Forschungsprojekt

Schutz für Altenheime bei Hochwasser

Der Landkreis Wesermarsch ist fast vollständig von Wasser umgeben – Nordsee, Weser, Hunte, Jade – und ist daher hochwassergefährdet. Nun werden Konzepte für einen Hochwasser-Notfall entwickelt.
04.06.2021, 08:00
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Von Björn Josten/bj
Schutz für Altenheime bei Hochwasser

Der Aufbau von Notversorgungsinseln könnte ein Bestandteil eines Katastrophenschutzkonzeptes im Landkreis Wesermarsch sein.

Jade HS

Neue Versorgungskonzepte zum Schutz von Pflegebedürftigen bei Hochwasser und Stromausfall entwickelt die Jade Hochschule jetzt gemeinsam mit dem Landkreis Wesermarsch. Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert: „Die Pandemie hat uns klar vor Augen geführt, wie wichtig Krisenvorsorge ist“, sagt die
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. „Krisenvorsorge ist oft ein glanzloses Geschäft, von dem man häufig nichts mitbekommt. Im Ernstfall aber ist sie entscheidend.“

Der Landkreis Wesermarsch ist fast vollständig von Wasser umgeben – Nordsee, Weser, Hunte, Jade – und ist daher hochwassergefährdet. Würde durch eine Hochwasserkatastrophe ein Stromausfall auftreten, hätte das enorme Auswirkungen auf die Wasserversorgung, Entwässerung und insbesondere auf die Gesundheit in der Region. Die Krankenhäuser wären durch ein Notstromaggregat versorgt, nicht jedoch Seniorenheime oder Privatwohnungen. „Käme es großflächig zu einem mehrtägigen Stromausfall, würden sich Menschen, die auf strombetriebene Beatmungsgeräte angewiesen sind, in akuter Lebensgefahr befinden“, sagt Frauke Koppelin, Projektleiterin und Professorin für Public Health an der Jade Hochschule.

Mit ihrem Team möchte sie nun Konzepte erarbeiten, um insbesondere beatmete Menschen in Alten- und Pflegeheimen, spezialisierten Wohngemeinschaften und in Privatwohnungen im Katastrophenfall zu versorgen oder in alternative Unterkünfte zu verlegen. Neben neuen Ansätzen für Evakuierungen ziehen die Wissenschaftler der Jade Hochschule auch autarke Insellösungen in Betracht. „Die Realisierung von strategischen Insellösungen für die Versorgung und Betreuung von Pflegebedürftigen dient gleichzeitig auch der generellen Unterstützung des Katastrophenschutzes und der Aufrechterhaltung der Kommunikation“, sagt die Projektleiterin.

Es werden auch Möglichkeiten geprüft, die vorhandenen Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien für den Schutz der Bevölkerung und die Krisenbewältigung zu nutzen. Die Ergebnisse des Projektes sollen auch für andere Katastophenschutzstäbe in vergleichbaren Ausgangslagen anwendbar sein.

„Um bedarfsgerecht und erfolgreich planen und agieren zu können, benötigt der Katastrophenschutzstab unseres Landkreises ein gesamtheitliches Strategiekonzept für die Evakuierung von Pflegebedürftigen“, sagt Matthias Wenholt vom Landkreis Wesermarsch. „Wir freuen uns, dass wir nun erneut mit der Jade Hochschule zusammenarbeiten und gemeinsam ein
Konzept für diese Personengruppe erstellen.“ Dem Projekt vorausgegangen war ein anderes gemeinsames Forschungsprojekt, das das Hochwasserrisiko und den Katastrophenschutz des Landkreises Wesermarsch zum Thema hatte.

Zur Sache

Das Projekt „Lebensrettung in flut- und energiekritischen Gefährdungssituationen durch Realisierung von Insellösungen im Rahmen der Daseinsvorsorge“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Wettbewerb „SifoLIFE – Demonstration innovativer, vernetzter Sicherheitslösungen“ mit 250.000 Euro gefördert. Es startet am 1. Juni und läuft bis November 2022. Projektpartner sind die Jade Hochschule und der Landkreis Wesermarsch, Brake. Assoziierte Partner sind der DRK Kreisverband Wesermarsch e.V., die ImmerDa GmbH, die EWE Netz GmbH, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband und die lokale Aktionsgruppe Leader "Wesermarsch in Bewegung".

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