Quartiersuche

3000 Flüchtlinge kommen beschleunigt in Kommunen

Bei der Suche nach Flüchtlingsunterkünften ist in den Kommunen derzeit Fantasie und schnelles Handeln gefragt. Denn 3000 Flüchtlinge, mit denen vor Ort erst später gerechnet wurde, sollen nun beschleunigt in den Kommunen einquartiert werden.
01.08.2015, 12:35
Lesedauer: 2 Min
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Eishallen, Turnhallen, ausgediente Hotels, selbst Jugendherbergen: Um die anhaltend hohe Zahl von Flüchtlingen menschenwürdig unterzubringen, müssen die Kommunen in Niedersachsen sich viel einfallen lassen. Außerdem drängt dabei die Zeit, denn das Innenministerium in Hannover kündigte den Städten und Gemeinden an, dass sie sich auf die beschleunigte Aufnahme von bis zu 3000 Flüchtlingen einrichten müssen, mit denen vor Ort erst später gerechnet worden war. Damit solle die Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes entspannt werden, in denen derzeit rund 1500 Flüchtlinge wöchentlich ankommen, teilte das Ministerium am Samstag mit.

Verhindert werden solle, dass Niedersachsen Einrichtungen wegen Überfüllung schließen müsse, wie dies in anderen Bundesländern geschehen sei. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete, hätten Mitarbeiter der Einrichtungen wegen der Zustände bereits mit Streik gedroht. Dem widersprach das Ministerium allerdings. Mit der verschnellten Verteilung von Flüchtlingen auf die Kommunen sollten die vor einer äußerst herausfordernden Situation stehenden Mitarbeiter entlastet werden.

Schon in den kommenden Tagen solle der Vertragsabschluss für eine weitere Erstaufnahmeeinrichtung erfolgen, so das Ministerium. Dieser fünfte Aufnahmestandort solle noch in diesem Jahr, ein sechster im ersten Quartal 2016 in Betrieb gehen. Insgesamt seien bis zu vier weitere Standorte mit jeweils mindestens 500 Plätzen vorgesehen.

Unterdessen macht die Not bei der Quartiersuche erfinderisch. Oldenburg nutzt unter anderem auf dem ehemaligen Fliegerhorst eine umgebaute Sporthalle, wo 100 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. In Bremen wird noch bis September die Eissporthalle "Paradice" zur Unterbringung jugendlicher Asylbewerber genutzt. Die Halle wird nur im Winter zum Eislaufen genutzt. In Hastedt (Bremen) wurde zudem ein ehemaliger Supermarkt umfunktioniert, und auch ein Teil der Messehallen in Bremen wird zur Unterbringungen von Asylbewerbern genutzt.

Das Land Bremen greift auch auf eine Jugendherberge im benachbarten niedersächsischen Zeven zurück, sagte die Sprecherin des Jugendherbergsverbandes Unterweser-Ems. Bis Februar 2016 sollen dort 100 Flüchtlinge untergebracht werden. Seit Anfang Juli nutzt Niedersachsen auch die Jugendherberge in Bad Iburg bei Osnabrück. Dort sind rund 60 Asylbewerber-Familien aus Syrien und dem Irak untergebracht, neben den typischen Jugendherbergsgästen. Von Oktober bis Ende März 2017 sollen dort ausschließlich Flüchtlinge leben.

Hannover und andere Kommunen nutzen unter anderem "Wohnmodule", Fertigbauten in Leichtbauweise. Die Stadt setzte auch auf Notunterkünfte in Turnhallen, Baumärkten oder Hotels, sagte ein Sprecher. Auch Ronnenberg bei Hannover hat sich ein Hotel gesichert: Ab dem Herbst sollen rund 25 Flüchtlinge in einem früheren Nachtclub unterkommen, der Anfang Juli geschlossen hat. Die Gemeinde Sögel im Emsland will ihr altes Rathaus umwidmen: Es wurde bislang als Hotel genutzt und soll in Kürze an einen Investor weiterverkauft werden. Zumindest für eine Übergangszeit soll es zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden.

In Göttingen wird ein Flüchtlingswohnheim errichtet, das in vier Wochen fertiggestellt sein soll. Die Stadt werde auch das ehemalige Institut für wissenschaftlichen Film umbauen, das 150 Menschen Platz bietet. "Wir mieten und kaufen, gehen auch langfristige Mietverträge ein", sagt Osnabrücks Stadträtin Rita Maria Rzyski.

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