Die Freiluft-Galerie

Wie das Farbflut-Festival in Lemwerder nachwirkt

Einen Kilometer lang ist die „Weserside Gallery“ in Lemwerder. Hier haben mehr als 200 Künstler im Sommer beim Farbflut-Festival in der südlichsten Wesermarschgemeinde ihre Werke mit Farbsprühdosen verewigt.
19.11.2018, 20:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Pfeiff (Text und Fotos)
Wie das Farbflut-Festival in Lemwerder nachwirkt

Begu-Leiter Timo von den Berg hat das Farbflut-Festival organisatorisch mitbetreut. Er ist gespannt, wie die gesprühten Bilder den Winter überstehen werden.

Christian Pfeiff

Mehr als 200 zum Teil internationale Farb- und Grafikkünstler haben im Juni dieses Jahres im Rahmen des gleichnamigen Festivals für eine bildgewaltige Farbflut in Lemwerder gesorgt. Sie hinterließen mit ihren Farbsprühdosen bleibende Eindrücke auf einem Spundwandabschnitt, der nun auf einer Länge von mehr als einem Kilometer mit einer Vielzahl unterschiedlichster Gemälde verziert ist.

Weserside Gallery Lemwerder

Einige Werke sind fotorealistisch, dieses stammt von der Crew The Combi Killers aus Holland.

Foto: Christian Pfeiff

Einen Namen trägt das kunstvolle Resultat des Festivals auch: Eine Begutachtung der bunten, abwechslungsreichen, vielseitigen und bisweilen auch recht kuriosen Bilderreihe aus Urban Style, Surrealismus, Fotorealismus, Pop- und Comic-Art sowie mit Sprühdosen reproduzierte Anlehnungen an klassische und tradierte Kunststile wird unter dem Namen „Weserside Gallery“ nicht nur auswärtigen Gästen wärmstens ans Herz gelegt.

Weserside Gallery Lemwerder

Dieses Bild der Crew PMZ ist fantasievoll und besonders detailreich. Die Künstler hatten sich vor dem Festival bei Kuratorin Kerstin Kimmerle beworben.

Foto: Christian Pfeiff

Wie aber verhält es sich im Fall der „Farbflut“ mit den Gezeiten? Soll das Festival 2019 wiederholt werden oder folgt nun zunächst eine lange Ebbeperiode? Welche Bedeutung und Auswirkung haben die bunten Bilder für die Gemeinde Lemwerder und für den Oldenburgischen Deichband, der als Eigentümer der Spundwand die Grundlage für die Sprühkunstwerke stellte? „Es war uns schon im Vorfeld der Veranstaltung bewusst, dass etwas entstehen wird, was langfristiger Bestand haben kann und wird“, erklärt Timo von den Berg, für den das Farbflut-Festival neben dem Drachenfest eines der ersten Großprojekte war, die er als neuer Leiter der Begegnungsstätte Lemwerder betreut hat.

Weserside Gallery Lemwerder

Sprayer Lapiz hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin im innigen Bruderkuss mit sich selbst an die Wand gesprayt.

Foto: Christian Pfeiff

Eine weitere Auflage des Farbflut-Festivals sei aber zumindest für 2019 nicht geplant. "Der organisatorische Aufwand ließe sich in dieser Größenordnung gar nicht jedes Jahr wiederholen", sagt er. „Stattdessen denken wir derzeit über Möglichkeiten nach, im kommenden Jahr Fahrradtouristen einen Besuch der Galerie schmackhaft zu machen." Angedacht seien kleinere Veranstaltungen mit Musikern und Performancekünstlern auf dem Gelände. Allerdings sei der logistische Aufwand für derartige Aktionen groß, zumal sich das zur Galerie geadelte Areal auf Hochwasserschutzgebiet befindet. Dieser Umstand erschwert es auch, die Aufenthaltsqualität entlang des bunten Kilometers weiter zu optimieren – abgesehen von einer zusätzlich durch den Deichband aufgestellten Sitzgelegenheit an der Galerie. Aus Sicht von Gemeinde und Deichband ist das aber auch gar nicht notwendig: Deichband-Vorsitzender Cord Hartjen weist auf Sitzgelegenheiten am Aussichtsturm "Weserblick" direkt neben der Freiluftgalerie hin. Bürgermeisterin Regina Neuke erinnert an das gastronomische Angebot, das der Weser-Yacht-Club in der Nähe bietet.

Weserside Gallery Lemwerder

Auch positive Botschaften sind auf der Spundwand zu lesen.

Foto: Christian Pfeiff

Entsprechend ihrer Lage direkt am Fluss mussten die Spundwandgemälde ihre Wasserfestigkeit bereits mehrmals unter Beweis stellen. An der einzigen unbemalten Stelle der Galerie verdeutlichen Wasserränder, wie hoch die Fluten bisweilen gestiegen sind. Die Bilder haben indes bisher keinen Schaden genommen. Nun steht allerdings der erste Witterungstest bevor: „Es wird natürlich spannend zu beobachten, wie gut die Gemälde den Winter überstehen werden“, sagt von den Berg. Auch Neuke ist gespannt: „Mit der Aktion sind großartige Werke entstanden, die naturgemäß einer gewissen Vergänglichkeit und den Witterungseinflüssen unterliegen.“

Weserside Gallery Lemwerder

Diese Ballerina stammt von der Nordbremer Künstlerin Eva Wedemeyer.

Foto: Christian Pfeiff

„Die Galerie ist eine Bereicherung für unsere Deichroute entlang der Weser, Ochtum und Hunte. Besonders der Aussichtsturm wird dadurch stärker besucht“, meint Hartjen. Einen weiteren positiven Aspekt des Projekts sieht von den Berg für Schulen in den umliegenden Gemeinden: „Die Weserside Gallery eröffnet die Möglichkeit, Street-Art anhand eines Beispiels direkt vor Ort im Kunstunterricht zu behandeln. Davon wurde bereits direkt nach dem Festival rege Gebrauch gemacht." Die Werke der mehr als 200 Künstler, die sich im Vorfeld des Festivals mit ihren Entwürfen zunächst bei der Medienpädagogin und Kuratorin des Projekts Kerstin Kimmerle beworben hatten, bleiben auf absehbare Zeit erhalten. Mehr noch: „Wir denken derzeit über Möglichkeiten nach, wie wir Besuchern vor Ort Informationen über die Wand und die Hintergründe der einzelnen Künstler und ihre Motive vermitteln könnten“, so von den Berg.

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