Versuchsfeld in 490 Metern Tiefe geräumt

Asse: Mehr als 100 Atommüll-Fässer geborgen

Aus dem maroden Atommüll-Lager Asse sind mehr als 100 Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen geborgen worden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigte die Entsorgung.
15.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Reimar Paul
Asse: Mehr als 100 Atommüll-Fässer geborgen

Im Atommülllager Asse im Landkreis Wolfenbüttel wurden bereits 106 Fässer mit radioaktivem Abfall entsorgt.

dpa

Aus dem maroden Atommüll-Lager Asse sind mehr als 100 Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen geborgen worden. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigte die Entsorgung.

Das BfS informierte im Frühjahr 2013 über den Beginn der Räumung eines Versuchsfeldes in 490 Metern Tiefe. Dort hatte der frühere Betreiber untersucht, wie in Betonproben enthaltenes Nuklearmaterial frei gesetzt wird, wenn es mit verschiedenen Salzlösungen in Kontakt kommt. Doch dass inzwischen sämtliche bei den Experimenten angefallenen Strahlenabfälle entsorgt sind, bestätigte das BfS nach Hinweisen von Umweltschützern erst jetzt.

93 von insgesamt 106 Behältern wurden demnach in die niedersächsische Landessammelstelle für radioaktive Abfälle im Landkreis Nienburg gebracht. Die übrigen Fässer kamen zu Versuchsauswertungen ins Karlsruher Institut für Technologie, dem früheren Kernforschungszentrum. Die BfS-Sprecherin Ina Stelljes betont, dass die Fässer nicht aus den für die Einlagerung genutzten Kammern stammten und die Bergung auch nicht Teil der eigentlichen Räumung der Asse war.

Fässer wurden durch Schacht II entsorgt

Gleichwohl hat die Aktion die Debatte über das weitere Vorgehen zur Schließung des Bergwerks neu befeuert. Denn die 106 Fässer wurden durch den bestehenden Schacht II an die Oberfläche befördert. Über diesen Schacht fahren auch die Bergleute in die Grube ein. Maschinen und Material gelangen auf diesem Weg ebenfalls ins Bergwerk und wieder hinaus. Über den Schacht II ließ auch der damalige Betreiber zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Abfällen sowie Giftmüll einlagern.

Zwei früher zur Salzgewinnung genutzte Schächte, Asse I und III, liefen voll Wasser und mussten aufgegeben werden. Der kleine Bohrschacht Asse IV soll nur in Notfällen genutzt werden. Nach einem Vergleich verschiedener Varianten war das BfS zu dem Schluss gelangt, dass das Atomlager nur nach einer Bergung sämtlicher Abfälle sicher geschlossen werden kann. Um Schacht II zu entlasten und Beschäftigte nicht unnötig mit dem Atommüll in Kontakt zu bringen, plant die Behörde für die Rückholaktion den Bau eines weiteren Schachtes. Probebohrungen dafür wurden kürzlich abgeschlossen.

Atomgegner fordern schnellere Entsorgung der restlichen Abfälle

Nach Ansicht der Wolfenbütteler Atom-Ausstiegs-Gruppe (WAAG) liefert die erfolgte Räumung des Forschungsbereichs aber Hinweise, dass sich eine Bergung zumindest eines Teils der übrigen Abfälle doch über den Schacht II bewerkstelligen lassen könnte. Dass Bergleute und Atommüll nicht über denselben Schacht transportiert werden sollten, sei nun nicht mehr zu halten, erklärte die Initiative gestern. Damit rücke auch ein früherer Beginn der Rückholung in den Bereich des Möglichen, das Bundesumweltministerium nennt bislang das Jahr 2033. Das bedeute, dass etwa der notwendige Bau eines Zwischenlagers „eine andere Priorität erlangen“, so ein WAAG-Sprecher.

Die bereits geborgenen Behälter hätten nur sehr schwach radioaktives Material enthalten, hält BfS-Sprecherin Stelljes dagegen. Die Stoffe aus dem Versuchsbereich seien nicht vergleichbar mit den ansonsten in der Asse eingelagerten Abfällen. Weil der Atommüll aus den teils beschädigten Fässern unter Tage umverpackt werden müsse, passe er schon vom Volumen her nicht durch den Schacht II.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+