Niedersachsen

Abgeschobene Salame zurück im Land

Hannover. Nach ihrer umstrittenen Abschiebung ist die Kurdin Salame wieder in Niedersachsen mit Mann und Kindern vereint. Ihr Schicksal stand für eine inhumane Ausländerpolitik. Niedersachsens Innenminister will diese ändern.
03.03.2013, 15:11
Lesedauer: 2 Min
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Hannover. Acht Jahre nach ihrer umstrittenen Abschiebung in die Türkei ist die Kurdin Gazale Salame mit zwei ihrer Kinder am Sonntagfrüh nach Niedersachsen zurückgekehrt. Am Flughafen Hannover empfingen sie ihr Mann und ihre beiden Töchter, die sie während der Zeit der erzwungenen Trennung nicht gesehen hatte.

Unter Tränen schlossen sich alle in die Arme. "Es ist alles schön, ich will nur Frieden", sagte Salame. Die Abschiebung der Frau und die Trennung der Familie hatten bundesweit für Empörung gesorgt.

Niedersachsens neuer Innenminister Boris Pistorius (SPD) begrüßte die wiedervereinte Familie, ebenso wie zahlreiche Mitglieder der Familie und von Flüchtlingsorganisationen. Das Schicksal Salames galt lange als Beispiel einer inhumanen Flüchtlingspolitik. Nach zähem Tauziehen hatte der Landtag im Dezember grünes Licht für die Rückkehr gegeben. Politiker aller Fraktionen begrüßten am Sonntag das Ende des Flüchtlingsdramas. Unterstützer der Familie hatten am Nachmittag in Hildesheim eine kleine Willkommensfeier geplant.

"Wir freuen uns, dass Eltern und Kinder nach acht Jahren wieder vereint sind", reagierten die SPD-Abgeordneten Hanne Modder und Doris Schröder-Köpf. "Acht Jahre Familientragödie sind heute Geschichte", meinte die Grünen-Parlamentarierin Filiz Polat. Auch der CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler freute sich über das glückliche Ende des Falls.

Der FDP-Politiker Jan-Christoph Oetjen forderte grundlegende Änderungen im Asyl- und Ausländerrecht. "Der Fall Gazale Salame steht stellvertretend für die Situation vieler junger Familien in Deutschland. Es kann nicht sein, das Menschen, die nahezu ihr ganzes Leben bei uns verbracht haben, von Rechts wegen in Herkunftsländer geschickt werden müssen, die ihnen völlig fremd sind." Die schwangere Kurdin war 2005 mit ihrer einjährigen Tochter von Hildesheim in die Türkei abgeschoben worden, als der Vater die beiden älteren Töchter zur Schule brachte. Die Begründung war, dass ihre Eltern bei der Einreise in Deutschland 17 Jahre zuvor falsche Angaben über ihre Herkunft gemacht hatten. Die Familien der Eheleute waren in den 1980er Jahren vor dem Bürgerkrieg im Libanon geflohen.

Salame lebte zuletzt mit ihrer heute neunjährigen Tochter und dem sieben Jahre alten Sohn in einem Armenviertel im westtürkischen Izmir. Der Sohn hat seinen Vater und die beiden 13 und 15 Jahre alten Schwestern noch nie gesehen. Die Hälfte der Familie hätte wegen ihres unsicheren Aufenthaltsstatus nach einem Besuch in der Türkei möglicherweise nicht wieder nach in Deutschland einreisen können. "Das war eine traurige Zeit", sagte eine der älteren Töchter am Flughafen.

Innenminister Pistorius kündigte einen Vorstoß für ein liberaleres Bleiberecht an. Der Fall Salame sei ein Symbol für eine Flüchtlingspolitik, die es so nicht mehr geben sollte. Bereits lange Zeit in Deutschland lebenden Ausländern müsse es mit weniger Restriktionen als bisher ermöglicht werden, ein Bleiberecht zu erhalten. (dpa)

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