Ananas-Kultgetränk Anjola neu aufgelegt

Alte Limo prickelt wieder

Die Anjola-Brause kommt wieder. Nach acht Jahren Durststrecke wird das Ananas-Limo wieder produziert. Das Kultgetränk aus den 50er-Jahren wird mit Bio-Image in Wagenfeld abgefüllt.
01.02.2016, 00:00
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Alte Limo prickelt wieder
Von Justus Randt
Alte Limo prickelt wieder

Die Anjola-Flaschen der ersten Generation waren fruchtförmig und gekerbt wie eine Ananas.

Christian Kosak

Die Anjola-Brause kommt wieder. Nach acht Jahren Durststrecke wird die Ananas-Limo wieder produziert. Das Kultgetränk aus den 50er-Jahren wird jetzt mit Bio-Image in Wagenfeld abgefüllt.

Produktion in Blumenthal nach Brand eingestellt

Heute soll Anjola eine andere Sehnsucht erfüllen, die nach einer gerechteren Welt. Die neue Markeninhaberin, die Fritz-Kulturgüter GmbH in Hamburg, unterstreicht drei Eigenschaften, „die einfach heute dazugehören“: Anjola sei bio, fair gehandelt und vegan. Klingt nach etwas Großem, und auch die Flasche ist etwas größer geworden: 0,33 Liter Limo passen neuerdings hinein. Als Johannes Gleske, Mineralwasserhersteller aus Hamburg-Stellingen, Anjola 1953 beim Deutschen Patent- und Markenamt registrieren ließ, mussten sich die Kunden mit Viertelliterfläschchen begnügen. Und so blieb es, auch als 1971 der Blumenthaler Hans-Georg Hatscher Anjola kaufte und herstellte. Bis er die Produktion nach einem Brand 1987 einstellen musste.

Die Brauerei Jacobus Feyen im ostfriesischen Großefehn legte nach nur fünfwöchiger Unterbrechung mit der Herstellung in Allein-Lizenz los. In Spitzenzeiten seien pro Jahr 250.000 Füllungen im Umlauf gewesen, erinnerte sich Feyen. „Das war das Kultgetränk der Fünfzigerjahre – und handgemacht, bis zum Schluss.“ Das Ende kam Weihnachten 2008, und es war absehbar.

„Die Maschinen sind sehr veraltet, man hätte enorm investieren müssen“, sagte Feyen damals. Und die, im Prinzip stets beibehaltene Methode, Konservenananas durch den Fleischwolf zu drehen, ist jetzt endgültig Vergangenheit. „Heute wird die Ananas erntefrisch in Sri Lanka zerkleinert und der Saft aus den Stücken gepresst“, teilen die neuen Hersteller mit. Dann wird der Saft eingefroren und per Schiff zur Verarbeitung angeliefert. Gemischt und abgefüllt wird Anjola wieder in Niedersachsen, in Wagenfeld (Landkreis Diepholz). Zu kaufen gibt es sie nur in Bremen und Hamburg.

Als Hans-Georg Hatscher anfing, nach einem Käufer für die Anjola-Markenrechte zu suchen, hatte er schon vermutet, dass sich sein Fruchtsaftgetränk zum Bioprodukt mausern könnte. Dass dabei nicht alles beim Alten bleiben würde, war klar. „Der Geschmack von damals ist nicht bis heute überliefert“, heißt es bei Fritz-Kulturgüter. „Daher mussten wir sowieso ganz von vorn anfangen.“

Heute mit Schraubverschluss

Ergebnis: Es gibt diverse Geschmacksrichtungen, die ursprüngliche, Ananas, ist jetzt abgemischt mit Limette. Eines der Hauptprobleme beim Neustart war die Flasche. Überwurfetiketten zum Beispiel, wie sie dem knubbeligen Behältnis ehedem an den Hals gehängt wurden, waren längst nicht mehr zulässig, weil wichtige Verbraucherinformationen verloren gehen könnten. Neuerdings hat Anjola statt des Kronkorkens einen Schraubverschluss, „weil das eher erwartet wird“.

Was die Hersteller hoffen, ist, dass auch die neue Flasche „hoffentlich bald ein Klassiker“ werden möge. Als er die Produktion einstellte und die Lizenz zurück gab, hatte Jacobus Feyen geschätzt, dass noch mehrere Millionen der markanten kleinen Pfandflaschen existieren, die sich auch zu Hause als Tischvase gut machen.

Hans-Georg Hatscher hatte zuletzt einen Hersteller in Polen. „Bei dem war die Flasche billiger als das Pfand“, sagte er. Das dürfte sich geändert haben. Nicht weil die Flaschen, deren Oberfläche der Ananasstruktur nachempfunden ist, jetzt in Thüringen hergestellt werden. Grund dürfte sein, dass Anjola „durch die Herausforderungen Bio und Fairtrade in wirklich kleinen Mengen produziert“ wird.

Hatscher hat just fünf Flaschen von einem unbekannten Absender zugeschickt bekommen. „Ich bin total überrascht gewesen, dass Anjola wieder da ist“, sagt er. Und was hält der gelernte Lebensmittelkaufmann von der jungen Anjola? Prickelt’s wie früher? „Schmeckt gut“, findet der 76-Jährige. Alte Liebe eben.

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