Cyber-Kriminalität nimmt zu 64 Millionen Euro Schaden in Niedersachsen

Gut die Hälfte des Sachschadens der organisierten Kriminalität geht auf das Konto von Cyber-Kriminellen. Insgesamt geht es in Niedersachsen 2015 um eine Summe von 64 Millionen Euro.
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64 Millionen Euro Schaden in Niedersachsen
Von Silke Looden

Gut die Hälfte des Sachschadens der organisierten Kriminalität geht auf das Konto von Cyber-Kriminellen. Insgesamt geht es in Niedersachsen 2015 um eine Summe von 64 Millionen Euro.

Die organisierte Kriminalität verlagert sich ins Internet: Drogen, Waffen, Geldtransfers. Die Methoden werden raffinierter, die kriminellen Geschäfte internationaler. Im vergangenen Jahr summierte sich der Schaden durch Cybercrime allein in Niedersachsen auf 33 Millionen Euro. Das ist mehr als die Hälfte des Gesamtschadens durch organisierte Kriminalität von 64 Millionen Euro. Das geht aus dem gemeinsamen Lagebild von Justiz und Polizei in Niedersachsen hervor, das das Innenministeriums jetzt veröffentlicht hat.

Die organisierte Kriminalität im Internet sei „eine der größten sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit“, betont Svenja Mischel, die Sprecherin im niedersächsischen Innenministerium. Dabei gehe es vor allem um den Diebstahl digitaler Daten. Gleich zum Jahresbeginn 2014 hatte es einen massenhaften Klau von 16 Millionen Benutzerkonten mit Mail-Adresse und Passwort gegeben. Die Betroffenen wurden über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik informiert, um gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Über Spam-Mails verteilen Kriminelle die Schadstoffsoftware, die den Rechner der Opfer und damit ihre Bankdaten ausspäht.

Schwierige Beweisführung

Die Anzahl der großen Ermittlungskomplexe im Bereich Cybercrime hat sich im vergangenen Jahr in Niedersachsen auf sechs verdoppelt. Das entspricht dem Bundestrend. Allerdings wurden erneut die Hälfte der bundesweit zwölf Verfahren zur Internetkriminalität in Niedersachsen geführt. Dabei ist eine zunehmende Internationalisierung zu beobachten. Häufig hängt der Ermittlungserfolg von aufwendigen Rechtshilfegesuchen im Ausland ab. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten deshalb an einer engen Kooperation mit den europäischen Partnern bei Europol und Eurojust.

Immerhin konnten die Ermittler 1,4 Millionen Euro sicherstellen. Gemessen an der Beute von insgesamt 36 Millionen Euro, die die Täter machten, sind das 3,8 Prozent. „Das Problem liegt darin, dass die Beweisführung nach aktueller Gesetzeslage schwierig ist“, heißt es im Lagebild. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) fordert deshalb eine Umkehr der Beweislast. Dann nämlich müssten die Verdächtigen nachweisen, dass sie ihre Vermögenswerte legal gebildet haben. Derzeit müssen die Ermittlungsbehörden den Verdächtigen nachweisen, dass sie dieselben illegal erlangt haben. Die Bundesregierung hat einen entsprechenden Referenten-Entwurf noch für dieses Jahr angekündigt.

Pistorius: „Die Beweislastumkehr wäre ein großer Schritt bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Vermögensabschöpfung durch kriminelle Organisationen.“

799 Tatverdächtige aus 55 Staaten

Insgesamt gab es laut Lagebild im vergangenen Jahr 71 Ermittlungskomplexe im Bereich der organisierten Kriminalität. Die Ermittlungen richteten sich gegen 799 Tatverdächtige aus 55 Staaten. 283 Deutsche gerieten ins Visier von Polizei, Zoll und Bundeskriminalamt. Die Ermittler stellten eine Häufung von Eigentumsdelikten durch Georgier fest.

Besonders hoch ist das Dunkelfeld der sogenannten Clankriminalität. Dabei haben die Ermittler vor allem die Mhallamiye-Kurden im Blick. 2014 gab es dazu ein Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität, dem diverse Straftaten im Rauschgift- und Waffenhandelmillieu zugrunde lagen. Das Innenministerium rechnet mit einer Zunahme der organisierten Kriminalität im Bereichs von ethnischen Clans. Die Gefährdung und Bedrohung potenzieller Opfer in diesem Bereich sei groß.

Im Rockermilieu gab es im vergangenen Jahr insgesamt sieben Verfahren zur organisierten Kriminalität. Dabei ging es vor allem um Erpressungs- und Tötungsdelikte. Das Innenministerium stellt im Lagebild fest, dass die „Dynamik im Zusammenhang mit der Gründung, Auflösung und Umstrukturierung von Rockergruppen weiter anhält“. So haben sich beispielsweise einige Charter der Hells Angels aufgelöst. Während die Mongols an Bedeutung verloren, gründete sich ein neuer Club namens No Surrender. „Mit gewalttätigen Auseinandersetzungen dieses Personenkreises ist weiterhin zu rechnen“, sagt Ministeriumssprecherin Mischel.

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