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Werders Europa-League-Chancen sind minimal bis unmöglich

Saskia Gelhaus (28) spielt Faustball in der 1. Frauen-Bundesliga für den Lemwerder TV. Die 28-Jährige arbeitet als Grundschullehrerin in Vegesack und betreibt ihren Sport bereits seit 22 Jahren.
14.05.2019, 16:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Werders Europa-League-Chancen sind minimal bis unmöglich

Saskia Gelhaus bereitet sich auch auf den Brücken-Lauf in Bremen vor.

Olaf Schnell

Mittwoch, 8. Mai: Wie jeden Morgen fahre ich gut gelaunt um 6.45 Uhr zur Arbeit. Ich bin Lehrerin an einer Grundschule in Vegesack. Ich arbeite dort seit Februar 2017 und seit August 2018 bin ich Klassenlehrerin in einer dritten Klasse. Mittwochs gehe ich abends eigentlich laufen, da ich mich auf den Brücken-Lauf in Bremen am 6. Juli vorbereite. Das wird mein zweiter Halbmarathon. Das Training fällt jedoch aus, da ich an Schmerzen in der rechten Wade beziehungsweise im rechten Bein leide. Da wir gerade in unsere erste Saison in der 1. Bundesliga gestartet sind, kann ich keine ernsthafte Verletzung riskieren. Schließlich streben wir den Klassenerhalt an und wollen nicht nur eine Serie dort bleiben. Stattdessen treffe ich meine ehemalige Schulkameradin und Mitbewohnerin Ines Löffelbein. Wir plaudern bis in den späten Abend. Dabei berichte ich euphorisch von meiner Erfahrung am vergangenen Spieltag. Wir waren trotz der zwei Niederlagen sehr zufrieden mit unserer Leistung und haben gegen den deutschen Vizemeister Ahlhorner SV im fünften Satz nur hauchdünn den Kürzeren gezogen.

Donnerstag, 9. Mai: In der Schule findet ein Schulsingen statt – wir verabschieden unseren Kontaktpolizisten. Das Schulsingen ist für alle Kinder etwas Besonderes. Wir singen zusammen und verleihen beispielsweise Urkunden für die Teilnahme an Wettbewerben. Nach einem langen Schultag fahre ich wegen meiner Verletzung zum Orthopäden. Noch gehe ich davon aus, dass ich anschließend mit meinen Mitspielerinnen Andrea Besser und Anika Langpaap zum Training nach Lemwerder fahre, damit wir uns auf unseren ersten Bundesliga-Heimspieltag vorbereiten können. Der Arzt macht mir aber einen Strich durch die Rechnung. Er schickt mich ins Krankenhaus, um eine Thrombose auszuschließen, da mein Bein sehr dick angeschwollen ist. Nach einer zweistündigen Wartezeit bekomme ich eine positive Diagnose. Es liegt keine Thrombose, sondern vermutlich nur eine Reizung im Bein vor. Wenn die Schmerzen es zulassen, kann ich am Sonntag beim Heimspieltag mitspielen. Bis Sonntag steht daher Schonung auf meinem Programm.

Freitag, 10. Mai: In der Schule erstellen wir eine Leserolle zum Buch „Hanno malt sich einen Drachen“ und nähen im Textil-Unterricht unsere Kissen weiter. Es freut mich, täglich zu sehen, mit welcher Freude meine Klasse arbeitet. Nach dem Schulschluss werden die Hausaufgaben korrigiert und die letzten Materialien für die kommende Woche fertiggestellt. Auf dem Weg nach Hause höre ich Radio. Es geht um die Wahl am 26. Mai und die Wahlbeteiligung. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie viele Menschen ihre Stimme verschenken und das Wahl-Privileg, das wir in Deutschland haben, nicht nutzen. Der Start ins Wochenende beginnt anstelle eines Laufes mit meinem Vater, mit dem ich für den Halbmarathon trainiere, mit einem Einkauf. Es fühlt sich blöd an, mit den sportlichen Aktivitäten auszusetzen. Schließlich sind diese mein perfekter Ausgleich zur Arbeit. Am frühen Abend treffe ich mit Max Hellmer einen Freund. Beim Quatschen geht es auch um den den vorletzten Spieltag in der Fußball-Bundesliga, insbesondere um Werder Bremen und deren Ambitionen. Die Chancen, sich für die Europa League zu qualifizieren, schätzen wir nach dem letzten Spieltag minimal bis unmöglich ein. Wir sind uns aber einig, dass wir mit dem Saisonverlauf zufrieden sind. Wir ärgern uns aber immer noch über die Elfmeter-Entscheidung im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern München. Den Abend verbringe ich mit Freunden.

Sonnabend, 11. Mai: Ich schlafe länger, weil ich gestern noch lange mit meinen Freundinnen Monique Buhrdorf und Kathy Bunsieck gequatscht habe. Mittags fahre ich zu meinen Eltern, um das Werder-Spiel zu schauen. Wir sind positiv überrascht davon, dass die Mannschaft den Ausfall von Max Kruse kompensiert und das Spiel in Hoffenheim gewinnt. Wir freuen uns sehr auf den letzten Spieltag, da es für Werder endlich mal wieder um die Teilnahme an der Europa League geht. Am Abend fahre ich zu einem 30. Geburtstag nach Großenkneten. Ein Freund, Christopher Clark, feiert dort. Wir feiern und tanzen bis um 2 Uhr. Dann fahren wir nach Hause, da ich am nächsten Morgen fit sein möchte für unseren ersten Bundesliga-Heimspieltag.

Sonntag, 12. Mai: Heimspiele sind immer besonders, zumal wir immer mehr Zuschauer in Lemwerder haben. Meine Eltern schauen auch zu. Wir spielen gegen zwei Teams, die uns aus der 2. Bundesliga bekannt sind. Für uns steht fest: Wir wollen den Ohligser TV unbedingt besiegen. Wenn wir die Klasse halten wollen, muss auch ein Erfolg her. Ich freue mich darüber, dass ich beide Spiele beschwerdefrei absolvieren kann. Nach 100 Minuten Spielzeit haben wir unseren ersten Bundesliga-Sieg in der Tasche. Wir besiegen den Ohligser TV mit 3:2. Es ist ein hart umkämpftes Spiel, das wir durch den eindeutigen letzten Satz 11:2 verdient gewinnen. Die Freude ist groß. Der TK Hannover ist allerdings eine Nummer zu groß für uns. Es ist das erste Spiel in dieser Saison, in dem wir keine Chance haben. Das fühlt sich nicht schön an. Am Abend gehe ich mit meinen Eltern und meinem Bruder am Muttertag indisch essen.

Montag, 13. Mai: Im Vergleich zur vergangenen Woche trage ich keine Blessuren vom Spieltag davon. Vor der Schule beantrage ich die Briefwahl für den 26. Mai, da wir an diesem Tag in Kellinghusen spielen. Ich bin sehr gespannt darauf, welche Partei in Bremen die meisten Stimmen erlangen wird. Für mich persönlich spielt als Lehrerin die Bildungspolitik eine große Rolle. Nach dem Unterricht bereite ich den Sachunterricht vor. Wir werden uns mit dem Thema Schmetterlinge befassen – diese züchten und uns die Entwicklungsschritte eines Schmetterlings anschauen. Am Abend beginnt in Bremen die Mixed-Liga im Faustball. Ich nutze diese Spieltage, um auf einer anderen Position zu spielen. Beim LTV spiele ich meistens in der Abwehr. Heute bestreite ich ein Spiel im Angriff.

Dienstag, 14. Mai: Heute schreiben wir die Vera-Vergleichsarbeit. Für das Land Bremen wurde beschlossen, dass die Teilnahme freiwillig und die Ergebnisse der Arbeit nicht weitergeleitet werden müssen. Wir schreiben die Arbeit jedoch, um zu schauen, welche Stärken und welche Schwierigkeiten das einzelne Kind hat. Nach der Schule gehe ich mit meinen Freundinnen Ines Löffelbein und Lilly Neupert einen Kaffee trinken und abends fahre ich noch zum Training nach Lemwerder.

Jeremy Boxberger, der Spieler des Fußball-Landesligisten SV Grohn, wird als Nächster über seine Woche berichten. KH

Info

Zur Person

Saskia Gelhaus (28)

spielt Faustball in der 1. Frauen-Bundesliga für den Lemwerder TV. Die 28-Jährige arbeitet als Grundschullehrerin in Vegesack. Sie betreibt ihren Sport bereits seit 22 Jahren und war im Jahre 2001 vom TSV Borgfeld nach Lemwerder gewechselt.

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