Damp Holding geht an Helios über / Beschäftigte an den norddeutschen Standorten fordern zuvor Tarifabschluss 2000 Klinikmitarbeiter im Warnstreik

Mehr als 2000 Mitarbeiter an Krankenhäusern der Damp Holding AG in Norddeutschland haben sich gestern nach Gewerkschaftsangaben an ganztägigen Warnstreiks beteiligt. Die Helios Kliniken GmbH, Deutschlands größter Klinikverbund, ist im Begriff, als neuer Hauptaktionär die Regie zu übernehmen. Das Unternehmen Damp nannte den gestrigen Protest in Zeiten des Übergangs an einen neuen Eigner nicht nachvollziehbar.
15.02.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Martina Scheffler Und Justus Randt

Mehr als 2000 Mitarbeiter an Krankenhäusern der Damp Holding AG in Norddeutschland haben sich gestern nach Gewerkschaftsangaben an ganztägigen Warnstreiks beteiligt. Die Helios Kliniken GmbH, Deutschlands größter Klinikverbund, ist im Begriff, als neuer Hauptaktionär die Regie zu übernehmen. Das Unternehmen Damp nannte den gestrigen Protest in Zeiten des Übergangs an einen neuen Eigner nicht nachvollziehbar.

Schleswig·Damp. Mehr als 2000 Beschäftigte in Norddeutschland haben gestern Krankenhäuser des privaten Klinikbetreibers Damp Holding bestreikt. Frank Schischefsky, Sprecher von Verdi Nord, sprach von einer "Riesenbeteiligung", die Stimmung sei "bombig". Bestreikt wurden elf Häuser an sechs Standorten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Betroffen seien sämtliche in den Kliniken vertretenen Berufsgruppen und sogenannte bettenferne Arbeitsbereiche, wie sie die Zentrale Service Gesellschaft (ZSG), eine hundertprozentige Tochter der Damp AG, anbietet. "Dort, im Hol- und Bringedienst, beim Küchen- und Reinigungspersonal geht es um die Schwächsten der Schwachen", sagt Verdi-Verhandlungsführer Oliver Dilcher. Die Gewerkschaft will vor der Übernahme der Damp-Einrichtungen durch den neuen Hauptaktionär Helios Kliniken GmbH für 5600 tarifvertraglich Beschäftigte noch einen neuen Tarifvertrag erreichen. Dabei geht es um 7,5 Prozent mehr Gehalt und unter anderem den

vertraglichen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Die Damp Holding lehnt Tarifverhandlungen zurzeit ab. Im Übergang zu einem neuen Hauptaktionär sei dies unüblich.

Dilcher, der auch Aufsichtsratsmitglied der Damp Holding ist , hält es im Gegenzug für "unüblich, dass Leute mit gekündigten Tarifverträgen in neue Regentschaft übergeben werden sollen". Der Verhandlungsführer stellt klar, dass es um "eine ganz normale Entgeltrunde" gehe. Verdi habe den Tarif für den Bereich des Damp-Konzerns bereits "Monate bevor der Deal einfädelt war", fristgerecht zum Jahresende 2011 gekündigt.

Im Januar scheiterten Verhandlungen, und die angebliche Äußerung eines Damp-Vorstandsmitglieds in Stralsund, "eine Konzerntochter künftig ohne jegliche Tarifbindung führen zu wollen", hatte die Stimmung angeheizt. Schwerpunkt der Proteste waren die Standorte in Schleswig und Damp. Zu einem Demonstrationszug in Schleswig kamen nach Verdi-Schätzungen etwa 600 bis 700 Teilnehmer. Dies seien deutlich mehr als ursprünglich erwartet, sagte Schischefsky.

Am Morgen hatte Verdi in Schleswig zu einem Streikfrühstück geladen, daran beteiligten sich etwa 500 bis 600 Beschäftigte. Auch in Damp seien etwa 650 Menschen im Ausstand gewesen. "Eine irre Beteiligung", meinte Oliver Dilcher. "Die Leute sind auf Zinne, sind sauer."

"Unangemessenes Verhalten"

Der Vorstandsvorsitzende der Damp Holding, Carl Hermann Schleifer, nannte die Warnstreiks in einer Mitteilung aufgrund der "Übergangsphase" im Wechsel zu Helios "nicht nachvollziehbar". Wenn die Transaktion wirksam werde, nehme Helios "selbstverständlich Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften auf". In Konzerntarifverträgen von Helios mit Verdi und dem Marburger Bund sei zudem vereinbart, dass sechs Monate nach derartigen Transaktionen Tarifverhandlungen zur Überleitung neuer Kliniken in die Konzerntarifverträge aufgenommen werden. "Das Verhalten von Verdi ist also unangemessen, es schadet der Damp Gruppe und den Beschäftigten", befand Schreiber.

Neben Schleswig und Damp wurden auch die Endo-Klinik in Hamburg, Kliniken in Kiel und Lehmrade sowie in Mecklenburg-Vorpommern das Hanse-Klinikum Stralsund und die Reha-Klinik in Ahrenshoop bestreikt. In Hamburg seien etwa 120 bis 150 Beschäftigte im Ausstand gewesen, sagte Dilcher, vor allem OP-Personal. In Kiel seien vorrangig Therapien ausgefallen. Von Patienten habe man positive Reaktionen bekommen, sagte Schischefsky. "Total nett" seien Patienten in einer Reha-Klinik gewesen, berichtete Dilcher. Überall seien Notdienste eingerichtet gewesen.

In Stralsund haben nach Angaben der Verdi-Streikleiterin Annette Golle rund 300 der 1400 Mitarbeiter des Hanse-Klinikums die Arbeit niedergelegt, in der Reha-Klinik Ahrenshoop waren es rund 70 der 250 Beschäftigten. In Stralsund machten die Mitarbeiter am Morgen mit Transparenten auf ihre Situation aufmerksam.

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