Kernkraftwerk Unterweser in Kleinsiel

Abbau des Reaktors bis 2028?

Kleinensiel. In vier Jahren könnten alle radioaktiven Brennelemente aus dem abgeschalteten Kernkraftwerk Unterweser in Kleinensiel entfernt sein. Der Abriss der Anlage wird nach Einschätzung des Betreibers mindestens bis 2028 dauern.
05.08.2013, 05:00
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Von Martin Wein
Abbau des Reaktors bis 2028?

Das Atomkraftwerk Unterweser in Kleinensiel: Nichts deutet darauf hin, dass die Anlage jemals wieder angefahren wird. Der Betreiber Eon hält sich die Option der Form halber offen.<QM>

Kleinensiel. In vier Jahren könnten alle radioaktiven Brennelemente aus dem abgeschalteten Kernkraftwerk Unterweser in Kleinensiel entfernt sein. Der Rückbau und der Abriss der Anlage werden nach Einschätzung des Betreibers Eon aber mindestens bis 2028 dauern. Die Arbeiten sollen frühestens dann beginnen, wenn das Bundesverfassungsgericht über die Entschädigungs-forderungen des Unternehmens entschieden hat.

Ein Kernkraftwerk zu betreiben, ist eine komplizierte Angelegenheit. Es zu entsorgen, ist fast noch komplizierter. Schnell war der 33 Jahre alte Druckwasserreaktor Unterweser im Frühjahr 2011 als direkte Reaktion auf den Reaktorunfall im japanischen Fukushima vom Netz genommen worden. Am 4. Mai 2012 stellte der Betreiberkonzern Eon den Antrag auf Still-

legung und Abbau. Seither warten die Bewohner der Wesermarsch darauf, dass der ungeliebte Nachbar verschwindet.

So schnell wird das nicht passieren. "Wir rechnen damit, dass das Genehmigungsverfahren Ende 2015 abgeschlossen ist", sagt Eon-Pressesprecherin Petra Uhlmann in Hannover. Bei einem ersten Scoping-Termin im Juni, bei dem die Planungen vorgestellt und erörtert wurden, hatten die Gemeinde Stadland sowie Anwohnervertreter und Umweltverbände zahlreiche Bedenken und Einwände geäußert. Das niedersächsische Umweltministerium muss nun entscheiden, inwieweit diese in die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung einfließen.

Beobachter rechnen nicht damit, dass die Anlage jemals wieder angefahren wird. Offiziell hält sich Eon diese Möglichkeit indessen offen. "Wir wollen das Kernkraftwerk Unterweser zurückbauen und bereiten dafür alles Notwendige vor", versichert Uhlmann. Parallel dazu halte das Unternehmen an seiner Verfassungsbeschwerde gegen die 13. Atomgesetznovelle fest.

Nach Auffassung des Eon-Vorstands war die angeordnete Stilllegung ohne eine entsprechende Entschädigung eine rechtswidrige Enteignung. Schließlich hätte

die abgeschriebene Anlage noch einige Jahre satte Gewinne einfahren können. Dazu kommt der Rückbau, der Eon nach eigenen Angaben rund 1,1 Milliarden Euro kosten wird.

Für die Entsorgung aller seiner Kernkraftwerke hat das Unternehmen langfristig Rückstellungen von insgesamt 13 Milliarden Euro vorgenommen. "Um unsere Rechtsposition zu wahren, können endgültige Rückbauarbeiten erst nach einer gerichtlichen Entscheidung erfolgen", erklärt Uhlmann. In einem ersten Schritt sollen aber schon ab dem kommendem Jahr alle 565 radioaktiven Brennelemente aus den Abklingbecken in Castor-Behälter verladen und im bestehenden Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände untergestellt werden. Dieses ist für eine Betriebsdauer von 40 Jahren zugelassen. So lange werden sie wohl mit Sicherheit an der Unterweser bleiben, denn die Suche nach einem deutschen Endlager hat bislang noch gar nicht begonnen.

Zeitgleich mit dem Abriss-Antrag hat Eon den Bau eines weiteren Zwischenlagers für schwach und mittel radioaktiven Müll auf dem Gelände in Kleinensiel beantragt. In der 70 Meter langen, 28 Meter breiten und 16 Meter hohen Lagerhalle sollen später jene 2700 Tonnen kontaminierte Anlagenteile und Bauschutt etwa aus dem Druckbehälter und seinem Betonmantel untergebracht werden, die beim Abriss des Kraftwerks anfallen. "Ohne dieses Zwischenlager ist ein Rückbau nicht möglich. Wir hoffen, dass wir den Ausbau dieser Teile bis 2026 abschließen können", sagt Uhlmann.

Nachdem das ehemalige Kraftwerk anschließend atomrechtlich freigemessen worden ist, kann der konventionelle Abriss beginnen, bei dem etwa 172000 Tonnen Bauschutt entsorgt werden müssen. Etwa 18000 Tonnen leicht belasteter Stoffe sollen nach einer Dekontamination wiederverwertet werden. Zwischen 100 und 120 eigene und bis zu 500 Mitarbeiter von Fremdfirmen werden diese Aufgaben übernehmen, schätzt man bei Eon, wo man bereits Erfahrungen mit dem Rückbau der Atomreaktoren in Würgassen und Stade gesamelt hat.

Um das Jahr 2028 sollen die Arbeiten

abgeschlossen werden. Was Eon dann mit dem Grundstück unternimmt, sei derzeit noch nicht absehbar. Eigene Pläne für ein konventionelles Kraftwerk gebe es bei Eon jedenfalls nicht, sagt die Pressesprecherin.

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