Tierschutz in Niedersachsen Abkehr vom Schnäbel-Kürzen bis 2016

Niedersachsen. Küken mit einem heißen Messer die Schnäbel stutzen - diese grausame Praxis bei Legehennen soll es in Niedersachsen nicht mehr geben. Als Vorbild gilt Österreich, wo seit 2005 auf das Kürzen verzichtet wird.
08.07.2013, 14:29
Lesedauer: 2 Min
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Niedersachsen. Küken mit 800 Grad heißen Messer die Schnäbel stutzen - diese grausame Praxis bei Legehennen soll es in Niedersachsen nicht mehr geben. Als Vorbild gilt Österreich, wo seit 2005 auf das Kürzen verzichtet wird.

Die grausame Praxis des Schnäbel-Kürzens bei Legehennen soll in Niedersachsen spätestens 2016 der Vergangenheit angehören. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte am Montag nach seiner ersten Auslandsreise nach Österreich, Niedersachsen könne dabei von der Praxis in dem Nachbarland lernen.

Dort wird seit 2005 auf Schnäbelkürzen verzichtet. In Niedersachsen werden nach Behördenangaben bei knapp 100 Prozent der Legehennen in konventioneller Boden- und Freilandhaltung die Schnäbel gekürzt, damit die Tiere sich nicht gegenseitig verletzen.

Meyer will sich beim Zeitplan für den Ausstieg an Vorgaben der schwarz-gelben Vorgängerregierung halten. Die Erzeuger will er nach österreichischem Vorbild für ein Ausstiegsmodell gewinnen. In Seminaren und Kampagnen will er aufklären, wie sich Verletzungen der Legehennen mit speziellem Futter und anderer Beleuchtung vermeiden lassen.

Logo als Erkennungszeichen für Verbraucher

Für die Übergangsphase soll es einen Entschädigungsfonds geben, sollten Ei-Produzenten wegen der neuen Praxis Ausfälle haben. Der Osnabrücker Professor Robby Andersson glaubt aber, dass der Aufpreis für die Erzeuger gering bleibe: "Wir reden hier über zwei bis drei Cent pro Ei."

Verbraucher sollen die freiwillige Selbstverpflichtung der Branche an einem neuen Logo erkennen können. Für sie dürfte es laut Andersson einen Handels-Aufschlag für ein solches "tierschützgeprüftes" Ei geben. Sie könnten bis zu sechs Cent mehr pro Ei zahlen müssen.

In Österreich ist Schnäbelkürzen grundsätzlich erlaubt, wird dort aber seit 2005 nicht mehr durchgeführt. In Niedersachsen ist es zwar verboten, wegen einer Ausnahmegenehmigung findet sie aber häufig statt. In Österreich werden rund 5,8 Millionen Legehennen gehalten, in Niedersachsen sind es nach Ministeriumsangaben 11,2 Millionen. In Deutschland kommt jedes dritte Ei aus Niedersachsen.

Hintergrund: Warum Eierproduzenten Schnäbel kürzen lassen

Der Eingriff ist schmerzhaft und grausam: mit einem heißen Messer oder per Infrarot wird jungen Legehennen der Schnabel gestutzt. Die Intensivhaltung in Niedersachsen hat dazu geführt, dass Sondergenehmigungen für dieses Verfahren die Regel sind, obwohl die Praxis eigentlich verboten ist.

Während auf Hinterhöfen scharrende Hühner Auslauf haben, teilen sich in modernen Betrieben sieben Hennen einen Quadratmeter. In dieser Enge gehen die Tiere mitunter aufeinander los und verletzen sich, daher werden die Schnäbel gekürzt. Das Verhalten kann mit spezieller Beleuchtung und anderem Futter wie Sonnenblumenkernen statt Soja eingedämmt werden.

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