Landtagsabgeordnete aus ganz Niedersachsen feiern mit Festsitzung den alten Oldenburger Landtag 100 Jahre wechselvolle Geschichte

Oldenburg. Eine derart wechselvolle Geschichte konnten die Erbauer des alten Oldenburger Landtages wirklich nicht erahnen. 1933 – nur 17 Jahre nach der Eröffnung – nahmen die Nazis das im Auftrag des Großherzogtums Oldenburg erbaute imposante Gebäude in Beschlag.
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Von Anna-Lena Sachs

Oldenburg. Eine derart wechselvolle Geschichte konnten die Erbauer des alten Oldenburger Landtages wirklich nicht erahnen. 1933 – nur 17 Jahre nach der Eröffnung – nahmen die Nazis das im Auftrag des Großherzogtums Oldenburg erbaute imposante Gebäude in Beschlag. Sie zweckentfremdeten es als NS-Dienststelle und Gaugericht. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte es das britische Militär als Besatzungszentrale. Zum 100-jährigen Bestehen lädt Niedersachsens Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) für Donnerstag zum Festakt in das geschichtsträchtige Haus.

„Das ist schon ein Akt des Respekts und der Wertschätzung gegenüber denen, die vor 100 Jahren die Verantwortung trugen“, sagt der heutige Hausherr, Polizeipräsident Johann Kühme. Der alte Landtag wird derzeit von der Polizeidirektion Oldenburg verwaltet, die seit 2005 zusammen mit dem Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg, IT-Niedersachsen und dem Amt für regionale Landesentwicklung im Nebengebäude ihren Hauptsitz hat. Außerdem werden die Räume des alten Landtags für diverse kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Einiges erinnert an die 100-jährige Geschichte des Gebäudes: So wurde 1938 während der Besetzung des Landtages von den Nationalsozialisten ein Wandgemälde im Plenarsaal veranlasst, das unter anderen Soldaten und Hitlerjungen zeigt. Zunächst waren auf der großen Wandmalerei auch Hakenkreuze zu sehen. Diese wurden allerdings während der Nutzung des Gebäudes durch die Briten (1945 bis 1956) übermalt.

1978 ist das Bild im Zuge von Umbaumaßnahmen mit einer Wandbespannung aus Stoff verhängt worden. „Jetzt kommen natürlich immer mal wieder die Diskussionen, ob man das nicht mal öffnen kann“, sagt Kühme. Der Polizeipräsident hat sich bewusst dagegen entschieden, dieses Gemälde öffentlich zu zeigen. Die Tatsache, dass das Bild von Carl Röver, „Nazi-Größe“ der Region und Gauleiter von Bremen und dem früheren Freistaat Oldenburg, in Auftrag gegeben und für gut befunden wurde, spricht laut Kühme gegen das Abnehmen der Wandbespannung.

Nachdem die Briten das Gebäude bis 1956 für ihre Militärregierung nutzten, war es erst ab 1978 wieder vermehrt in Betrieb. Bis zur Auflösung der Bezirksregierung Weser-Ems 2005 haben der alte Landtag und das Nebengebäude als deren Hauptsitz gedient.

„Für mich ist dieses Gebäude in Stein gehauene Oldenburger Geschichte“, sagt Horst Milde, ehemaliger Präsident des Verwaltungsbezirks Oldenburg (1973 bis 1976), Oldenburger Oberbürgermeister (1986 bis 1991) und früherer niedersächsischer Landtagspräsident (1990 bis 1998). „Aus der Geschichte sticht heraus, dass man es geschafft hat, während des Ersten Weltkrieges solch ein bedeutendes, großes Bauwerk zu schaffen.“

Zum Jubiläum kehrt der Oldenburger Landtag, der am 9. November 1916 eröffnet wurde, zu seinem Ursprung zurück und steht für einen Tag ganz im Zeichen des Parlamentarismus. Am Mittwoch tagt dort das niedersächsische Landtagspräsidium, für Donnerstag sind eine Kabinettssitzung sowie eine Festveranstaltung geplant.

„Mit Freude ziehen wir Landtagsabgeordneten aus ganz Niedersachsen für einen Tag in den ehrwürdigen alten Oldenburger Landtag ein, um eine Festsitzung abzuhalten“, sagt Landtagspräsident Busemann in einer Pressemitteilung. „Das 100-jährige Bestehen dieses Landtages stellt ein besonderes historisches Ereignis für Niedersachsen dar.“ Neben Busemann kommt auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) aus Hannover.

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