OB-Kandidaten auf dem Podium Alle wollen mehr für Integration tun

Delmenhorst. In der heißen Phase vor der Oberbürgermeisterwahl am 25. Mai folgt in diesen Tagen eine Veranstaltung mit den drei Kandidaten auf die nächste. Bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend lag der Schwerpunkt auf dem Thema Integration.
16.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Alle wollen mehr für Integration tun
Von Mareike Meyer

In der heißen Phase vor der Oberbürgermeisterwahl am 25. Mai folgt in diesen Tagen eine Veranstaltung mit den drei Kandidaten auf die nächste. Bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend lag der Schwerpunkt auf dem Thema Integration. Die Zuhörer nutzten die Veranstaltung, um sich ein Bild zu machen, aber vorwiegend auch, um Wünsche loszuwerden, und versuchten, dem Trio Zugeständnisse abzuringen.

Ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum hörte sich am Mittwochabend im Gemeindesaal der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde an der Elsflether Straße an, wofür die drei Kandidaten stehen, die sich um das Amt des Oberbürgermeisters bewerben: Patrick de La Lanne (parteilos), Heidi Naujoks (CDU) und Axel Jahnz (SPD). Unter den rund 90 Zuhörern waren auch viele Kinder. Organisiert hatte die Veranstaltung der Integrationsbeirat.

Für die junge Generation besonders bedeutend: Das Thema doppelte Staatsbürgerschaft, das unter anderem von Moderatorin und Pastorin Anne Frerichs angesprochen wurde. Eine Frau aus dem Publikum schilderte, dass sie sich die deutsche Staatsbürgerschaft wegen der hohen Gebühren nicht leisten könne, dabei sei sie im Alter von neun Tagen in die Bundesrepublik gekommen. Die Kosten betragen aktuell 255 Euro – für eine Auszubildende, wie sie sagte, zu viel. Während Amtsinhaber Patrick de La Lanne erklärte, dass es sich um Bundesgesetze handele, über die man nicht in Delmenhorst entscheide, hatte CDU-Kandidatin Heidi Naujoks einen Tipp für die Zuhörerin parat: „Der Betrag kann auch in Raten beglichen werden.“ Axel Jahnz verwies hingegen auf Parteikollegin und Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag, mit der er über das Problem reden wolle.

Um Geld ging es auch bei folgender Frage, die Anne Frerichs den Kandidaten stellte: „Der Integrationsbeirat hat einen Jahresetat von 1000 Euro. Halten Sie das für angemessen?“, wollte sie wissen. Die Befragten waren sich einig: Nein, das ist zu wenig. „Alles, was der Integrationsbeirat leistet, müsste sonst die Stadt mit Mitarbeitern leisten“, meinte Jahnz dazu. Seiner Meinung nach „hat der Integrationsbeirat einen Anspruch darauf, dass die 1000 Euro aufgestockt werden“. Als aus dem Publikum die Bemerkung kam, dass leere Versprechungen in der Politik an der Tagesordnung seien, nutzte der Amtsinhaber diese Vorlage für eine Spitze in Richtung Axel Jahnz, obwohl auch de La Lanne eine Erhöhung des Etats befürwortete: „Herr Jahnz, man muss auch den Mut haben, nein zu sagen, wenn die finanzielle Lage das nicht hergibt.“ Heidi Naujoks pflichtete ihm bei: „Ich nehme Versprechen sehr ernst und gebe sie nur, wenn ich auch weiß, wie ich sie finanzieren kann.“

Ampel im Fokus

Ein weiteres Scharmützel gab es bei einem sehr präsenten Thema an diesem Abend: Die aramäische Gemeinde fordert seit Jahren, eine Fußgängerampel an der Elsflether Straße zu bauen, um den Kirchgängern die Überquerung der Straße zu erleichtern. 2004 entschied der Rat hingegen, eine Verkehrsinsel an dieser Stelle zu schaffen. „Es gab drei schwere Unfälle und ich will, dass Sie mir hier und jetzt versprechen, dass diese Ampel gebaut wird“, verlangte eine Zuhörerin. Außer Jahnz wollte sich keiner der Kandidaten auf ein solches Versprechen einlassen: „Das hätte schon längst passieren müssen. Ich werde das unterstützen“, versicherte der SPD-Kandidat, der momentan noch Bürgermeister in Hude ist, woraufhin De La Lanne zu einem weiteren Seitenhieb ansetzte: „Die Verzinkerei in Hude ist seit Jahren ein Schandfleck. Manchmal dauern bestimmte Dinge einfach lang.“

Unter all ihren Anliegen interessierte die Besucher der Diskussion eine Sache besonders brennend – wie sehr den Kandidaten die Integration am Herzen liegt. Ein vorgeschlagenes jährlich stattfindendes Fest der Kulturen nach Stadtfest-Vorbild beispielsweise kam bei dem Trio auf dem Podium durchweg gut an. „Das spiegelt die kulturelle Vielfalt nach draußen – ein echtes Leuchtturmprojekt“, zeigte sich Axel Jahnz begeistert. Heidi Naujoks („Bei Feiern bin ich sofort dabei“) machte den Vorschlag, das Fest noch durch das Mitwirken der Partnerstädte zu erweitern. Patrick de La Lanne lobte die Idee ebenfalls: „Delmenhorst kann man lernen, Delmenhorster können wir alle werden“.

Die letzte Frage von Moderatorin Anne Frerichs zielte auf das persönliche Umfeld der Kandidaten ab: „Haben Sie Migranten in Ihrem Freundeskreis?“, wollte sie wissen. Da musste Amtsinhaber de La Lanne nicht lange überlegen: „Wer bei meinem Geburtstag war, weiß, dass dort alle Kulturen vertreten waren“, schilderte er und berichtete von der schottischen Herkunft seines Vaters. „Ich bin in zwei Kulturen aufgewachsen und bin in beiden zu Hause“, sagte de La Lanne. Heidi Naujoks berichtete von ihren vielen Reisen und ihrem Studium der Japanologie und Axel Jahnz fasste zusammen: „Wenn ich unter Freunden bin, spielt die Herkunft keine Rolle.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+