Klimawandel 80 Prozent der niedersächsischen Vogelarten bedroht

Wegen des Klimawandels könnte nach Ansicht des niedersächsischen Umweltministeriums in den nächsten Jahrzehnten ein Großteil der heimischen Vogelarten ihren Lebensraum verlieren.
20.08.2015, 08:38
Lesedauer: 3 Min
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Mit jedem Grad Erderwärmung verändern sich auch die Lebensbedingungen in Niedersachsen. Umweltminister Wenzel rechnet etwa mit Nachteilen für bis zu 80 Prozent aller heimischen Vogelarten. Mit seinen begrenzten Mitteln will das Land gegensteuern.

Rotmilan, Küstenseeschwalbe, Eiderente, Schwarzstorch, Rothalstaucher - wegen des Klimawandels könnte nach Ansicht des niedersächsischen Umweltministeriums in den nächsten Jahrzehnten ein Großteil aller heimischen Vogelarten ihren Lebensraum verlieren. "Von den fast 200 für den niedersächsischen Raum analysierten Arten, müssen 79 Prozent (154) Veränderungen befürchten", sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover. Für nur 27 Arten würden positive Effekte für den Lebensraum prognostiziert. Bei nur 15 Arten werde es vermutlich keine Arealveränderungen geben.

Küste besonders betroffen

"Damit gibt es infolge der klimatischen Veränderungen und den Folgen für die Brutgebiete sowie den Lebensraum in der Vogelwelt des Landes fast sechsmal mehr Verlierer als Gewinner", betonte Wenzel. Besonders betroffen sei wegen der Erhöhung des Meeresspiegels die Küste. Auch zur Brutzeit könnten künftig die für viele Vogelarten wichtigen Salzwiesen öfter überflutet werden. Generell sei das Wattenmeer auch für Zugvögel eine unverzichtbare Zwischenstation auf ihren viele Tausend Kilometer langen Reisen von der Arktis nach Afrika. "Diese Tiere reagieren sehr sensibel auf Klimaveränderungen, wenn etwa der Frühling früher beginnt und ihre Futterquellen bei der Ankunft bereits versiegt sind."

Aber auch an Binnengewässern und in Moorlandschaften gebe es zunehmend Probleme für viele Vogelarten. "Entweder die Vögel suchen sich dann andere Lebensräume oder sie sterben aus", betonte Wenzel. Beides sei möglich.

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Auf der anderen Seite könne es aber auch durchaus sein, dass infolge der Klimaveränderungen Vögel und andere Tierarten nach Niedersachsen einwanderten, die es hier bislang nicht gibt. "Am Beispiel der Tigermücke, die das Denguefieber übertragen kann, sehen wir das ja schon heute", sagte Wenzel. Diese kannten wir bislang nur aus den Tropen. Auch der Eichenspinner sei früher nicht in Niedersachsen beheimatet gewesen.

Noch könnten die Menschen den Klimawandel und die damit verbundenen negativen Entwicklungen zumindest beeinflussen. "Aber auch wenn es gelingen sollte, die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, führt das schon zu heftigen Konsequenzen", sagte Wenzel. Jedes Grad mehr werde Entwicklungen entfalten, die sich jetzt niemand vorstellen könne.

Das Land wolle daher mit verschiedenen Maßnahmen in den gegebenen Möglichkeiten gegensteuern. "Moorschutz ist eine Variante, die zum einen den Lebensraum der Tiere schützt und zum anderen werde Kohlendioxid eingespart. Ein Hektar trocken gelegten Moor emittiert im Jahr so viel wie ein Auto, dass 100 000 Kilometer fährt."

Ministerium will gegensteuern

Darüber hinaus arbeite sein Haus an einer neuen Naturschutzstrategie, die im September zur Diskussion und Weiterentwicklung veröffentlicht werden solle. "Dort haben wir alle Herausforderungen für den Naturschutz im Land zusammengefasst", sagte Wenzel. "Wir versuchen, möglichst genau Bereiche zu identifizieren, um gezielt gegensteuern zu können."

"Im Prinzip haben wir es in Niedersachsen ja meist mit Kulturlandschaften zu tun", betonte er - etwa die Heide, die durch eine extreme Übernutzung entstanden sei. "Wir haben ja keine Wildnis mehr in Niedersachsen." Das Land verfolge dabei wenn möglich eine Doppelstrategie - Klimaschutz und den Erhalt der Landschaften.

"Meine Hoffnung ist, dass die Menschen noch zu einer dynamischen Veränderung in der Lage sind und wir die negativen Entwicklungen noch bestmöglich aufhalten können", sagte Wenzel. Dazu gehöre auch die Energiewende. "Wir müssen eine Energieversorgung hinkriegen, die nachhaltig ist." (dpa)

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