an auch für den OTB weiterhin Läufe bestreiten, die auch schon für Lemwerder gelaufen bin. Anders als bei der SGaL werde ich in Zukunft aber zum Beispiel auch an schnellen Zehn-Kilometer-Läufen in den Niederlanden teilnehmen. Im Herbst werde ich zudem erstmals in die USA reisen, um beim Marathon in Chicago zu starten. In Amerika hat das Laufen einen viel höheren Stellenwert. Dadurch erhoffe ich mir noch eine zusätzliche Motivation. Ich werde den Lauf mit einem Urlaub verbinden.

Haben Sie auch noch weitere Trainingspartner außerhalb Osnabrücks?

Ich treffe mich weiterhin einmal in der Woche mit meinen Kollegen Georg Diettrich und Andreas Kuhn in Oldenburg zum Wintertraining. Die beiden kenne ich nunmehr auch schon seit vielen Jahren.

Das Interview führte Karsten Hollmann.

Info

Zur Person

Jan Knutzen (30)

war im Jahre 2014 vom Lauftreff Lauffeuer des SV Brake zur SG akquinet Lemwerder gewechselt und sucht nun in Osnabrück eine neue Herausforderung. Der Flugzeugbauer erzielte zahlreiche herausragende Resultate für die SGaL und entschied unter anderem auch den Bremer Marathon zu seinen Gunsten. Der Huder ist auf den langen Strecken über die zehn Kilometer sowie im Marathon und im Halbmarathon zu Hause.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+