Grenzdurchgangslager Friedland Anlage soll künftig Asylbewerber aufnehmen

Friedland. Das Grenzdurchgangslager Friedland soll zentrale Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Niedersachsen werden. Das hat Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann bei Verabschiedung der letzten irakischen Flüchtlinge in Friedland mitgeteilt.
04.08.2010, 15:51
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Von Heidi Niemann

Friedland. Das Grenzdurchgangslager Friedland soll zentrale Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Niedersachsen werden. Das hat Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann gestern bei Verabschiedung der letzten irakischen Flüchtlinge in Friedland mitgeteilt. Friedland habe eine lange Tradition bei der Erstaufnahme von Spätaussiedlern aus Osteuropa, sagte Schünemann. Wegen des starken Rückgangs der Aussiedlerzahlen seien die Kapazitäten jedoch nicht mehr ausgelastet. Deshalb solle das Lager künftig die Erstaufnahme sowohl für die Spätaussiedler und jüdischen Emigranten als auch für die dem Land Niedersachsen zugeteilten Asylbewerber übernehmen.

Dafür will das Land die Zentrale Aufnahme- und Ausländerbehörde (ZAAB) sowie das Aufnahmelager in Oldenburg schließen. Das hatte das Kabinett bei seiner Haushaltsklausur beschlossen. Die Räumlichkeiten in Oldenburg habe das Land nur gemietet, sagte Schünemann. Spätestens ab 2012 solle die Verlagerung der Erstaufnahme nach Friedland umgesetzt sein. Hierzu gebe es erste Gespräche mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das zustimmen muss. Die Gemeinschaftsunterkünfte in Bramsche und Braunschweig sollen laut Ministeriumssprecher Klaus Engemann bestehen bleiben.

Schünemann rechnet mit 3000 Asylbewerbern jährlich, die entsprechend dem Verteilungsschlüssel der Länder nach Niedersachsen kommen werden. Friedland soll dann für alle die erste Anlaufstelle sein. Damit könnten die Mitarbeiter des Grenzdurchgangslagers auf viele Jahre hinaus weiter beschäftigt werden, sagte der Innenminister. Für die Erstaufnahme der Asylbewerber würden außerdem zusätzliche Fachkräfte benötigt.

Schünemann verabschiedete gestern die letzten 21 irakischen Flüchtlinge, die in einer von der Europäischen Union initiierten Aufnahmeaktion nach Deutschland kamen. Sie waren Ende April aus Syrien eingeflogen und hatten im Anschluss an das Erstaufnahmeverfahren im Lager Friedland einen Integrationskursus besucht. Die Flüchtlinge, unter ihnen zahlreiche Kinder, werden nun in ihre künftigen Heimatkommunen weiterreisen. Der Innenminister wünschte einen guten Start und händigte ihnen die Integrationsurkunden aus.

Ein Sprecher der Flüchtlinge bedankte sich für die Unterstützung und Gastfreundschaft in Deutschland. Jeder von ihnen habe viel durchgemacht, habe Unterdrückung und Unrecht erlitten. 'Wir hoffen, dass wir gute deutsche Bürger werden', sagte er. Eine Frau, die mit mehreren Kindern nach Deutschland gekommen ist, bat den Innenminister um Hilfe. Ihr Mann sei 2007 entführt worden und erst vor wenigen Wochen wieder frei gekommen. Sie bat darum, auch ihm die Übersiedlung nach Deutschland zu ermöglichen, damit die Familie wieder komplett sein könne. Schünemann versprach, den Fall zu prüfen.

Die Aufnahmeaktion der irakischen Flüchtlinge hatte im März vergangenen Jahres begonnen. Seitdem waren 2500 Iraker aus Flüchtlingslagern in Syrien und Jordanien nach Friedland gekommen. Die meisten von ihnen gehören religiösen Minderheiten an. Etwa 130 Kontingentflüchtlinge bleiben dauerhaft in Niedersachsen, die anderen wurden nach einem festgelegten Schlüssel auf die verschiedenen Bundesländer verteilt.

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